Private Capital verschärft Wettbewerb
85 Prozent der Unternehmen planen Wechsel zu Nicht-Banken

| Tobias Seifried 
| 18.03.2026

Für Corporate- und Investmentbanken verschärft sich laut einer aktuellen Studie der Wettbewerbsdruck – während technologische Defizite, hohe Kosten und kulturelle Hürden die Transformation bremsen.

Geht es nach den Ergebnissen des "World Corporate and Investment Banking Report 2026" von Capgemini, dann setzen steigende Kundenerwartungen und unzureichende Fortschritte bei Technologieinitiativen die Bankenbranche unter Druck. Demnach planen 85 Prozent der Firmenkunden innerhalb der kommenden zwölf Monate, alternative Finanzanbieter zu nutzen – vor allem aufgrund transparenterer und schnellerer Dienstleistungen.

Der Report basiert auf einer Befragung von 750 Führungskräften aus dem Corporate- und Investmentbanking mit einem Jahresumsatz von jeweils mindestens einer Milliarde US-Dollar (siehe Infobox).

Nicht-Banken schließen Wettbewerbslücke

Martina Sennebogen, Vorstandsvorsitzende bei Capgemini Österreich, erklärt, Nicht-Banken würden "die Wettbewerbslücke zu etablierten Corporate und Investmentbanken schließen". Die Anforderungen der Kunden hätten sich "dramatisch verändert". Zwar hätten Banken umfangreich in Künstliche Intelligenz investiert, viele Institute kämen jedoch nicht über Pilotprojekte hinaus. Ein Grund liege in der Governance: Nur 26 Prozent der Banken verfügten über eine zentralisierte Steuerung von KI, was die Automatisierung geschäftskritischer Prozesse erschwere.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssten Banken laut Sennebogen skalierbare Plattformen aufbauen und stärker mit Partnern kooperieren. Frühzeitige Umsetzung könne sich in höherer Kundenbindung, steigenden Gebühreneinnahmen und geringeren Kosten niederschlagen.

Kluft zwischen Erwartung und Leistung

Laut dem Report bleibt die Diskrepanz zwischen Kundenerwartungen und tatsächlichem Leistungsangebot groß. 58 Prozent der Kunden erwarten Echtzeit-Reaktionsfähigkeit, 49 Prozent personalisierte Betreuung und 40 Prozent innovative Lösungen. Allerdings sind nur 23 Prozent der Befragten der Ansicht, dass Banken diese Anforderungen derzeit erfüllen.

Zudem kritisieren viele Unternehmen die mangelnde Integration von Bankdienstleistungen in ERP- und Treasury-Systeme. Dies führe häufig zu manuellen Workarounds (92 %) sowie Defiziten bei Personalisierung und Flexibilität (89 %). Auch bei fortgeschrittener Analytik und Prognose sehen 68 Prozent Verbesserungsbedarf.

Begrenzte Handlungsspielräume

Hinzu kommt, dass Innovationsprogramme häufig hinter den Erwartungen zurückbleiben. So berichten 82 Prozent der Führungskräfte, dass diese keine zusätzlichen Umsätze durch neue Produkte generiert hätten, während 51 Prozent die erhofften Kosteneinsparungen vermissen.

Gleichzeitig sind die Handlungsspielräume begrenzt. Nur 29 Prozent der IT-Budgets fließen in transformative Technologien, während 43 Prozent für Betrieb und Wartung bestehender Systeme aufgewendet werden. 61 Prozent der Führungskräfte sehen sich zudem durch hohe Compliance-Kosten eingeschränkt.

Auch die Wachstumsaussichten trüben sich ein: Laut Analyse von Capgemini dürfte das durchschnittliche jährliche Wachstum im CIB-Segment in den kommenden fünf Jahren bei 5,4 Prozent liegen, nach 6,5 Prozent in den Jahren 2022 bis 2024.

Banken forcieren ihre Angebote

Trotz dieser Herausforderungen treiben Banken die Weiterentwicklung ihrer Angebote voran. Im Fokus stehen unter anderem Echtzeit-Treasury-Lösungen für grenzüberschreitende Zahlungsströme (77 %) sowie KI-basierte Anwendungen für den algorithmischen Handel (65 %). Mehr als die Hälfte der Institute prüft zudem tokenisierte Produkte (51 %), um neue Ertragsquellen zu erschließen.

Die Studie zeigt jedoch, dass neben technologischen auch kulturelle Faktoren eine zentrale Rolle spielen. 39 Prozent der Befragten sehen eine konservative Unternehmenskultur als Hemmnis für Innovation. Gleichzeitig setzen viele Banken verstärkt auf externe Expertise: 40 Prozent planen Neueinstellungen zur Stärkung ihrer KI-Kompetenzen, während lediglich 23 Prozent in interne Weiterqualifizierung investieren.

www.capgemini.com

Methodik der Studie

Der Capgemini World Corporate and Investment Banking Report 2026 stützt sich auf Daten aus drei Hauptquellen: der Global CIB Executive Survey, der Global Corporate Executive Survey und der Global Non-Bank Financial Institution Executive Survey. Im Rahmen dieser Untersuchungen wurden laut Capgemini 150 Führungskräfte aus Unternehmens- und Investmentbanken sowie 600 Führungskräfte aus globalen Unternehmen und Nichtbanken-Finanzinstituten mit einem Jahresumsatz von mindestens einer Milliarde US-Dollar zu den Themen digitale Transformation, Wettbewerbsdruck und Innovationsherausforderungen im Corporate- und Investmentbanking befragt. Die Führungskräfte repräsentieren demnach wichtige Märkte in drei globalen Regionen: Amerika, Europa und Asien-Pazifik.

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Methodik der Studie

Der Capgemini World Corporate and Investment Banking Report 2026 stützt sich auf Daten aus drei Hauptquellen: der Global CIB Executive Survey, der Global Corporate Executive Survey und der Global Non-Bank Financial Institution Executive Survey. Im Rahmen dieser Untersuchungen wurden laut Capgemini 150 Führungskräfte aus Unternehmens- und Investmentbanken sowie 600 Führungskräfte aus globalen Unternehmen und Nichtbanken-Finanzinstituten mit einem Jahresumsatz von mindestens einer Milliarde US-Dollar zu den Themen digitale Transformation, Wettbewerbsdruck und Innovationsherausforderungen im Corporate- und Investmentbanking befragt. Die Führungskräfte repräsentieren demnach wichtige Märkte in drei globalen Regionen: Amerika, Europa und Asien-Pazifik.

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