Ein außergewöhnlicher Veranstaltungsort für eine Branchentagung: Am 24. Februar versammelten sich Entscheidungsträger:innen auf Einladung des Dachziegelspezialistens Erlus zur Hausbau Tagung 2026 am Dachboden des Stephansdom. Eine Location, die sinnbildlich für jene Perspektive steht, die die Branche derzeit benötigt: Wer baut, braucht Weitblick – strategisch, wirtschaftlich und im Hinblick auf nachhaltige Ressourcen. Hoch über den Dächern Wiens wurde daher nicht nur über aktuelle Marktdaten gesprochen, sondern auch über die langfristige Ausrichtung des Bauens in Österreich.
Moderiert wurde die Veranstaltung von Paul Leitenmüller, CEO Opinion Leaders Network. Begrüßt wurden die Gäste von Hausherr Toni Faber, der den historischen Ort als Symbol des Wiederaufbaus würdigte: Der Dom stehe für das "wiederauferstandene Österreich", sein Wiederaufbau habe mit jenem der Stadt und des Landes korreliert, so der Dompfarrer zu LEADERSNET.tv.
Studie sieht steigende Bau- und Sanierungsbereitschaft
Im Zentrum der Tagung stand die Präsentation einer von der Erlus AG beauftragten Studie. Demnach plant rund ein Drittel der Österreicher:innen, in den kommenden fünf Jahren zu bauen oder zu sanieren.
Guido Hörer, Prokurist und Vertriebsleiter DACH bei Erlus, betonte, man habe bewusst ein Signal setzen wollen: "Wir wollen einen Optimismus in das Thema Bauen bringen." Die Befragung zeige klar, dass insbesondere junge Österreicher:innen weiterhin Interesse am Eigenheim hätten. Dieses Potenzial gelte es zu stärken.
Auch Andreas Wilhelm, Vorstand für Marketing und Vertrieb bei Erlus, sprach von einer spürbaren Trendwende. Nach den Fachvorträgen des Tages sei deutlich geworden, dass das "Pflänzchen tatsächlich schon Richtung Pflanze unterwegs" sei. Die Grundstimmung verändere sich: Menschen seien wieder eher bereit, über Wohneigentum zu sprechen und Investitionen in diesem Bereich zu prüfen. Wohneigentum werde erneut als stabiler Wertgegenstand wahrgenommen.
Holzbau als Zukunftsmodell
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf klimaneutralen Baustoffen, insbesondere Holz. Josef Haas, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Kampa GmbH sowie Botschafter der Initiative "Holz rettet Klima", verwies auf die globalen Ressourcenfragen. Angesichts von 8,4 Milliarden Menschen weltweit könne künftig nicht mehr in der bisherigen Intensität mit Sand, Zement und Kies gebaut werden. Die Ressourcen würden knapper, weshalb alternative Baustoffe an Bedeutung gewännen. Österreich sei für ihn "Europas führendes Land im Thema Holz".
Die Diskussion verdeutlichte damit nicht nur konjunkturelle Aspekte, sondern auch strukturelle Herausforderungen im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz.
Forderungen nach schnelleren Verfahren
Neben Zuversicht wurden auch klare Forderungen an die Politik formuliert. Christian Wimberger, Geschäftsführer der Wimberger Gruppe, sprach sich für raschere Genehmigungsverfahren aus. In Österreich gebe es neun unterschiedliche Bauordnungen, vielfältige Anforderungen und teils lange Wartezeiten bis zum Baubescheid. Entscheidend sei, "dass man da schneller ins Bauen kommt".
Aus Sicht der Interessenvertretungen ist eine leichte Belebung bereits wahrnehmbar. Isabella Stickler, Bundesobfrau der ARGE Eigenheim Österreich, erklärte gegenüber LEADERSNET.tv, es sei "definitiv feststellbar", dass Kund:innen wieder vermehrt Anfragen für neue Wohnungen stellten. Der Wohnraumbedarf sei gegeben, zugleich sei ein gewisser Optimismus in der Branche spürbar.
Differenziert fällt das Bild je nach Segment aus. Leon Verbaj, Geschäftsführer von Pico Bello Bau, berichtete, im Bereich Sanierung gebe es erhöhte Anfragen, während der Neubau etwas zurückgehe. Strategisch sei es für Unternehmen daher erforderlich, den Sanierungsbereich stärker zu forcieren.
Regierung sieht Zeichen der Zuversicht
Im Rahmen der Tagung äußerte sich auch Bundesminister Wolfgang Hattmannsdorfer zur aktuellen Lage. Die Bauwirtschaft sei ein wesentlicher Faktor für den Wirtschaftsstandort und die Konjunktur. Wenn ein Drittel der Österreicher:innen plane, eine Immobilie anzuschaffen oder zu sanieren, sei das "ein Zeichen der Zuversicht". Die Bundesregierung versuche, ihren Beitrag zu leisten – etwa durch Maßnahmen zur Senkung der Energie- und Inflationskosten sowie zur Stärkung des Wirtschaftswachstums.
Video-Interviews
Was Guido Hörer, Josef Haas, Andreas Wilhelm, Christian Wimberger, Wolfgang Hattmannsdorfer, Toni Faber, Isabella Stickler und Leon Verbaj zum Thema "Wohnen, Bauen und Sanieren" noch gesagt haben, sehen Sie im LEADERSNET.tv-Video.
Fotos von der Hausbau Tagung 2026 sehen Sie in der Galerie.
www.erlus.com
www.stephanskirche.at
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