Tobias Pils im mumok
Wenn die Malerei flüstert

| Gerhard Krispl / LEADERSNET-ART Herausgeber 
| 16.10.2025

Bis 12. April 2026 zeigt das mumok unter dem Titel "Shh" die bislang umfangreichste Ausstellung des Wiener Malers Tobias Pils.

Ein Titel, der nicht benennt, sondern wirkt: "Shh" – kein Wort, sondern ein Klang. Eine Geste, die beruhigen oder autoritär wirken kann, die Intimität schafft oder Distanz. Dieser vieldeutige Laut passt perfekt zu Pils' Werk, das sich der schnellen Lesbarkeit entzieht und stattdessen auf die Kraft von Ambivalenzen setzt.

Von Schwarz-Weiß zur Farbe – eine organische Entwicklung

Die Ausstellung dokumentiert Pils' Weg von der Abstraktion zur Gegenständlichkeit, vom Schwarzweiß zur Farbigkeit. Doch für den Künstler selbst sind diese Kategorien nebensächlich: "Ich habe meine Arbeit nie als schwarz-weiß gesehen, daher sehe ich sie jetzt nicht als besonders bunt."

Seine künstlerische Herkunft liegt in der Zeichnung. Nach seinem Grafikstudium arbeitete Pils in den 1990er-Jahren vorwiegend mit Bleistift und Tusche, bevor er 2005 zur Leinwand wechselte. Lange Jahre entstanden seine Bilder auf dem Boden, wo er die rohen Leinwände von allen vier Seiten bearbeitete – wie ein Blatt Papier, das man dreht und wendet.

Tobias Pils
Pils, Tobias Pils, Geist, 2024, Öl auf Leinwand, 150 x 180 cm, Courtesy Tobias Pils, Galerie Eva Presenhuber, Zürich/Wien und Galerie Gisela, Capitain, Köln, Foto: Jorit Aust, © Tobias Pils

Familien, Bäume und die Kosmologie der Formen

Charakteristisch für Pils sind wiederkehrende Motive: cartoonhafte "Wiener Vögel" und "Knilche", Liebespaare unter Apfelbäumen, Heiligenfiguren. Diese Charaktere pflanzen sich gewissermaßen fort – Pils spricht von "Familien" und Bildergruppen, die einen gemeinsamen "Genpool" teilen.

Besonders eindrucksvoll demonstriert dies eine Gruppe von Baumbildern aus 2019, die Kante an Kante gehängt einen artifiziellen "Wald" ergeben. Das paradiesische Motiv eines Liebespaares unter dem Apfelbaum wird in sechs ganz unterschiedlichen Kompositionen durchgespielt – Verkuppeln und Reproduktion als Darstellung und Prinzip zugleich.

Tobias Pils
Ausstellungsansicht: Tobias Pils. Shh, 27. September 2025 bis 12. April 2026 © Georg Petermichl / mumok

Malerei als fortwährender Prozess

Für Pils bestimmt die Form den Inhalt. Während des Malens denkt er rein formal – Motive mutieren, verlieren sich, bauen sich neu auf. So wird die Malerei selbst zum Thema: Ein Bild führt zum nächsten, als würde die Kunst unaufhörlich ihren eigenen Tod und ihre Wiedergeburt inszenieren. Ein Höhepunkt der Ausstellung ist die speziell für das mumok konzipierte Wandmalerei, in der sich eine monumentale Strichfigur entlang einer fast zwanzig Meter langen Wand zur Ruhe begibt.

Tobias Pils. Shh
bis 12. April 2026
mumok, Wien
www.mumok.at

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