Wetterextreme schlagen sich auf die Psyche von Landwirten

| Redaktion 
| 08.08.2023

Laut einer Umfrage der Österreichischen Hagelversicherung haben acht von zehn Befragten Sorgen und Bedenken aufgrund von Ernteausfällen.

Weltweit steigt die Zahl der Wetterextreme. Als Folgen des Klimawandels haben Überflutungen oder Dürren unmittelbare Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit von Millionen Menschen. Vor allem für Landwirt:innen sind ständige Wetterveränderungen tägliche Begleiter.

Eine Umfrage des Market-Instituts, die im Auftrag der Österreichischen Hagelversicherung durchgeführt wurde, zeigt die größten Sorgen der Landwirt:innen und die dadurch verursachten psychischen Belastungen.

Steigender Druck

Die Ergebnisse bringen einiges zum Vorschein. Acht von zehn Landwirt:innen sagen, dass Ernteausfälle aufgrund von Wetterextremen ihnen Sorgen bereiten. Drei Viertel der Befragten geben an, dass die psychischen Anforderungen und Herausforderungen in den letzten Jahren generell mehr geworden sind.

"In einem Jahr ist es die Dürre, das Jahr darauf sind es Unwetter mit Hagel, Sturm und Überschwemmung oder der Frost. Die zunehmenden Wetterextreme sorgen bei vielen Landwirt:innen– mit ihrer Werkstatt unter freiem Himmel – zu einer psychischen Belastung. Der damit verbundene Wetterstress in der Landwirtschaft ist groß, denn 80 Prozent des Ertrags hängen vom Wetter ab. Wir haben dies zum Anlass genommen, um die psychischen Belastungen bei Landwirt:innen analysieren zu lassen – mit sehr deutlichen Ergebnissen", so Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung, in seiner Einleitung zur gemeinsamen Präsentation der Umfrageergebnisse mit NR Irene Neumann-Hartberger, Bundesbäuerin und Vorsitzende der ARGE Österreichische Bäuerinnen und Thomas Pargfrieder, Senior Researcher des Market-Instituts.


Die größten Sorgen der Landwirt:innen © shutterstock.com/Edgar G Biehle

Psychische Belastungen gestiegen

"Drei Viertel der Befragten gaben an, dass vor allem psychische Herausforderungen in den letzten Jahren mehr geworden sind. Auch bei den körperlichen Belastungen gibt es eine Zunahme, diese liegt allerdings klar unter dem Ausmaß der psychischen. Auffällig ist, dass vor allem Landwirt:innen über 50 Jahre und jene, die angegeben haben, dass sich ihr Gesundheitszustand in den letzten Jahren verschlechtert hat, verstärkt von psychischen Belastungen betroffen sind", so Thomas Pargfrieder. 

Die größten Sorgen und Bedenken hätten die Befragten insbesondere durch preis- und kostengebundene Faktoren. "Acht von zehn gaben an, von Sorgen aufgrund steigender Preise für Dünger und Energie sowie höheren Steuern und Abgaben betroffen zu sein. Für ebenso viele stellen Preisstürze für landwirtschaftliche Produkte und Ernteausfälle durch Unwetter, Hagel, Dürre, Frost, Schädlinge usw. große Bedenken dar. 82 Prozent, das bedeutet vier von fünf der Befragten, sind aufgrund dessen zumindest teilweise von psychischen Belastungen betroffen. So gaben davon 45 Prozent an, an Stress durch Ernteausfälle zu leiden. Zukunftsängste (34 Prozent), anhaltende Müdigkeit (32 Prozent) und Schlafstörungen (24 Prozent) zählen ebenfalls dazu. Nur 17 Prozent der Befragten gaben an, keine psychischen Beschwerden zu haben", so der Market-Institut Experte. 

Irene Neumann-Hartberger weist deswegen auf die Notwendigkeit flächendeckender psychosozialer Beratung im ländlichen Raum hin. Denn, "unser Ziel muss es sein, die Ursachen für psychische Belastungen zu minimieren und gleichzeitig langfristige Unterstützungsmaßnahmen zu bieten", so der gemeinsame abschließende Appell von Neumann-Hartberger, Pargfrieder und Weinberger.

www.hagel.at

www.market.at

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