Am Mittwoch veröffentlichte die UniCredit Bank Austria ihren Einkaufsmanagerindex für Februar. Der aktuelle Wert signalisiert, dass sich die österreichische Industrie nach einem verhaltenen Jahresbeginn schrittweise stabilisiert.
"Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex erreichte im Februar 49,4 Punkte, eine klare Steigerung gegenüber dem Vormonat und den zweithöchsten Wert seit dem Einbruch der Industriekonjunktur im Sommer 2022", sagt UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und fügt hinzu: "Die Erholung der heimischen Industrie ist vorangekommen. Der bisher unbeständige Aufschwung gewann wieder etwas mehr an Stabilität. Die Trendwende wurde wieder ein Stück sichtbarer, aber das Tempo der konjunkturellen Fortschritte blieb verhalten und war weiterhin geringer als in früheren Erholungsphasen."

UniCredit Bank Austria Einkaufsmanagerindex © S&P Global/UniCredit Bank Austria
Industrie nähert sich der Wachstumsgrenze
Nahezu alle Teilindikatoren trugen zur Verbesserung bei. Die Auftragseingänge legten leicht zu und ermöglichten eine geringe Ausweitung der Produktionsleistung. Gleichzeitig verlangsamte sich der Rückgang bei Einkaufsvolumen und Lagerbeständen, was auf eine etwas geringere Unsicherheit hindeuten soll.
"Die Auftragseingänge haben im Februar leicht zugenommen, was eine geringfügige Ausweitung der Produktion zur Folge hatte. Die etwas nachlassende Konjunkturunsicherheit widerspiegelte sich in einem geringeren Rückgang der Einkaufsmengen und einem verlangsamten Lagerabbau. Auch die zumindest teilweise an die Abnehmer:innen weitergegebenen Kostenanstiege passen in das Bild einer allmählichen Stabilisierung der Lage im Sektor. Der große Wermutstropfen war im Februar jedoch die erneute Beschleunigung des Mitarbeiterabbaus zur Produktivitätssteigerung", so Bruckbauer.
Inlandsnachfrage stützt Produktion
Im Februar wurde die Produktionsleistung leicht ausgeweitet, nachdem sie im Jänner noch deutlich reduziert worden war. Dabei stieg der Produktionsindex auf 50,1 Punkte. "Die heimischen Betriebe erhöhten die Produktion geringfügig, weil sich etwas Bewegung in der Nachfrage zeigte. Der Index für das Neugeschäft erreichte 50,4 Punkte, was erstmals seit drei Monaten einen zumindest geringfügigen Anstieg der Auftragseingänge signalisierte. Die Belebung war allerdings ausschließlich auf eine erhöhte Binnennachfrage zurückzuführen. Der Rückgang der Exportaufträge war im Februar jedoch zumindest deutlich geringer als rund um den Jahreswechsel", meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.
Trotz dieser Entwicklung bleibt das Umfeld herausfordernd. Hohe Preise, geopolitische Unsicherheiten sowie teilweise hohe Lagerbestände bei Abnehmer:innen dämpfen das Neugeschäft weiterhin. Um die Kapazitäten auszulasten, arbeiteten viele Betriebe verstärkt bestehende Auftragsbestände ab, die weiter zurückgingen. Gleichzeitig verlängerten sich die Lieferzeiten, unter anderem infolge von Produktionskürzungen bei Zulieferer:innen und Engpässen bei einzelnen Rohstoffen.
Beschäftigung weiter unter Druck
Der Einkaufsmanagerindex zeigt, dass sich trotz leichter Produktionszuwächse der Stellenabbau verstärkt. Der Beschäftigtenindex sank auf 44,1 Punkte und signalisiert das höchste Tempo beim Personalabbau seit Oktober.
"Trotz der konjunkturellen Lichtblicke reduzierte die Mehrheit der heimischen Unternehmen im Februar ihren Personalbestand in weiterer Anpassung an die im Vergleich zu 2022 geringeren Produktionserfordernisse sowie gestiegenen Lohnkosten. Die Bereitschaft, Fachkräfte zu halten, um in dem günstiger werdenden Marktumfeld schneller durchzustarten, hat aufgrund der langen Schwächephase abgenommen. Da weiter Mitarbeiter:innen abgebaut wurden, obwohl die Produktion leicht zulegte, sollte sich die Produktivität in der heimischen Sachgütererzeugung im Februar wieder erhöht haben. Ein Trend, der seit genau zwei Jahren anhält", so Pudschedl.
Saisonbereinigt liegt die Zahl der Arbeitssuchenden in der Industrie bei über 27.000 Personen und damit deutlich über dem Tiefstand vor rund zweieinhalb Jahren. Für 2026 wird von den UniCredit Bank Austria Experten jedoch eine Stabilisierung erwartet.
"Die Arbeitslosenquote in der österreichischen Sachgüterindustrie zeigt seit dem Frühjahr 2023 eine steigende Tendenz, hat sich jedoch in den vergangenen Monaten zu stabilisieren begonnen. Die Arbeitsmarktlage in der Industrie könnte sich im späteren Jahresverlauf 2026 zu entspannen beginnen. Nach durchschnittlich 4,3 Prozent im Jahresdurchschnitt 2025 erwarten wir diesen Wert auch im Jahresdurchschnitt 2026. Damit wird die Arbeitslosenquote in der Industrie weiter deutlich niedriger ausfallen als in der Gesamtwirtschaft mit 7,3 Prozent, wo sich allerdings der sinkende Trend schon früher zeigen wird", sagt Pudschedl.
Deutlicher Anstieg bei den Kosten
Obwohl die Unternehmen ihre Einkaufsvolumina weiter reduzierten, beschleunigte sich der Kostenanstieg deutlich. Der Einkaufspreisindex stieg auf 56,2 Punkte und erreichte damit den höchsten Wert seit drei Jahren.
UniCredit Bank Austria Einkaufsmanagerindex und Teilindizes © S&P Global/UniCredit
Hohe Energie- und Personalkosten sowie die aktuelle Verknappung einiger Rohstoffe ließen laut Pudschedl die Einkaufspreise für die österreichische Industrie steigen und das bereits den achten Monat in Folge. "Der Kostenauftrieb beschleunigte sich zuletzt sogar", meint Pudschedl und ergänzt: "Der Preisanstieg im Einkauf konnte im Februar erstmals zumindest teilweise an die Abnehmer:innen weitergegeben werden. Ein vorsichtiges Anzeichen, dass nachfragebedingt die Preissetzungsmacht der Betriebe wieder etwas zunimmt. Die Verkaufspreise stiegen jedoch nur geringfügig, sodass sich die Ertragslage der heimischen Betriebe im Durchschnitt weiter verschlechtert haben dürfte."
Ausblick für 2026
Vor dem Hintergrund der stabilisierenden Entwicklung rechnen die Ökonomen für das laufende Jahr mit einem moderaten Produktionsanstieg. "Wir erwarten für die österreichische Sachgütererzeugung im Jahresdurchschnitt 2026 trotz der Herausforderungen durch die geopolitischen Unsicherheiten, dem gestiegenen Protektionismus im globalen Handel, dem verschärften Wettbewerb aus Fernost und der schwierigen Kostensituation einen Anstieg der Industrieproduktion um zumindest 1,5 Prozent", meint Pudschedl und ergänzt abschließend: "Die heimischen Unternehmen sind wieder sehr optimistisch geworden. Der Erwartungsindex für die Produktion in den kommenden zwölf Monaten ist auf 62,6 Punkte, den höchsten Wert seit über vier Jahren, gestiegen.“
Auch die Entwicklung in den wichtigsten Exportmärkten liefert Impulse: Der vorläufige Einkaufsmanagerindex für die Industrie im Euroraum lag im Februar bei 50,8 Punkten, Deutschland erreichte 50,7 Punkte.
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