Im neuen "Peter & Paul" sprechen Martin Butollo (Country CEO Austria, Commerzbank AG) und Katharina Zehender (WKW Fachgruppe Freizeit- und Sportbetriebe) u.a. darüber, wie Betriebe junge Talente für sich begeistern können, welche Chancen internationale Märkte bieten und warum es dafür mehr Selbstbewusstsein und Mut braucht.
Die neue Folge "Peter & Paul" dreht sich dieses Mal rund um das Thema "Standort und Strategie – wie Österreichs Wirtschaft neue Chancen sucht". Dazu spricht Paul Leitenmüller (CEO Opinion Leaders Network) mit seinen beiden Gästen Martin Butollo (Country CEO Austria, Commerzbank AG) und Katharina Zehender (WKW Fachgruppe Freizeit- und Sportbetriebe). Gedreht wurde die aktuelle Folge im Hotel The Companion auf der Mariahilfer Straße in Wien, das erst vor wenigen Monaten Eröffnung feierte (LEADERSNET berichtete).
Chancen über Österreichs Grenzen hinaus
Martin Butollo leitet als Country CEO die Österreich-Niederlassung der Commerzbank, die sich mit rund 50 Mitarbeiter:innen ausschließlich dem Firmenkundengeschäft widmet. Große und mittelgroße Unternehmen betreut die Frankfurter Großbank bei Finanzierungen, insbesondere im Exportgeschäft, wobei sie auf ein dichtes internationales Netz an Standorten zurückgreifen kann. Warum gerade dieses Geschäft so zentral ist, erklärt Butollo mit den Strukturen der heimischen Wirtschaft: "Österreich ist ein kleiner Markt. Die Unternehmen müssen daher ins Ausland gehen, dort produzieren und exportieren. Das ist seit Jahrzehnten so und wird sich auch nicht ändern." Den österreichischen Betrieben stellt er dabei ein gutes Zeugnis aus. Sie hätten die Krisen der vergangenen Jahre gut gemeistert und seien deutlich widerstandsfähiger geworden. Darunter seien auch viele international erfolgreiche Familien- und Mittelstandsunternehmen, die teilweise sogar zu den Weltmarktführern in ihren Branchen zählten.
Auch die heimische Veranstaltungsbranche ist über Österreichs Grenzen hinaus tätig. Ihr Mittelpunkt liegt in Wien, wo es laut Katharina Zehender rund 2.000 Gewerbescheine in diesem Bereich gibt. Zehender führt eine eigene, auf Eventlocations spezialisierte Agentur und vertritt in der Wirtschaftskammer Wien (WKW) als Branchensprecherin die Eventbetriebe der Bundeshauptstadt. Zudem ist sie Vorstandsvorsitzende der Livecom, der Vereinigung der österreichischen Veranstaltungsdienstleister. "Eventagenturen oder Eventdienstleister:innen im Allgemeinen machen von der kleinen Pressekonferenz bis zum großen Kongress mit mehreren Zehntausend Menschen alles. Man denkt diese Branche oft viel zu klein. Man sieht gar nicht, was eigentlich alles eine Veranstaltung ist und wen es dafür braucht", meint die Branchenexpertin und betont, dass der internationale Austausch für die Branche essenziell sei: "Wir haben viele Dienstleister:innen, die auch im Ausland arbeiten. Umgekehrt arbeiten immer wieder Menschen aus dem Ausland bei uns. Diese Erfahrungen aus anderen Ländern braucht es in beide Richtungen."
Was der Wirtschaftsstandort jetzt braucht
Die starke internationale Verflechtung hat allerdings auch eine Kehrseite, wie Butollo erklärt: "Geopolitische Verwerfungen und kriegerische Auseinandersetzungen erzeugen Unsicherheit, und Unsicherheit ist nie gut für Investitionen." Viele Unternehmen hätten sich jedoch an die schwierige Lage gewöhnt und fänden Lösungen. Wie Betriebe ihr begegnen sollten, beantwortet er klar: "Man muss diversifizieren, sich also breiter aufstellen und nicht alles auf ein Land oder ein Produkt setzen. Das gilt für die Absatzmärkte ebenso wie für die Produktionsstandorte und die Beschaffungsmärkte." Wünsche an die Politik gebe es zwar genug, zusammengefasst laute seine Botschaft aber: "Wir müssen die Dinge selbst in die Hand nehmen und können nicht auf andere warten. Um uns herum entwickelt sich alles sehr schnell. Wir sollten also einfach anpacken und Dinge vereinfachen, damit die Unternehmen und auch die Bürger:innen das Gefühl haben, dass etwas weitergeht."
Zehender richtet ihre Forderungen an Stadt und Bund: "Veranstaltungen machen können wir. Was wir brauchen, sind wirtschaftliche Sicherheit und Stabilität. Wir müssen im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig bleiben und auch wieder stärker werden." Dazu zählt sie eine sinkende Inflation ebenso wie niedrigere Lohnnebenkosten, die im internationalen Vergleich sehr hoch seien. Hinzu kommt ein branchenspezifisches Problem, denn repräsentative Eventlocations seien in Wien in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen, vor allem ab einer gewissen Größe. Die viel diskutierte große Veranstaltungshalle (LEADERSNET berichtete u.a. hier) hält sie für Konzerte zwar für notwendig, für das Kongressgeschäft gelte aber eine eigene Messlatte: "Wir brauchen auch im Corporate- und im Kongressbereich Locations, in etwa ab 400 Personen aufwärts in einem Raum. Das ist der entscheidende Parameter, um auch für große Kongresse interessant zu sein."
Mit Zuversicht in die Zukunft
Neben besseren Rahmenbedingungen braucht es für Butollo aber auch eine andere Haltung: "Wir sind gut, wir haben gute Firmen und tolle Produkte, die auf der ganzen Welt anerkannt sind. Wir sind erfolgreich. Ein bisschen mehr Selbstbewusstsein und Mut schadet also nicht." Gegen die weit verbreitete Schwarzmalerei wendet sich auch Zehender, und zwar beim Blick auf die junge Generation. In ihrer Tanzschule in Baden, die sie gemeinsam mit ihrem Mann betreibt und die jeden Monat rund 1.000 Schüler:innen – darunter viele Jugendliche – besuchen, erlebt sie diese aus nächster Nähe. "Man hört ganz oft, dass die heutige Jugend faul sei und nichts mehr arbeiten wolle. Das stimmt nicht. Die jungen Leute wollen den richtigen Job machen, sie wollen ernst genommen werden und bei dem, was sie tun, einen Impact erleben." Was Arbeitgeber:innen tun müssen, um die besten jungen Talente zu bekommen und auch zu halten, fasst sie in einem einzigen Wort zusammen: "Zuhören."
Optimistisch zeigen sich beide Gäste auch beim Thema Künstliche Intelligenz. Für Butollo ist die Technologie im Bankgeschäft "definitiv ein Gamechanger". Riesige Datenmengen ermöglichten fundiertere Entscheidungen, automatisierte Abläufe schafften Freiraum für die Kundenarbeit und strategische Themen. Bei aller Begeisterung zieht er aber eine klare Grenze: "Die KI unterstützt den Menschen und nicht umgekehrt." Für die Eventbranche kommt Zehender zu einem ähnlichen Schluss: "Ich bin überzeugt, dass uns die KI hilft, Dinge schneller, nicht unbedingt besser, aber sicher in hoher Qualität weiterzuentwickeln. Unsere Arbeit wird sie aber nie ersetzen. Diese Angst habe ich zumindest in unserer Branche nicht, denn die KI kann weder Bühnen aufbauen noch das Essen kochen oder servieren."
Was Martin Butollo und Katharina Zehender zum Thema "Standort und Strategie – wie Österreichs Wirtschaft neue Chancen sucht" noch sagen, sehen Sie in unserem Video und hören Sie in unserem Podcast. Zwischen den Themenblöcken gibt es im Video wie gewohnt ein Business-Event, dieses Mal die Vienna Brand Gala.
Alle "Peter & Paul"-Folgen zum Nachschauen finden Sie hier.
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