Innovationen sind der Antrieb der Automobilindustrie. Aus diesem Grund ermittelt das Center of Automotive Management (CAM) bereits seit dem Jahr 2005 unter der Leitung von Stefan Bratzel besondere Innovationsleistungen unter Herstellern und Zulieferern im Rahmen der "AutomotiveInnovations"-Studie. Auf einer Datenbasis von über 1.000 Innovationen jährlich zeichnet das CAM gemeinsam mit der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland seit elf Jahren die innovativsten Konzerne, Marken und Produkte der Automobilbranche aus. Nun wurden die Ergebnisse des aktuellen Rankings veröffentlicht.
Mercedes vor VW und Tesla
In diesem Jahr kann die Mercedes-Benz Group AG den begehrten Platz an der Spitze erobern und sich mit dem Titel innovationsstärkster Automobilkonzern schmücken. Zudem wird der Konzern als Marke Mercedes-Benz in weiteren vier Kategorien ausgezeichnet. Mit einem Indexwert von 134 belegen die Stuttgarter wie zuletzt im Jahr 2019 Rang eins, vor der Volkswagen AG (125) und - mit einigem Abstand - Tesla (87). SAIC (71) als Vorjahres-Fünfter kann sich um einen Platz auf Rang vier als bester chinesischer Konzern verbessern, vor Geely (70). BMW erreicht nach Platz vier im Vorjahr dieses Mal Rang sechs.
Ein wichtiger Grund für den Erfolg von Mercedes sei laut dem CAM die mit knapp 50 Prozent höchste Weltneuheitenquote unter den globalen Automobilherstellern. Punkten kann der Autobauer unter anderem im Bereich Elektroantrieb mit seinem Flaggschiff EQS ("elektrische S-Klasse"), der den niedrigsten Verbrauch der batterieelektrischen Fahrzeuge (BEVs) im Segment der Oberklasse aufweise. Im Technologiefeld Connectivity konnte Mercedes bei den Juror:innen mit innovativen Funktionen im Bereich Lichtsysteme und Lenkung, die "over-the-air" (OTA) aktualisiert werden können, punkten.
Die Entscheidungsgrundlage für die AutomotiveInnovations Awards bilden die Produkt-Innovationen, welche nach quantitativen und qualitativen Kriterien bewertet werden. Für die aktuelle Ausgabe hat das CAM die Innovationen von 28 globalen Automobilherstellern und Newcomern mit rund 80 Automobilmarken analysiert. Dabei wurden insgesamt 657 einzelne Innovationen bewertet. Unter diesen würden sich 179 Weltneuheiten befinden. In die Evaluation flossen Kriterien wie Reifegrad, Originalität, Kund:innennutzen und Innovationsgrad ein.
Chinesische Hersteller holen auf
"Zwar liegen unter den Konzernen mit Mercedes-Benz und VW zwei deutsche Hersteller vorn und sie führen mit ihren Kernmarken auch viele Technologie-Kategorien an. Aber erstmals kommen zwei chinesische Unternehmen unter die Top-5 der Automobilhersteller. Der Bereich der Elektroantriebe wird unter den Volumenmarken ebenfalls von chinesischen Marken wie BYD oder Maxus auf den ersten drei Plätzen geprägt. Dies sind die neuesten Befunde eines seit Jahren fortschreitenden Aufholprozesses von chinesischen Playern bei der Innovationsstärke. Auch in besonders innovativen Segmenten versuchen inzwischen Newcomer wie Xpeng oder Nio, sich mit den deutschen Marken zu messen und haben Tesla als Vorbild", kommentiert Felix Kuhnert, Automotive Leader bei PwC Deutschland.
CAM-Direktor Stefan Bratzel sagt: "Neben der Elektromobilität wird ein ständig aktualisierbares Ökosystem von vernetzten Services zu einem zentralen Erfolgsfaktor der Automobilhersteller. Dazu müssen alle etablierten Hersteller ihre Kernkompetenzen in diesen Zukunftsfeldern massiv erweitern und für ein schnelles Time-to-Market strategische Kooperationen mit relevanten Digital-Playern eingehen."
VW bei Volumenmarken Nummer 1
Unter den Volumenherstellern führt wie im Vorjahr VW das Ranking als innovationsstärkste Marke 2022 an, gefolgt von Ford und BYD. Volkswagen punktet laut der Analyse insbesondere im Bereich "Autonomes Fahren (ADAS)" und demokratisiere Innovationen wie einen adaptiven Abstandstempomat mit Topologie-Funktion oder das Level-2-System "Travel Assist" in der Kleinwagenklasse (Polo) sowie bei kleinen SUVs (Taigo). Im Antriebsbereich baue VW sein Angebot unter anderem mit dem ID.Buzz aus und verbessere parallel bestehende Modelle, zum Beispiel mit einer höheren Ladeleistung im ID.3 als Weltneuheit im Segment, so das CAM.
In der Kategorie "Interface & Connectivity" entscheidet VW das Rennen der Volumenmarken ebenfalls für sich. Als neue Kategorie kommt ab 2022 der Bereich "Connected Services" mit den immer wichtiger werdenden vernetzten Dienstleistungen aus den Bereichen Infotainment, Autonomes Fahren, E-Commerce und vernetzte Finanzdienstleistungen hinzu. Auch hier erzielte der Hersteller aus Wolfsburg Platz eins vor dem chinesischen Newcomer Xpeng, gefolgt von Ford. Grund: Das VW-Angebot an Connected Services reiche von einem eigenen Ladenetzwerk (Electrifiy America) über die Freischaltung autonomer Fahrfunktionen bis hin zur Bezahl-Tochter PayByPhone.
Mercedes bei Premiummarken vor Tesla und BMW
Unter den Premiummarken hat Mercedes-Benz mit ziemlich großem Abstand die Nase vorn. Unter die Top-3 in diesem Segment schaffen es außerdem wie im Vorjahr Tesla und BMW. Die Stärken der Marke mit dem Stern würden vor allem im Bereich des Elektroantriebs, aber auch bei Connectivity und innovativen Bedien- und Anzeigekonzepten liegen. Insbesondere der Mercedes-Benz EQS punktet mit diversen Weltneuheiten, etwa dem "Hyperscreen" - ein 141 cm breites digitales Kombiinstrument mit drei Displays hinter einer Glasfläche - inklusive Force-Feedback-Funktion.
Kein Wunder, dass EQS auch den Award als innovationsstärkstes Modell 2022 gewinnt. Auf Rang zwei folgt mit der neuen C-Klasse ebenfalls ein Modell des Herstellers, Platz drei belegt BMWs Elektro-SUV-Flaggschiff iX. Der EQS überzeuge als Leuchtturm-Technologieträger in mehreren Bereichen, beim Antrieb etwa neben dem niedrigen Verbrauch auch mit der weltweit zweithöchsten Reichweite im Oberklasse-Segment, so das CAM
Wenig überraschend wird Mercedes-Benz somit auch Premiummarken-Sieger bei den Antrieben. Drei chinesische Unternehmen auf den ersten drei Plätzen des Antriebs-Rankings der Volumenmarken seien allerdings ein Novum in der Geschichte des AutomotiveInnovations Awards. BYD erzielt den ersten Platz vor Maxus (SAIC-Konzern) und GAC, es folgen Volkswagen und Ford auf Rang vier bzw. fünf. Begründet wird die Entscheidung damit, dass BYD seine innovative "Blade"-Batterie-Technologie mit dem Dolphin in das Kleinwagen-Segment ausrolle und mit der Studie "X Dream Concept" einen Ausblick auf ein besonders reichweitenstarkes und schnell ladendes SUV (145 km in fünf Minute) gebe.
Tesla führend beim Autonomen Fahren und Connected Services
Im Bereich Autonomes Fahren (ADAS) stehe dagegen Tesla als innovationsstärkste Premiummarke auf Platz eins. Der US-Elektroautobauer sei Vorreiter beim Autonomen Fahren auf Level 2+, bei dem das Fahrzeug in breiten Anwendungsfeldern wie Autobahn und Stadtverkehr zwar weitgehend selbständig fahren könne, der Fahrer das System aber permanent überwachen müsse. Im Rahmen einer Beta-Version bietet Tesla diese Funktionalität in seinen Modellen (unter anderem Model 3) für eine beschränkte Nutzerzahl bereits an.
Tesla wird außerdem Preisträger in der neuen Kategorie "Connected Services", bei der die vernetzten, fahrzeugbezogenen Dienstleistungen im Sinne einer Status-quo-Analyse von 2012 bis 2021 in die Wertung eingehen. Dabei decke der Elektro-Pionier alle wichtigen Bereiche von den Ladediensten mit dem weltweiten Schnellladenetzwerk der Supercharger über das Infotainment mit der Arcade-Spieleplattform bis zur datenbasierten Kfz-Versicherung mit Echtzeit-Tarifen ab. Weiterhin seien autonome Fahr- und Parkfunktionen bei Tesla bereits OTA-Update-fähig und damit als Dienst verfügbar.
www.pwc.com
www.auto-institut.com
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