Alle Jahre früher und wo war eigentlich der Fasching?

Julia Emma Weninger expressis verbis über die Spielerei des Handels mit den Jahreszeiten. 

Nach dem Weihnachtsgeschäft ist vor dem Weihnachtsgeschäft lautet die altbekannte Devise. Wer im Weihnachtsgeschäft punkten will, startet am besten früh mit den Vorbereitungen. Manche wollen es nicht wahrhaben, aber wenn es operativ nicht mehr ans Limit geht, startet der Handel schon zum Jahresbeginn mit den Plänen für das nächste Weihnachtszenario. Schon im Februar soll es laut Handelsinsidern eine Liste für die Christkindl-Aufgaben geben. Dies scheint ja auch irgendwie nachvollziehbar, wenn von der Bedeutung des Weihnachtsgeschäftes für den Jahresumsatz ausgegangen wird. Der Anteil liegt ja teilweise bei bis zu 50 Prozent.

Und jetzt ist er dran, der Osterhase. Der Fasching ist kalendarisch vorbei, er ist wohl ausgefallen - nirgendwo sah man Girlanden, Masken und buntes Allerlei, die Einkaufscenter sind seit spätestens Anfang Februar mit Häschen, Blumen, Vögelchen und Frühlingsboten geschmückt. Beim Bäcker gibt es Ostereier, die Krapfen wurden teilweise in die Ecke gedrängt. Der Fasching scheint seine einst so lustig erfrischende Rolle eingebüßt zu haben. Man muss wohl in Villach leben, um am närrischen Treiben teilhaben zu können.

Muss man sich aber vielleicht überhaupt bald fragen, wann die früher fest zementierten Jahreszeiten einander überholen werden, also Weihnachtsmänner am Ostersonntag oder Goldhasen und Fondant-Hennen zum Nikolo präsent sind?

Das Marketing muss ja punktgenau auf die saisonalen Vorlieben und Einkaufserwartungen der Konsumenten abgestimmt werden und gerade Werbeclips müssen genau Stimmung und Zeitgeist der Weihnachtszeit treffen. Immerhin auch eine Kunst, da die Spots ja im heißen Sommer produziert werden und weihnachtliche Stimmung bei allen Beteiligten in der Ferne liegt.

Wie aber soll man diese einst "heiligen Gefühle" überhaupt wieder hochkommen lassen, wenn Adventkalender bei 25 Grad im Oktober bei Last-Christmas-Klängen in den Supermärkten beworben werden und Ende Jänner schon die Oster-Deko angepriesen wird?

Sollte man nicht doch die Weihnachtszeit wenigstens bis zu den Heiligen Drei Königen strahlen und schön langsam zu Maria Lichtmess ausklingen lassen, dann unbeschwert Ballsaison und Fasching genießen, in der Fastenzeit den Verzicht üben und Ostern mit dem Palmwochenende beginnen lassen?

Schön wär’s, wenn auch die Mode mitspielen würde und die Sommerkleidung pünktlich zum Anlass in die Schaufenster kommt und das Erntedankfest würdevoll in den Herbst geleitet. Dann würde wohl auch der Schoko-Nikolaus erst nach Allerheiligen ins Regal kommen und die Christkindlmärkte mit dem ersten Advent aufsperren und dadurch statt für Übersättigung für leuchtende Augen sorgen.

Kühn gedacht könnte sogar der Handel in seinem unermüdlichen Streben nach Schnelligkeit zu dieser Vision beitragen. Wenn die Werbepositionen weiterhin in diesem Tempo vorangetrieben und vorgerückt werden, könnte man wirklich in ein paar Jahren Weihnachten wieder zu Weihnachten und Ostern zu Ostern stimmungsvoll genießen. Bis dahin können wir uns wenigstens auf das Wetter verlassen: Punktgenau zum meteorologischen Frühlingsbeginn ist reichlich Schnee angesagt.

 

 

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