Waffenruhe mit Nebenwirkungen
Wifo-Chef analysiert Iran-Krieg und warnt vor "Jojo-Effekten"

Die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran sorgte für Entspannung an den Märkten und bei den Energiepreisen. Laut Gabriel Felbermayr drohen jedoch dauerhafte Schäden – auch wegen Donald Trumps "TACO"-Verhalten.

Nach der kurz vor dem Auslaufen des Ultimatums von Donald Trump zwischen den USA und dem Iran vereinbarten zweiwöchigen Waffenruhe zeigte sich an den internationalen Märkten zunächst deutliche Erleichterung. Die meisten Börsen waren am Mittwoch stark im Plus, und mit den Öl- und Gaspreisen ging es deutlich nach unten.

Wie Gabriel Felbermayr in einer Analyse auf der Internetplattform Bluesky festhält, sei die Erleichterung "riesig" – von Ölpreisen bis zu Staatsanleihen. Eine nachhaltige Lösung des Konflikts sei damit jedoch nicht erreicht. Vielmehr bleibe laut dem Direktor des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) auch die Unsicherheit "riesig", die Volatilität hoch. Es drohten "Jojo-Effekte wie in der Corona-Zeit". Die Straße von Hormus könne wiederholt geöffnet und geschlossen werden. Dies bedeute, dass die Energiepreise hoch bleiben dürften, ebenso wie die Störungen in den globalen Lieferketten, schreibt der Ökonom.

Lehrbuchfall der Geoökonomik

Felbermayr spricht in diesem Zusammenhang von einem "Lehrbuchfall der Geoökonomik". Die Kontrolle über die Straße von Hormus als strategischen Engpass sei ökonomisch bedeutender als die Lufthoheit über ganze Staaten.

Kritisch bewertet der WIFO-Direktor zudem die Rolle der USA. Zwar handle es sich weiterhin um die größte Macht der Welt, deren Handlungsspielräume würden jedoch zunehmend durch Marktreaktionen begrenzt. Das aus früheren Konflikten bekannte Muster "TACO – Trump Always Chickens Out" – deute darauf hin, dass Drohgebärden regelmäßig relativiert würden. Dieses "dauernde Vabanquespiel" generiere, so der Ökonom, "erhebliche und dauerhafte Schäden".

Golfstaaten als größte Verlierer

Als zentrale Verlierer:innen der aktuellen Entwicklung identifiziert Felbermayr die Golfstaaten: "Ihr Geschäftsmodell ist beschädigt". Zusätzliche Gebühren für die Passage durch die Straße von Hormus wirkten "wie eine Exportsteuer".

Auf die globalen Energiepreise dürften sich diese Kosten jedoch kaum direkt auswirken. Entscheidend für die Preisbildung seien nicht die vergleichsweise günstigen Förderbedingungen in der Golfregion, sondern die höheren Produktionskosten etwa in den USA oder Norwegen.

www.wifo.ac.at

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