Arzneimittelversorgung unter Druck: Produktion als Schlüssel zur Stabilität

Lieferengpässe machen die Schwächen globaler Strukturen sichtbar. Warum stabile Versorgung nur im Zusammenspiel von Produktion und Lager gelingt.

Die Diskussion rund um Arzneimittelengpässe hat in den vergangenen Jahren deutlich an Intensität gewonnen. Dabei entsteht oft der Eindruck, die Versorgung sei grundsätzlich gefährdet. In der Praxis zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild: Engpässe bedeuten nicht automatisch, dass Patient:innen nicht mehr versorgt werden können. Hersteller, Großhandel und Apotheken reagieren mit hoher Flexibilität auf kurzfristige Unterbrechungen. Alternativen werden organisiert, Lieferströme angepasst, Verfügbarkeiten neu gesteuert.

Gerade diese Anpassungsfähigkeit zeigt jedoch auch, wie sensibel die bestehenden Strukturen geworden sind. Die Stabilität der Versorgung hängt zunehmend davon ab, wie gut einzelne Teile der Wertschöpfungskette ineinandergreifen. Für Christoph Reinwald, General Manager des Pharma-Start-ups Complex Pharmaceuticals, ist genau das der entscheidende Punkt: "Versorgungssicherheit entsteht nicht im Krisenfall, sondern in der Struktur der Produktion."

Lager schafft Stabilität – Produktion schafft Verfügbarkeit

Mit der verpflichtenden Bevorratung ausgewählter Arzneimittel wurde in Österreich ein wichtiger Schritt gesetzt. Mindestbestände können kurzfristige Schwankungen abfedern und erhöhen die Planungssicherheit im System. Gleichzeitig bleibt ihre Wirkung begrenzt. Lagerbestände setzen voraus, dass Produkte zuvor hergestellt, verarbeitet und freigegeben wurden. Kommt es in diesen vorgelagerten Schritten zu Verzögerungen, lässt sich das durch Vorrat allein nicht ausgleichen. Lager stabilisiert das System – die Verfügbarkeit entsteht jedoch in der Produktion.

Globale Strukturen stoßen an Grenzen

Ein wesentlicher Treiber der aktuellen Situation liegt in der Etablierung internationaler Produktionsmodelle. Über viele Jahre wurde die Herstellung aus Kostengründen zunehmend in andere Regionen verlagert. Das hat Effizienz gebracht, gleichzeitig aber die Abhängigkeiten erhöht. Mit jeder zusätzlichen Schnittstelle wächst der Abstimmungsaufwand. Produktionsschritte, die über mehrere Standorte verteilt sind, machen Lieferketten komplex und anfällig. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie schwer es unter diesen Bedingungen ist, kurzfristig auf veränderte Nachfrage oder Störungen zu reagieren.

Regionale Kapazitäten gewinnen an Bedeutung

Vor diesem Hintergrund rückt die Rolle regionaler Produktionsstrukturen stärker in den Fokus. Ein nachhaltiger Pharmastandort braucht nicht nur Forschung und Entwicklung, sondern auch industrielle Kompetenz und Umsetzung. Besonders entscheidend sind dabei die letzten Schritte vor der Markteinführung: Verpackung, Serialisierung und Qualitätsprüfung bestimmen, wann ein Arzneimittel tatsächlich verfügbar ist. Werden diese Prozesse regional abgebildet, lassen sich Anpassungen deutlich schneller umsetzen.

Genau hier setzt Complex Pharmaceuticals an. In Traiskirchen bei Wien entsteht ein hochautomatisiertes Produktions- und Verpackungszentrum, das bewusst auf unterschiedliche Chargengrößen und flexible Abläufe ausgelegt ist. Parallel dazu werden aktuell Lagerkapazitäten erweitert und qualifiziertes Personal aufgebaut, um auf Bedarfsschwankungen künftig rascher reagieren zu können.

"Wir müssen Produktion wieder so aufstellen, dass sie unterschiedliche Anforderungen abbilden kann – nicht nur große Volumina, sondern auch kleinere, spezialisierte Chargen", so Reinwald. "Damit wird Produktion wieder zu einem zentralen Hebel für eine stabile Arzneimittelversorgung."

www.complex-pharma.com

 


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