CEOs for Future-Themenabend
Nachhaltige Innovation verändert Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten

Beim CEOs for Future Themenabend in Wien diskutierten Vertreter:innen aus Wirtschaft, Energie, Finanzsektor und Technologie, wie Unternehmen den nächsten Schritt der nachhaltigen Transformation gestalten können.  

Beim jüngsten CEOs for Future Themenabend in Wien beschäftigten sich Vertreter:innen aus Wirtschaft und Organisationen mit der Frage, wie Unternehmen den nächsten Schritt der nachhaltigen Transformation gestalten können. Dabei wurde deutlich, dass Nachhaltigkeit längst über regulatorische Anforderungen hinausgeht und zunehmend zu einem entscheidenden Faktor für Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Stabilität wird. 

Angesichts geopolitischer Entwicklungen gewinnt das Thema auch für die wirtschaftliche Resilienz Europas und Österreichs an Bedeutung. Dekarbonisierung, Kreislaufwirtschaft und technologische Innovation verändern derzeit Märkte, Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle grundlegend. Im Zentrum der Diskussion stand daher, wie aus dem Gedanken der Resilienz ein strategisches Chancendenken entstehen kann und welche Rahmenbedingungen dafür notwendig sind. 

Eröffnet wurde der Abend von Obmann-Stellvertreterin Birgit Kraft-Kinz und Obmann Karl Kienzl. Beide betonten die Rolle unternehmerischer Verantwortung sowie die Bedeutung strategischer Zusammenarbeit über Branchen hinweg für eine widerstandsfähige Wirtschaft. 

Kreislaufwirtschaft als wirtschaftlicher Faktor

Ein Beispiel für neue wirtschaftliche Ansätze lieferte Haimo Primas von Holcim Österreich. Er erläuterte, wie Kreislaufwirtschaft zunehmend zu einem Erfolgsfaktor in der Baustoffindustrie wird. Durch die Aufbereitung von Bauschutt und dessen Nutzung als Ersatz für natürliche Rohstoffe können bereits heute rund zehn bis zwölf Prozent des Kalksteins ersetzt werden. Langfristig könnte dieser Anteil auf etwa 30 Prozent steigen, so der Experte. Gleichzeitig entstehen dadurch neue Kooperationsmöglichkeiten entlang der Wertschöpfungskette. 

Strategische Dekarbonisierung in Energieunternehmen

Marika Püspök von den Wiener Stadtwerken stellte die strategische Steuerung der Dekarbonisierung vor. Ziel des Unternehmens ist es, bis 2040 klimaneutral zu werden. Dafür analysieren die Wiener Stadtwerke systematisch alle Geschäftsbereiche, um Dekarbonisierungspfade, Investitionsbedarfe sowie Auswirkungen auf Mitarbeitende und Infrastruktur zu identifizieren. Neben der Versorgungssicherheit spielt dabei auch die langfristige Kapitalplanung eine wichtige Rolle. Nachhaltigkeitsthemen wie Kreislaufwirtschaft, Biodiversität und Umweltschutz werden dabei zunehmend als Bestandteil der Geschäftsmodelle verstanden. 

Daten und Energieeffizienz als Hebel

Friedrich Paprotka von ista Österreich zeigte, welchen Beitrag datenbasierte Heizkostenabrechnung und Energiemanagement zur Energiewende leisten können. Durch transparente Informationen und effizientere Nutzung von Energie würden sich Einsparungen von bis zu 20 Prozent erreichen lassen, so Paprotka. Neben ökologischen Effekten ergeben sich dadurch auch wirtschaftliche Vorteile für Unternehmen und Gebäudeeigentümer:innen. 

Finanzierung und neue Geschäftsmodelle

Werner Wutscher, New Venture Scouting und Beirat von CEOs for Future, präsentierte drei zentrale Thesen zur Transformation der Wirtschaft. Europa stehe vor einem Investitionsparadoxon: Trotz hoher Innovationskraft fehlen häufig geeignete Finanzierungsstrukturen. Gleichzeitig entstehen im Zuge der Transformation neue, disruptive Geschäftsmodelle. Um diese Chancen zu nutzen, seien ein funktionierender Kapitalmarkt sowie intensivere Kooperationen zwischen etablierten Unternehmen und Start-ups erforderlich. 

Auch Johannes Ortner von der ALIA AG unterstrich die Rolle des Finanzsektors. Kapitalströme bestimmen maßgeblich, welche Innovationen entstehen und welche Geschäftsmodelle wachsen können. Ziel seiner Initiative für Österreichs erste Impact-Bank ist es, Finanzierungsmodelle zu entwickeln, die ökologische und gesellschaftliche Wirkung fördern und gleichzeitig wirtschaftlich attraktiv bleiben. 

Städte, Landwirtschaft und digitale Infrastruktur

Andrea Stürmer, Klimabotschafterin der Stadt München, gab Einblicke in internationale Städte-Netzwerke, die besonders ambitionierte Klimastrategien verfolgen. In München spielt vor allem der Gebäudesektor eine wichtige Rolle für die Dekarbonisierung. Ergänzend werden Instrumente wie Klimafokus-Karten oder Versiegelungskataster aufgebaut, um Anpassungsmaßnahmen gezielt planen zu können. 

Marianne Neumüller-Klapper von Nespresso Österreich hob die Bedeutung regenerativer Landwirtschaft hervor. Studien zeigen, dass ein Großteil der heutigen Kaffeeanbauflächen bis 2050 klimatisch ungeeignet werden könnte. Regenerative Landwirtschaft kann dazu beitragen, Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität und Wasserhaushalt zu stärken und gleichzeitig stabile Einkommen für Landwirt:innen zu sichern. 

Kooperationen als Schlüssel der Transformation

Claus Zeppelzauer von ecoplus Niederösterreichs Wirtschaftsagentur betonte, dass Resilienz inzwischen konkrete Umsetzung erfordert. Unternehmen müssten zunächst verstehen, welche Auswirkungen Dekarbonisierung auf ihre Geschäftsmodelle hat und klare Ziele formulieren. Gleichzeitig seien Infrastruktur, Planungssicherheit, rechtliche Rahmenbedingungen und qualifizierte Fachkräfte entscheidend. Kooperationen gewinnen dabei zunehmend strategische Bedeutung. 

Arne Benox von Digital Realty erläuterte die Rolle von Rechenzentren in einer digitalisierten Wirtschaft. Das Geschäftsmodell des Unternehmens basiert auf resilienter digitaler Infrastruktur mit stabiler Energieversorgung und effizienten Kühlsystemen. Parallel arbeitet das Unternehmen daran, seine Rechenzentren durch erneuerbare Energien und innovative Kühltechnologien nachhaltiger zu betreiben. 

Branchenübergreifender Austausch im Fokus

Zum Abschluss hob Karl Kienzl die positive Haltung der Mitgliedsunternehmen von CEOs for Future hervor. Diese würden Denksilos aufbrechen, Chancen sichtbar machen und branchenübergreifend an Lösungen arbeiten. 

Mit dabei waren u.a. Wolfgang Brunauer (ubicube GmbH), Frank Dumeier (QR Energy), Michael Freitag (Sodexo Service Solutions Austria GmbH), Caroline Gager-Palfy (Orbyz Media GmbH), Gudrun Ghezzo (Ghezzo GmbH), Michael Haugeneder (ATP sustain GmbH), Mario Heinisch (Funk International Austria GmbH), Barbara Hofleitner (Collective Energy GmbH), Wolfgang Kradischnig, Evelyn Parnigoni (Delta AG), Dieter Meyer (Equans Austria GmbH), Ruth Moss, Michael Pech, Marco Porak (IBM Österreich GmbH), Leopold Reymaier (Greemer), Christian Richter-Schöller (Schiefer Rechtsanwälte GmbH), Marcus Schellerer (Rittal GmbH), Kris Van Humbeeck, Amira Badi (DHL Express Austria GmbH), Clemens Wagner-Bruschek (d-fine Austria GmbH), Tobias Wiener (one2zero GmbH), Christoph Thun-Hohenstein, Oliver Schnetzer (Beirat CEOs for Future) und Verena Kuen, Lukas Kienzl (Vorstand CEOs for Future).

www.ceosforfuture.at

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