Niederösterreich will seine Tourismusbetriebe wettbewerbsfähiger machen und zusätzlich Gäste aus dem In- und Ausland gewinnen. Den Rahmen dafür bildet die neue "Tourismusstrategie Niederösterreich 2030+", die am 6. Oktober in Luberegg bei Emmersdorf von Vertreter:innen der Branche präsentiert wurde. Im Mittelpunkt stehen einfachere betriebliche Abläufe, die Weiterentwicklung des Angebots und eine stärkere internationale Vermarktung.
Erarbeitet wurde die Strategie unter Beteiligung von rund 200 Personen aus Tourismus, Gemeinden, Kunst und Kultur. "Bei der Erarbeitung der 'Tourismusstrategie Niederösterreich 2030+' wollten wir nicht über, sondern mit dem Tourismus reden", erklärte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Die Branche erwirtschaftet nach Angaben des Landes rund zwei Milliarden Euro Umsatz.
Digitalisierung und weniger Bürokratie sollen Betriebe entlasten
Die Landesstrategie verbindet drei Ziele miteinander. Sie soll Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit erhöhen, ein qualitativ hochwertiges und nachhaltiges Angebot ausbauen sowie Niederösterreich als ganzjährige Reisedestination stärken. Dafür sind unter anderem der Einsatz digitaler Anwendungen und Künstlicher Intelligenz, der Abbau bürokratischer Hürden und Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitskräftesituation vorgesehen.
Mikl-Leitner verwies zudem auf den Investitionsbedarf der Unternehmen. "Das bedeutet für die Betriebe, unglaublich viel Geld zu investieren, und das heißt für uns als Land, sie dabei zu unterstützen", sagte sie. Ein messbares Ziel formulierte die Landeshauptfrau bei der Präsentation im NÖ Landhaus am selben Tag. Bis 2030 soll das Nächtigungsvolumen aus den östlichen Nachbarländern um 100.000 Nächtigungen steigen. Natur- und Aktivangebote sowie Formate wie der Weinherbst sollen dabei zur touristischen Entwicklung beitragen.
Vision T bildet den österreichweiten Rahmen
Tourismusstaatssekretärin Elisabeth Zehetner stellte bei der Veranstaltung den Bezug zur Bundesstrategie her. Die niederösterreichische Ausrichtung gehe "wunderbar Hand in Hand mit der 'Vision T'". Als Aufgabe der Digitalisierung nannte sie, die Vielfalt des Angebots sichtbar und auffindbar zu machen. Gleichzeitig brauche es Mitarbeiter:innen und Betriebsnachfolger:innen, um die regionale Wertschöpfung zu sichern.
Die am 15. Juni vorgestellte "Vision T" beschreibt die touristische Entwicklung Österreichs bis 2035. Unter dem Leitbild "wertvoll für alle - 365 Tage im Jahr" soll sie neben den wirtschaftlichen Zielen auch die Interessen von Beschäftigten, Gästen und der Bevölkerung sowie den Umgang mit natürlichen und kulturellen Ressourcen berücksichtigen. Fortschritte sollen unter anderem anhand von Wertschöpfung, Ganzjahresbeschäftigung, Gästezufriedenheit und Tourismusakzeptanz gemessen werden.
Über erste Umsetzungsschwerpunkte berichtete LEADERSNET beim WKO Tourismus Summit in Alpbach. Dazu zählt ein gemeinsames KI-Paket von Wirtschaftsministerium, Österreich Werbung und Wirtschaftskammer, das insbesondere kleinen und mittleren Betrieben Anwendungen zugänglich machen soll. Wie sich die Bundesstrategie in den Regionen umsetzen lässt, beschäftigte auch den dna-Kongress in Loipersdorf. Das Destinations-Netzwerk Austria plant für 2027 eine Untersuchung zu Wertschöpfung, Beschäftigung und Lohnsummen in den teilnehmenden Regionen. LEADERSNET berichtete über die geplante Studie.
Personalbedarf und veränderte Geschäftsreisen beschäftigen die Branche
Zu den Herausforderungen in Niederösterreich äußerten sich auch Mario Pulker, Spartenobmann Tourismus und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer NÖ, und Johannes Scheiblauer von der Österreichischen Hotelvereinigung. Pulker betonte die Bedeutung von Saisonarbeitskräften für die Qualität touristischer Dienstleistungen. Scheiblauer verwies auf Veränderungen im Wirtschaftstourismus. "Wir haben sehr turbulente Jahre hinter uns, denn Niederösterreich hat einen sehr hohen Anteil am Wirtschaftstourismus. Früher ist man für ein zweistündiges Meeting um die halbe Welt geflogen, heute wird das oft durch Online-Meetings ersetzt."
Neben dem Wirtschaftstourismus bleiben Ausflugs-, Urlaubs- und Gesundheitstourismus zentrale Bereiche der Landesstrategie. Chancen und Perspektiven dazu beleuchteten bei der Veranstaltung unter anderem Julia Flunger-Schulz, Eveline Gruber-Jansen, Karl Morgenbesser, Hartmut Rameder, Helmut Miernicki, Karin Weissenböck, Feri Schwarz, Michael Duscher, Karin Rosenberger, Angelika Ponecz und Kerstin Koren.
Für Mikl-Leitner hängt die Umsetzung wesentlich vom Engagement in den Regionen ab. "Es geht nur gemeinsam. Denn wir können fördern, so viel wir wollen – wenn die Menschen nicht dahinterstehen, dann geht es nicht."
www.noe.gv.at
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