Bei einer Pressekonferenz im Bundesministerium präsentierte die APG ihren aktuellen Netzentwicklungsplan und zeigte, welche Weichen jetzt gestellt werden sollen, damit Versorgungssicherheit, Energiewende und Wettbewerbsfähigkeit in Österreich nicht ins Stocken geraten.
Mit dem Ende März präsentierten Entwurf für das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) hat die Bundesregierung ein zentrales Vorhaben für die Energiewende auf den Weg gebracht (LEADERSNET berichtete). Dieses soll als Schlüssel für schnellere Verfahren und mehr Investitionen fungieren, weil es Genehmigungen für Energieanlagen vereinfache, Bürokratie abbaue und damit den Ausbau erneuerbarer Energien, der Netzinfrastruktur sowie von Speichern beschleunige.
Wie eng diese neuen Rahmenbedingungen mit dem konkreten Ausbau der Strominfrastruktur verknüpft sind, wurde am Dienstag bei einer Pressekonferenz deutlich. Dort präsentierten Vorstandssprecher Gerhard Christiner und Finanzvorstand Marcus Karger von der Austrian Power Grid (APG) gemeinsam Bundesminister Wolfgang Hattmannsdorfer den aktuellen Netzentwicklungsplan und erklärten, wie Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Energiewende in Österreich künftig abgesichert werden sollen.
Neun Milliarden Euro für Um- und Ausbau
Wie Wolfgang Hattmannsdorfer im Rahmen der Pressekonferenz betonte, gelte der Ausbau der Stromnetze als zentrale Voraussetzung für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Österreich. Er entscheide darüber, ob die industrielle Transformation gelingt, neue Investitionen ins Land kommen und Österreich im internationalen Wettbewerb bestehen kann. Der aktuelle Netzentwicklungsplan zeigt dazu den konkreten Ausbaupfad für die heimische Strominfrastruktur und sieht in den kommenden zehn Jahren Investitionen von rund neun Milliarden Euro in den Um- und Ausbau des Netzes vor. Damit sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, um Versorgungssicherheit, leistbare Energie und wirtschaftliches Wachstum langfristig abzusichern.
"Der Netzausbau entscheidet, ob Investitionen und Arbeitsplätze zu uns kommen – oder in andere Länder abwandern. Ohne leistungsfähige Netze gibt es keine leistbare Energie, keine industrielle Transformation und keinen wettbewerbsfähigen Standort. Rund 90.000 Beschäftigungsverhältnisse werden gesichert oder geschaffen, gleichzeitig entstehen fiskalische Effekte von rund 2,8 Milliarden Euro. Der Netzausbau ist damit ein zentrales Konjunkturprogramm für Österreich", so der Wirtschaftsminister.
Tatsächlich reicht die wirtschaftliche Bedeutung des Netzausbaus weit über den Energiesektor hinaus, wie auch aktuelle Zahlen der APG zeigen. Demnach belaufen sich die Wertschöpfungseffekte insgesamt auf 6,57 Milliarden Euro, der Multiplikator liegt mit 1,93 deutlich über dem Durchschnitt von 1,47. Das bedeutet, dass jeder investierte Euro zusätzliche Wertschöpfungseffekte von 93 Cent in der heimischen Wirtschaft auslöst. Der Netzausbau wirke damit direkt als Konjunkturprogramm für Österreich – von der Bauwirtschaft über die Industrie bis hin zu Planung und Technologie. "Unsere Investitionen sind ein zentraler Wirtschaftsmotor: Sie sichern Beschäftigung, stärken die heimische Wertschöpfung und schaffen die Grundlage für eine erfolgreiche Energiewende", ergänzte Marcus Karger, Finanzvorstand der APG.
Drei Voraussetzungen für ein zukunftsfittes Stromnetz
Wie APG-Vorstandssprecher Gerhard Christiner betonte, brauche es für ein zukunftsfittes Stromnetz drei zentrale Voraussetzungen: erstens ausreichend Kapazitäten, um die stark steigende Nachfrage abzudecken, zweitens eine leistungsfähige Ost-West-Übertragung innerhalb Österreichs und drittens eine stärkere internationale Anbindung an den europäischen Strommarkt. Der Handlungsbedarf werde laut APG bereits durch die aktuellen Netzzugangsanfragen deutlich, die sich bei Wind- und Photovoltaikprojekten auf mehr als 10.000 Megawatt belaufen, während Rechenzentren zusätzlich einen Bedarf von rund 2.500 Megawatt angemeldet haben.
"Die Nachfrage zeigt klar: Investitionen folgen der Infrastruktur. Für die Industrie ist entscheidend, dass Strom in ausreichender Menge und zu einem günstigen Preis verfügbar ist. Kapazitätsstarke Leitungen sichern günstige Strompreise. Umspannwerke sind wie große Steckdosen, an die sich Industriebetriebe anschließen können. Der Netzausbau ist daher die Voraussetzung für industrielle Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit", meint Christiner.
Wie sich diese Anforderungen im konkreten Ausbaupfad niederschlagen, zeige der Netzentwicklungsplan mit einer Vielzahl geplanter Projekte in ganz Österreich. Dazu zählen etwa der Ausbau im Zentralraum Oberösterreich als Grundlage für die industrielle Transformation, unter anderem im Bereich klimaneutraler Stahlproduktion, die Deutschlandleitung zur stärkeren Integration in den europäischen Strommarkt sowie große Netzausbaucluster im Osten Österreichs zur Einbindung erneuerbarer Energien. Das größte Projekt in Planung ist derzeit der Ausbau der 380-kV-Leitung in Kärnten, für den aktuell die Detailplanung der Trasse läuft. In einem intensiven Stakeholder-Prozess würden dabei Bürger:innen, Gemeinden, Bundesländer und Sozialpartner eingebunden. Insgesamt sollen die Projekte dazu beitragen, Strom künftig effizient, planbar und genau dort verfügbar zu machen, wo er gebraucht wird – in der Industrie, in den Regionen und bei neuen Investitionen.
EABG als Schlüssel für schnelleren Ausbau
Um Strominfrastrukturprojekte aber auch rasch umsetzen zu können, brauche es die richtigen politischen Rahmenbedingungen, die unter anderem das kürzlich vorgelegte EABG schaffen könnte. Für den Beschluss im Nationalrat ist jedoch eine Zweidrittelmehrheit erforderlich, wodurch auch Stimmen der Opposition notwendig sind, die sich allerdings kritisch zum Entwurf äußerte. Vor diesem Hintergrund appellierte Hattmannsdorfer abschließend an alle Parteien, "hier gemeinsam Verantwortung zu übernehmen", denn: "Das EABG ist der Schlüssel, damit der Netzausbau in Österreich endlich Fahrt aufnimmt. Zu lange Verfahren bremsen Investitionen und gefährden unsere industrielle Entwicklung. Wenn wir wollen, dass Betriebe bei uns produzieren und investieren, dann müssen wir die Infrastruktur rechtzeitig bereitstellen – genau dafür braucht es jetzt rasch dieses Gesetz."
Mehr Informationen zum Netzentwicklungsplan lesen Sie hier.
Eine aktuelle IHS-Analyse deckt die wahren Gründe für teuren Sprit auf und bringt Brüssel unter Druck. Wolfgang Hattmannsdorfer fordert nun von der Europäischen Union ein Ende intransparenter Preis-Benchmarks.
Eine Vielzahl an Nachwuchstalenten stellte in diesem Jahr ihr Können unter Beweis, um einer feinfühligen Branche zu mehr Rückhalt zu verhelfen. Für die Sieger:innen geht die Reise nun weiter zur internationalen Entscheidung an die Côte d’Azur.
Eine späte Datenanpassung durch NielsenIQ für das Gesamtjahr 2025 verändert das Bild im österreichischen LEH. Marktführer Spar verliert an Abstand, während der erste Verfolger Rewe sowie die Diskonter Hofer und Lidl näher heranrücken.
Eine im Auftrag eines großen Onlinehändlers durchgeführte Auswertung zeigt, wie stark flexible Zahlungsarten genutzt werden und welche Unterschiede es zwischen den Ländern gibt.
Kommentar veröffentlichen