Wie Deutschland und Österreich trotz schwacher Konjunktur, hoher Energiekosten und wachsender Regulierung wettbewerbsfähig bleiben, war das bestimmende Thema der 71. Generalversammlung der Deutschen Handelskammer in Österreich (DHK), die vergangenen Donnerstag, dem 29. Oktober, im Palais Niederösterreich in Wien über die Bühne ging. Den Auftakt machte DHK-Präsident Hans Dieter Pötsch mit einer Bilanz der Wirtschaftslage und einer klaren Forderung an die Sozialpartner. Beim anschließenden Hessischen Abend griffen Hessens Ministerpräsident Boris Rhein, Staatssekretär Alexander Pröll und der niederösterreichische LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf das Thema jeweils aus ihrer eigenen Sicht auf.
Erholung ohne Aufschwung
Nach den rückläufigen Jahren 2023 und 2024 haben sich die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Österreich zwar wieder erholt. Von einem Aufschwung wollte Hans Dieter Pötsch in seiner Begrüßungsrede aber nicht sprechen. Ein besonderes Augenmerk legte er auf die Lohnpolitik: "Angesichts der anhaltenden Inflationsrisiken sind in Österreich und Deutschland derzeit moderate Lohnsteigerungen das Gebot der Stunde", so der DHK-Präsident. Die Sozialpartner sollten bei ihren Abschlüssen die gesamtwirtschaftlichen Folgen mitdenken und den Unternehmen Luft für Investitionen lassen.
"Deutschland und Österreich stehen vor vergleichbaren Herausforderungen", sagte Pötsch. Er nannte das weiterhin schwache wirtschaftliche Umfeld, hohe Energie- und Standortkosten, den zunehmenden internationalen Wettbewerbsdruck und eine immer komplexere Regulierung. Kritik übte er an der Umsetzung des politisch versprochenen Bürokratieabbaus: "Der Abbau ist bislang in unseren Unternehmen kaum angekommen." Zuversicht schöpft Pötsch aus den gemeinsamen Stärken beider Länder, darunter leistungsfähige Industriebetriebe, gut ausgebildete Fachkräfte sowie hohe Kompetenz in Forschung und Technologie.
Hessen als Wirtschaftsdrehkreuz
Wie solche Stärken in der Praxis aussehen, zeigte das deutsche Bundesland Hessen, das im Anschluss gemeinsam mit der DHK zum Abendempfang lud. Pötsch begrüßte die Gäste gemeinsam mit Ministerpräsident Boris Rhein und betonte, dass Hessen "ein bedeutendes europäisches Wirtschaftsdrehkreuz, ein führender Standort für Weltmarktführer, Hochtechnologie und Finanzwirtschaft" sei.
Für Rhein geht die Verbindung zwischen Hessen und Österreich weit über Handelszahlen hinaus. "Wir teilen Werte wie Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie sowie die feste Überzeugung, dass sich Leistung lohnen muss", erläuterte er in seiner Festrede. Gerade weil die wirtschaftliche Lage angespannt ist, will der CDU-Politiker die Kooperation vertiefen. Potenzial sieht er in der Gesundheitswirtschaft, bei Industrie 4.0 und Automatisierung sowie bei Elektromotoren und Mobilität. "Gemeinsam wollen wir neue Chancen für Unternehmen erschließen, Freiräume für unternehmerisches Handeln schaffen und Europa als wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort stärken", so Rheins Fazit.
Von Künstlicher Intelligenz bis Windkraft
Für die österreichische Bundesregierung sprach Alexander Pröll, Staatssekretär im Bundeskanzleramt und unter anderem für Digitalisierung zuständig. Nach seinem Dank an Hessen für die gute Zusammenarbeit lenkte er den Blick auf Künstliche Intelligenz und den Umbruch, in dem sich viele Unternehmen gerade befinden. "Wir haben die Chance, Dinge positiv zu verändern", so Pröll. "Es liegt an uns, diese Chancen bestmöglich zu nutzen."
Bei den Energiekosten, die Pötsch zuvor angesprochen hatte, knüpfte Stephan Pernkopf an, der NÖ-Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner vertrat und eine sichere Energieversorgung in seiner Rede als Grundlage jeder wirtschaftlichen Entwicklung bezeichnete. Niederösterreich setze daher auf erneuerbare Quellen, allen voran die Windkraft. Mit Hessen verbinde sein Bundesland neben der Innovationskraft auch der Weinbau. Hessische und österreichische Weine gab es dann auch beim Ausklang des Abends.
Namhafte Gäste
Bereits bei der Generalversammlung hatte die DHK langjährige Mitglieder geehrt. Seit 70 Jahren gehören RHI Magnesita sowie die Industrie- und Handelskammern Niederbayern in Passau und Frankfurt am Main der Kammer an. Die Messe Offenbach und die ÖSWAG Werft Linz feierten 60 Jahre Mitgliedschaft. Für 50 Jahre wurden die Deutsche Zentrale für Tourismus, Gebrüder Weiss, GPK Pegger Kofler & Partner Rechtsanwälte und Xervon Austria ausgezeichnet. Vertreter:innen der meisten dieser Häuser waren auch am Abend unter den mehr als 200 Gästen.
Ebenfalls dabei waren die DHK-Präsidiumsmitglieder Axel Kühner (ASK Management), Elisabeth Hintermann (Mühldorfer), Thomas Birtel (Strabag) und Joachim Schönbeck (Andritz) sowie zahlreiche Vertreter:innen aus Wirtschaft und Politik beider Länder, darunter Vito Cecere (Deutscher Botschafter in Österreich), Willibald Ehrenhöfer (Zukunftsressort des Landes Steiermark), Jürgen Ratzinger (IHK Frankfurt am Main), Björn Hertzer (Deutsche Bank), Christoph Knogler (Keba Group), Philipp Wassenberg (Ergo Versicherung), Helmut Weinwurm (Robert Bosch), Wolfgang Schwarz (Carl Zeiss), Wolfgang Huemer (Zoller Austria), Christian Kallinger (VNT Automotive), Alexander Zach (Merz Pharma Austria), Mahmut Türker (Airbus Defence and Space), Herbert Henninger (Primion), Peter Klement (Xervon Austria), Reinhard Suppan (ÖSWAG Werft Linz), Melita Mindermann (Messe Offenbach), Alessandro Cacciola (Gebrüder Weiss), Georg Krause (msg Plaut), Laszlo Dernovic (Deutsche Zentrale für Tourismus), Peter Koren (Industriellenvereinigung), Christopher Neff (Merck) und Georg Huber (GPK Pegger Kofler & Partner). Durch den Abend führte die aus Hessen stammende Beatrice Schmidt, Geschäftsführerin von FM Forum Industriemedien.
LEADERSNET war bei der Generalversammlung dabei und hat Eindrücke für Sie in der Galerie gesammelt.
www.oesterreich.ahk.de
Kommentar veröffentlichen