Die Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) legt mit der aktuellen Quartalsauswertung eine umfassende Analyse der wirtschaftlichen Lage vor. Dabei gilt eine klare zeitliche Differenzierung: Struktur- und Arbeitsmarktdaten sind bereits für 2025 verfügbar, zentrale volkswirtschaftliche Kennzahlen wie Bruttoregionalprodukt und Außenhandel liegen zuletzt vollständig für 2024 vor. Ergänzend enthält die Darstellung eine Prognosereihe bis 2027.
Im Vorwort der veröffentlichten Broschüre betonen WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker und WKNÖ-Direktor Johannes Schedlbauer die Bedeutung dieser quartalsweisen Aufbereitung. Die komprimierte Darstellung zentraler Kennzahlen solle eine fundierte Orientierung über die wirtschaftliche Entwicklung Niederösterreichs ermöglichen.
Wirtschaftsleistung zuletzt rückläufig
Das Bruttoregionalprodukt Niederösterreichs lag 2024 bei 76.878 Millionen Euro, das entspricht 44.500 Euro pro Kopf. Für dieses Jahr wurde ein Wirtschaftswachstum von minus 1,0 Prozent ausgewiesen. Die Prognosewerte reichen bis 2027. Für dieses Jahr wird wieder ein Wachstum von 1,2 Prozent erwartet. Das Bruttoregionalprodukt soll laut Prognose auf 79.285 Millionen Euro beziehungsweise 45.600 Euro pro Kopf steigen. Die Bruttowertschöpfung der Gesamtwirtschaft belief sich 2024 auf 69,0 Milliarden Euro. Davon entfallen 54,5 Prozent auf die gewerbliche Wirtschaft und 45,5 Prozent auf den Nicht-Kammerbereich.
Breite Unternehmensbasis im Jahr 2025
Mit Stichtag 31. Dezember 2025 zählt Niederösterreich 145.011 Mitglieder der WKNÖ. 118.550 davon sind aktiv, 26.461 ruhend. Insgesamt verteilen sich die Mitglieder auf 57.085 Männer oder Diverse, 59.276 Frauen und 28.650 juristische Personen. Unter den aktiven Mitgliedern sind 44.775 männlich oder divers, 46.250 weiblich und 27.525 juristische Personen. 2025 wurden 8.543 Unternehmen neu gegründet. 69 Prozent der vor fünf Jahren gegründeten Betriebe sind weiterhin aktiv. Der Frauenanteil bei Neugründungen lag bei 54 Prozent. 2024 wurden 1.222 Unternehmensübernahmen verzeichnet, 2025 657 Unternehmenskonkurse.
Einpersonenunternehmen blieben ein zentraler Bestandteil der Struktur: 76.579 EPU waren 2024 registriert, davon 32.333 Männer oder Diverse, 40.794 Frauen und 3.452 juristische Personen.
Beschäftigung hoch, Arbeitslosigkeit trotzdem spürbar
Laut den Daten waren im vergangenen Jahr 656.273 Personen unselbstständig beschäftigt. In der gewerblichen Wirtschaft arbeiteten 479.000 Arbeitnehmer:innen. 69 Prozent der Arbeitsplätze entfielen auf kleine und mittlere Unternehmen mit 1 bis 249 Beschäftigten. 46.259 Personen waren arbeitslos gemeldet, die Arbeitslosenrate betrug 6,6 Prozent. Gleichzeitig waren 13.244 offene Stellen ausgewiesen.
Die Bruttolohn- und Gehaltszahlungen der gewerblichen Wirtschaft beliefen sich 2023 auf 19,6 Milliarden Euro.
Ausbildung als Stabilitätsfaktor
2025 befanden sich demnach 16.421 Lehrlinge in Ausbildung, davon 11.837 männlich oder divers und 4.584 weiblich. 5.752 Ausbildungsbetriebe sicherten die duale Ausbildung im Land. Zu den beliebtesten Lehrberufen zählten Elektrotechnik mit 1.643, Kraftfahrzeugtechnik mit 1.436 und Metalltechnik mit 1.180. Bei weiblichen Lehrlingen lag Einzelhandel mit 980 vor Friseurin/Stylistin mit 353 und Bürokauffrau mit 298.
Exportquote bleibt hoch
Die zuletzt vollständig verfügbaren Außenhandelsdaten betreffen 2024. Die Warenexporte beliefen sich auf 28.648 Millionen Euro, die Importe auf 32.785 Millionen Euro. Waren- und Dienstleistungsexporte entsprachen 51,3 Prozent des Bruttoregionalprodukts. Europa war mit 23,8 Milliarden Euro wichtigster Exportkontinent, davon 21,0 Milliarden Euro innerhalb der EU und 2,8 Milliarden Euro im restlichen Europa. Deutschland blieb mit 7.653 Millionen Euro Exporten und 8.793 Millionen Euro Importen bedeutendster Handelspartner.
Investitionen und Preisentwicklung
Die Bruttoinvestitionen der gewerblichen Wirtschaft in Sachanlagen betrugen 2023 5,4 Milliarden Euro. Für Forschung und Entwicklung wurden 932,9 Millionen Euro aufgewendet. Der Verbraucherpreisindex lag 2025 bei 185,8 auf Basis 2000 gleich 100.
Gesamtbild mit vorsichtiger Perspektive
Die aktuelle Quartalsanalyse der WKNÖ soll eine wirtschaftlich breit aufgestellte Region mit hoher Beschäftigung, starker Unternehmensbasis und ausgeprägter Exportorientierung zeigen. Während also die zuletzt verfügbaren Ist-Daten für 2024 eine konjunkturelle Abschwächung dokumentieren, deuten die Prognosen bis 2027 auf eine vorsichtige Erholung hin. Gleichzeitig machen Arbeitslosigkeit, Insolvenzen und Preisentwicklung deutlich, dass der Standort weiterhin in einem anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeld agiert.
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