Bank Austria Konjunkturindikator
Wirtschaft startet mit vorsichtigem Optimismus ins neue Jahr

| Redaktion 
| 15.01.2026

Die Stimmung hat sich zum Jahresende spürbar aufgehellt. Vor allem der Dienstleistungssektor sorgt für Auftrieb, während Bau und Industrie weiter unter Druck bleiben.

Am Donnerstag hat die UniCredit Bank Austria ihren aktuellen "Konjunkturindikator" vorgestellt. Dieser zeigt, dass sich zum Jahresende die Konjunkturstimmung in Österreich schrittweise verbessert hat.

Konjunkturstimmung verbessert sich

Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator stieg im Dezember auf minus 0,7 Punkte und erreichte damit den höchsten Wert seit Mitte 2022. Damit verbesserte sich die Ausgangslage für den Start ins Jahr 2026, auch wenn die weiteren Perspektiven weiterhin von Unsicherheiten geprägt bleiben.

UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator Österreich © Statistik Austria/Wifo/UniCredit

"Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator stieg im Dezember auf minus 0,7 Punkte und erreichte damit den höchsten Wert seit Mitte 2022", sagte UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und mahnte gleichzeitig zur Vorsicht: "Für die kommenden Monate ist aber weiterhin nur vorsichtiger Optimismus angebracht."

Breite Aufhellung, Bau bleibt jedoch problematisch

Laut der UniCredit Bank Austria stieg die Stimmungslage zum Jahresende in fast allen Wirtschaftsbereichen. Einzige Ausnahme war der Bausektor, in dem sich die Erwartungen erneut verschlechterten. Insgesamt deutet die Entwicklung jedoch darauf hin, dass sich die konjunkturelle Lage insgesamt stabilisiert. Bruckbauer erklärte dazu, die Stimmung habe sich in nahezu allen Sektoren verbessert und sei vor allem durch positive Entwicklungen im Dienstleistungsbereich gestützt worden. Gleichzeitig verwies er darauf, dass mehrere Faktoren das Umfeld weiterhin belasten würden. Demnach würden "geopolitische Unsicherheit, eine aggressive Wirtschaftspolitik der USA sowie der hohe Kostendruck und der geringe Spielraum für eine Budgetkonsolidierung in Österreich" die Aussichten weiterhin dämpfen.

Dienstleistungssektor dreht ins Plus

Als wichtigste Stütze der verbesserten Stimmung wird der Dienstleistungssektor genannt. Dieser habe im Dezember deutlich zugelegt und damit maßgeblich zur Aufwärtsbewegung des Konjunkturindikators beigetragen. Gründe seien unter anderem eine gute Buchungslage im Wintertourismus sowie positive Impulse durch das Weihnachtsgeschäft im Handel gewesen.

Dienstleister:innen würden sich erstmals seit beinahe drei Jahren wieder optimistischer zeigen. Parallel dazu habe sich die Stimmung der Konsument:innen leicht aufgehellt. Auch eine etwas bessere Exportentwicklung habe die Industrie zum Jahresende etwas entlastet, so die Bank Austria Experten.

Industrie unter dem langjährigen Durchschnitt

Trotz einer leichten Entspannung bleibt die Lage in der Industrie laut UniCredit Bank Austria weiterhin angespannt. Demnach würde die Stimmung deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt liegen. Die Bank nennt als zentrale Gründe eine weiterhin schwache Auftragslage sowie Nachteile bei der Wettbewerbsfähigkeit, die unter anderem durch vergleichsweise hohe Lohn- und Energiekosten verstärkt würden.

Bausektor dämpft Gesamtentwicklung

Während sich in vielen Bereichen eine Aufhellung zeigte, wird der Bau weiterhin als Belastungsfaktor hervorgehoben. Die Bank berichtet von einer erneuten Verschlechterung der Stimmung im Dezember. Vor allem die Auftragserwartungen hätten sich deutlich eingetrübt – sowohl im Hochbau als auch im Tiefbau. Dadurch sei auch der gesamte Konjunkturindikator im Dezember weniger stark gestiegen, als es aufgrund der Entwicklung in anderen Branchen möglich gewesen wäre.

"Der positive Trend des UniCredit Bank Austria Konjunkturindikators setzte sich im Dezember wieder fort. Die Stimmungsverbesserung im Dienstleistungssektor sowie in der Industrie stand jedoch einer leichten Eintrübung am Bau gegenüber", so UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl und fügt hinzu: "Die Stimmung war in allen Sektoren spürbar günstiger als in der ersten Jahreshälfte. Insbesondere der aufkeimende Optimismus im Dienstleistungssektor lässt auf einen guten Start der österreichischen Wirtschaft ins neue Jahr und ein Andauern der eingesetzten Erholung hoffen."

Wachstum 2025 höher eingeschätzt

Die UniCredit Bank Austria verweist zudem auf revidierte statistische Daten, die für die ersten drei Quartale 2025 einen stärkeren Aufwärtstrend zeigen würden als zuvor angenommen. Demnach sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP), gestützt durch die Inlandsnachfrage, im Jahresvergleich um 0,5 Prozent gestiegen.

"Wir haben unsere BIP-Schätzung für 2025 aufgrund der Datenrevision und weiterhin guter Stimmungs- und Konjunkturdaten von 0,3 auf 0,5 Prozent erhöht", so Pudschedl. Gleichzeitig betonte Pudschedl, dass trotz der verbesserten Entwicklung weiterhin ein Wohlstandsverlust spürbar bleibe. Die Wirtschaftsleistung würde real noch unter dem Niveau von 2022 liegen und auch das BIP pro Kopf sei in den vergangenen Jahren gesunken.

Ausblick bis 2027 mit schrittweiser Beschleunigung

Für 2026 geht die UniCredit Bank Austria davon aus, dass sich die wirtschaftliche Erholung weiter fortsetzen könnte. Die Inlandsnachfrage soll weiterhin der wichtigste Wachstumstreiber bleiben, während sich auch die Entwicklung im Außenhandel stabilisieren sollte.

Walter Pudschedl sagte dazu, dass nach einem verhaltenen Start ins Jahr im weiteren Verlauf eine Beschleunigung möglich sei. Er erklärte, die Bank gehe davon aus, dass sich das Wachstum auf 1,0 Prozent im Jahr 2026 und auf 1,5 Prozent im Jahr 2027 erhöhen werde.

Österreich Konjunkturprognose © UniCredit

Erste Entspannung am Arbeitsmarkt

Das Bankinstitut verweist darauf, dass sich die Verbesserung der wirtschaftlichen Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte 2025 auch am Arbeitsmarkt bemerkbar gemacht habe. Saisonbereinigt ist im Dezember ein leichter Rückgang der Arbeitssuchenden bei gleichzeitig steigender Beschäftigung verzeichnet worden. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote hat sich auf 7,4 Prozent reduziert.

Pudschedl erklärte, mit der besseren wirtschaftlichen Entwicklung habe "knapp vor dem Jahreswechsel" eine Trendwende eingesetzt. Für 2026 rechnet die Bank mit einer Arbeitslosenquote von 7,3 Prozent, 2027 könnte diese weiter auf zumindest 7,2 Prozent sinken.

Inflation bleibt hoch, Zielniveau erst 2027 erwartet

Bei der Inflation sieht die UniCredit Bank Austria weiterhin eine spürbare Belastung. Als Gründe nennt die Presseaussendung unter anderem die Aufhebung der Strompreisbremse sowie Preisanstiege in Dienstleistungsbereichen wie Gastronomie und Beherbergung. Im Dezember ist die Inflation jedoch, unter anderem aufgrund gesunkener Treibstoffpreise, auf 3,8 Prozent zurückgegangen.

Chefökonom Stefan Bruckbauer erklärte, für 2026 erwarte die Bank eine durchschnittliche Inflation von 2,4 Prozent. Danach dürfte der Rückgang nur langsam weitergehen, unter anderem wegen Gebührenanhebungen sowie weiterhin dynamischer Preisentwicklung bei Dienstleistungen und Nahrungsmitteln. Erst im Jahr 2027 werde sich die Inflation laut Bruckbauer mit 2,0 Prozent im Zielbereich der Europäischen Zentralbank einfinden.

www.bankaustria.at

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