Kapitalmarkt-Trends 2026
Experten setzen bei Investments auf Infrastruktur und Emerging Markets

| Tobias Seifried 
| 19.02.2026

Bei der Jahresbilanzpräsentation von Raiffeisen Capital Management zeigte sich, welche Trends den Kapitalmarkt prägen. Trotz geopolitischer Unsicherheiten wuchsen die verwalteten Vermögen auf 46,7 Milliarden Euro – mit Chancen, aber auch Risiken für Anleger:innen.

Raiffeisen Capital Management hat am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz die Geschäftszahlen für 2025 präsentiert und dabei insbesondere die Rolle von Infrastrukturinvestments für Kapitalmarkt und Transformation hervorgehoben.

Per 31. Dezember 2025 beliefen sich die Assets under Management den Angaben zufolge auf 46,7 Milliarden Euro, ein Plus von 6,1 Prozent im Jahresvergleich. Sowohl das institutionelle Geschäft als auch das Privatkundensegment verzeichneten demnach Zuwächse. In der gesamten RBI-Gruppe stiegen die verwalteten Vermögen um 6,4 Prozent auf 68 Milliarden Euro.

CEO Hannes Cizek verwies auf die Widerstandsfähigkeit der Fondsbranche in einem herausfordernden Umfeld: "Diese sehr erfreuliche Entwicklung zeigt, dass Investmentfonds in einem herausfordernden Umfeld reüssieren und ein nachgefragtes Anlageprodukt sind." Als Gründe nannte er unter anderem stabile Kundenbeziehungen, "starke Produktideen" und einen verantwortungsvollen Investmentprozess.

Kapitalmärkte zwischen Volatilität und Aufschwung

Das Jahr 2025 sei von erheblichen geopolitischen Spannungen geprägt gewesen. Laut CIO Karin Kunrath habe ein von Unsicherheit geprägter Jahresauftakt – unter anderem mit einer scharfen Korrektur an den Aktienmärkten im März und April – letztlich in einer "überaus positiven Entwicklung" gemündet. Aktien legten nach dem starken Vorjahr erneut zu, wobei Schwellenländer die entwickelten Märkte übertrafen. Währungsabwertungen gegenüber dem Euro führten jedoch zu einer differenzierten Performance für Euro-basierte Anleger:innen, insbesondere bei US-Aktien.

Als Treiber der Marktentwicklung nennt Kunrath ein stabiles Wachstumsumfeld, solide Unternehmensergebnisse sowie sinkende Leitzinsen. Der Goldpreis beschleunigte seinen Aufwärtstrend deutlich, während Energierohstoffe wie Öl nachgaben.

Für 2026 beurteilt Kunrath die Rahmenbedingungen als "überwiegend konstruktiv". Die Kombination aus erwartet stabilem Wirtschaftswachstum, rückläufig prognostizierten US-Zinsen, robustem Gewinnwachstum, Investitionen in der Euro-Zone sowie Impulsen durch Künstliche Intelligenz könnte sich positiv auswirken. Allerdings sei ein Teil dieser Erwartungen bereits eingepreist, weshalb speziell für US-Börsen eine gedämpftere Entwicklung wahrscheinlich erscheine. Europa und Emerging Markets wird eine vergleichsweise höhere Dynamik zugetraut. Als Risiken gelten unter anderem Bewertungs- und Konzentrationsrisiken im Technologiesektor ("AI-Bubble"), ein mögliches Wiederaufflammen der Inflation sowie geopolitische Spannungen.

Infrastruktur als strategischer Schwerpunkt

Für Dieter Aigner, Geschäftsführer und Chief Sustainable Investment Officer, sind Infrastrukturinvestments "das Rückgrat der Transformation". Angesichts geopolitischer Verschiebungen, Klimawandel und wirtschaftspolitischer Disruptionen müsse die Fondsindustrie zur Stärkung von Resilienz und Zukunftsfähigkeit beitragen. Themenbasierte Veranlagungen, aktives Management und Diversifikation seien dabei zentrale Instrumente.

Der globale Investitionsbedarf scheint hoch zu sein: Bis 2040 wird die Finanzierungslücke im Infrastrukturbereich auf rund 15 Billionen US-Dollar geschätzt. Neben Neubauprojekten in Energienetzen, Digitalisierung und Transport rücken auch Erhalt und Modernisierung bestehender Infrastruktur in den Fokus. Aigner betont, angesichts knapper öffentlicher Budgets sei eine klare Rollenverteilung zwischen Staat und Privatwirtschaft erforderlich. Langfristige staatliche Leitplanken seien "unerlässlich, um eine stabile und nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten".

Digitalisierung und Produktentwicklung

Auch die Digitalisierung wird als strategischer Hebel gesehen. Laut Cizek wurde 2025 unter anderem ein digitaler, papierloser Onboarding-Prozess in der Vermögensverwaltung eingeführt. Die Integration der digitalen Vermögensverwaltung "Savity" solle weitere Effizienzgewinne bringen. Zudem gewännen KI-gestützte Automatisierungen – etwa in Form von Chatbots oder Echtzeit-Übersetzungen – zunehmend an Bedeutung.

Im Produktbereich kündigt das Unternehmen für Herbst 2026 einen Multi-Asset-ELTIF im Bereich Private Markets an, der sich primär an gehobene Privatkund:innen richten soll. Darüber hinaus sollen erneut Anleihe-Laufzeitfonds emittiert werden, nachdem entsprechende Produkte in den vergangenen Jahren auf hohe Nachfrage gestoßen waren.

Ungeachtet positiver Markterwartungen bleibt festzuhalten: Veranlagungen am Kapitalmarkt sind stets mit Risiken verbunden. Wertentwicklungen der Vergangenheit lassen keine verlässlichen Rückschlüsse auf zukünftige Ergebnisse zu, und auch Infrastruktur- oder Private-Markets-Investments unterliegen Markt-, Liquiditäts- und Bewertungsrisiken.

www.rcm.at

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