Technologie als Gamechanger?
Lernende Roboter sollen die Industrie wettbewerbsfähiger machen

| Tobias Seifried 
| 01.11.2026

Die jüngste Konjunkturumfrage der IV OÖ liefert ein vorsichtig positives Signal. Gleichzeitig bleiben die Erträge unter Druck. Bei der Automatisierung sieht die Branche große Chancen.

Laut der aktuellen Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ) zeichnet sich nach einer langen Phase des Stellenabbaus in der oberösterreichischen Industrie erstmals wieder eine Stabilisierung der Beschäftigung ab. An der Erhebung beteiligten sich 89 Unternehmen mit insgesamt rund 114.000 Beschäftigten (siehe Infobox).

Besonders auffällig sei die Entwicklung bei den Personalplänen: Der entsprechende Konjunktursaldo verbesserte sich demnach gegenüber dem Vorquartal von minus 26 auf minus zwei Punkte. Damit liege er erstmals seit mehr als drei Jahren wieder nahe der Nulllinie. 77 Prozent der befragten Betriebe wollen ihre Beschäftigtenzahl in den kommenden drei Monaten konstant halten, zehn Prozent planen einen Personalaufbau und 13 Prozent einen weiteren Abbau.

"Damit ist die Hoffnung verbunden, dass die infolge der zu stark gestiegenen Lohnkosten der letzten Jahre notwendig gewordene Verkleinerung der Belegschaft in der OÖ. Industrie jetzt erledigt ist", erklärt Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der IV OÖ.

Konjunktur verbessert sich nur langsam

Auch die allgemeinen Konjunkturerwartungen fallen etwas günstiger aus. Das Konjunkturbarometer stieg von 1,1 auf 4,1 Punkte und bleibt damit leicht im positiven Bereich. Die aktuelle Geschäftslage wird mit minus 13 Punkten allerdings weiterhin negativ beurteilt. Deutlich optimistischer sind die Erwartungen für die kommenden sechs Monate, die von plus 16 auf plus 20 Punkte zulegten. "Seit zwei Jahren zeigt sich das ungewöhnliche Bild, dass die aktuelle Lage schlechter beurteilt wird als der Ausblick auf die nächsten sechs Monate", analysiert Haindl-Grutsch.

Der erhoffte Aufwärtstrend habe sich bislang nicht in einer nachhaltigen Verbesserung der Unternehmensentwicklung niedergeschlagen. Während die Produktionserwartungen leicht steigen, bleibt insbesondere die Ertragssituation angespannt. Der entsprechende Saldo liegt aktuell bei minus 19 Punkten. Als Belastungsfaktoren nennt die IV OÖ unter anderem hohe Kosten und den internationalen Wettbewerbsdruck.

Lernende Roboter könnten die Produktion verändern

Neben der Konjunkturentwicklung beschäftigt die oberösterreichische Industrie zunehmend der technologische Wandel. Nach Einschätzung der IV OÖ könnte insbesondere die Verbindung von künstlicher Intelligenz und moderner Robotik einen grundlegenden Umbruch auslösen. Während klassische Industrieroboter überwiegend für festgelegte Abläufe programmiert werden, sollen KI-gestützte Systeme künftig stärker auf ihre Umgebung reagieren, neue Aufgaben erlernen und auch außerhalb standardisierter Fertigungsprozesse eingesetzt werden können. Fortschritte bei Sensorik, Greiftechnik und Rechenleistung könnten den Einsatzbereich von Robotern erheblich erweitern.

Die IV OÖ erwartet dadurch neue Automatisierungsmöglichkeiten entlang der gesamten betrieblichen Wertschöpfungskette – auch für kleinere Unternehmen. "KI gibt der Industrie ein neues Gehirn. Robotik gibt diesem Gehirn Hände. Künftig passt sich der Roboter zunehmend an die Produktion an", sagt Haindl-Grutsch. Entscheidend werde sein, wie produktiv Unternehmen Menschen und intelligente Maschinen miteinander kombinieren.

IV fordert steuerliche Anreize für Investitionen

Um den technologischen Wandel zu beschleunigen, spricht sich die IV OÖ für eine dauerhafte, technologieoffene Super-Abschreibung aus. Investitionen in neue Maschinen und Technologien sollen dadurch steuerlich attraktiver werden. Aus Sicht der Interessenvertretung hätte ein solches Instrument gegenüber klassischen Förderprogrammen den Vorteil, ohne zusätzliche Förderbürokratie auszukommen und Unternehmen mehr Freiheit bei Investitionsentscheidungen zu lassen.

"Eine Super-Abschreibung macht aus Steuergeld kein Förderprogramm, sondern einen Investitionsanreiz", argumentiert der IV OÖ-Geschäftsführer. Angesichts des raschen technologischen Wandels müsse die Bundesregierung handeln, um die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts langfristig zu sichern.

www.oberoesterreich.iv.at

OÖ Industriekonjunktur im 3. Quartal 2026

  • Konjunkturbarometer: +4,1 Punkte (Vorquartal: +1,1)
  • Aktuelle Geschäftslage: –13 Punkte (–14)
  • Geschäftslage in sechs Monaten: +20 Punkte (+16)
  • Auftragsbestand: +9 Punkte (+19)
  • Auslandsaufträge: +14 Punkte (+15)
  • Produktion in drei Monaten: +11 Punkte (+6)
  • Ertragssituation aktuell: –19 Punkte (–22)
  • Beschäftigung in drei Monaten: –2 Punkte (–26)
  • Beschäftigungspläne: 77 Prozent halten Personalstand konstant, zehn Prozent wollen aufstocken, 13 Prozent reduzieren
  • Befragung: 89 Unternehmen mit rund 114.000 Beschäftigten

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

OÖ Industriekonjunktur im 3. Quartal 2026

  • Konjunkturbarometer: +4,1 Punkte (Vorquartal: +1,1)
  • Aktuelle Geschäftslage: –13 Punkte (–14)
  • Geschäftslage in sechs Monaten: +20 Punkte (+16)
  • Auftragsbestand: +9 Punkte (+19)
  • Auslandsaufträge: +14 Punkte (+15)
  • Produktion in drei Monaten: +11 Punkte (+6)
  • Ertragssituation aktuell: –19 Punkte (–22)
  • Beschäftigung in drei Monaten: –2 Punkte (–26)
  • Beschäftigungspläne: 77 Prozent halten Personalstand konstant, zehn Prozent wollen aufstocken, 13 Prozent reduzieren
  • Befragung: 89 Unternehmen mit rund 114.000 Beschäftigten

leadersnet.TV