Wifo-Schnellschätzung
Österreichs Wirtschaft kehrte im dritten Quartal auf Wachstumskurs zurück

| Larissa Bilovits 
| 01.11.2026

Laut einer Schnellschätzung des Wifo fiel das Plus allerdings bescheiden aus. Für Schwung sorgten vor allem einzelne Dienstleistungsbranchen und der Außenhandel, während Bau und Konsum weiter schwächeln.

Die österreichische Wirtschaft hat zwischen Juli und September wieder zugelegt. Wie aus der aktuellen Schnellschätzung des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo) hervorgeht, wuchs das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal 2026 um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal (saison- und kalenderbereinigt). Im zweiten Quartal war die Wirtschaftsleistung noch um 0,1 Prozent geschrumpft. Im Vergleich mit dem dritten Quartal 2025 ergibt sich ein Zuwachs von 0,6 Prozent. Nach einem breiten Aufschwung sieht das allerdings nicht aus, denn die einzelnen Branchen entwickeln sich sehr unterschiedlich.

Erholung verliert an Tempo

Anfang 2024 lag die Wirtschaftsleistung noch deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. Seit Ende 2024 ist die Jahresveränderung wieder positiv. Im Laufe des Jahres 2025 beschleunigte sich das Wachstum im Jahresvergleich stetig, von 0,4 Prozent im ersten auf 1,1 Prozent im vierten Quartal. Den bisherigen Höhepunkt erreichte es zu Jahresbeginn 2026 mit 1,2 Prozent.

Seither flacht die Kurve jedoch ab. Im zweiten Quartal sank die Jahresrate auf 0,8 Prozent, im dritten auf 0,6 Prozent. Der Rückgang der Jahresrate erklärt sich dadurch, dass die Wirtschaft im dritten Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal mit 0,2 Prozent schwächer wuchs als im entsprechenden Quartal des Vorjahres (+0,4 Prozent). Gegenüber dem jeweiligen Vorquartal bewegt sich das Wachstum seit Anfang 2025 durchwegs im Bereich weniger Zehntelprozentpunkte.

Dienstleister ziehen, Bau und Industrie hinken nach

Am kräftigsten wuchs unter den großen Wirtschaftsbereichen die Wertschöpfung in Information und Kommunikation, Finanz- und Versicherungsleistungen sowie im Grundstücks- und Wohnungswesen. Sie legte um 0,9 Prozent zu. Handel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie wuchsen um 0,2 Prozent. Auf der Stelle traten dagegen die sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen, zu denen etwa freiberufliche, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten zählen (-0,1%). Ein deutliches Plus von 2,0 Prozent weist die Wifo-Übersicht für die sonstigen Dienstleistungen wie Kunst, Unterhaltung und Erholung aus, allerdings nach einem Einbruch von 2,4 Prozent zu Jahresbeginn.

Aus der Industrie kamen kaum Impulse. Die Wertschöpfung in Bergbau, Warenherstellung sowie Energie- und Wasserversorgung stagnierte nahezu (+0,1%), nachdem sie im ersten Quartal noch um 1,3 Prozent gewachsen und im zweiten um 0,3 Prozent gesunken war. Noch trüber ist das Bild in der Bauwirtschaft. Ihre Wertschöpfung ging um 0,2 Prozent zurück, seit Anfang 2025 ist sie damit in keinem einzigen Quartal gewachsen.

Konsum stockt, Außenhandel stützt

Auch auf der Nachfrageseite fehlt der Schwung. Der private Konsum blieb gegenüber dem Vorquartal unverändert (±0,0%) und entwickelte sich damit ähnlich zögerlich wie die konsumnahen Dienstleistungen. Die öffentlichen Konsumausgaben sanken um 0,2 Prozent.

Positive Signale kamen von den Investitionen und aus dem Außenhandel. Die Bruttoanlageinvestitionen stiegen um 0,2 Prozent, die Exporte um 0,3 Prozent. Weil die Importe gleichzeitig um 0,2 Prozent zurückgingen, wirkte der Außenhandel unterm Strich leicht wachstumsfördernd.

Die Werte sind eine erste Schätzung, die auf der Quartalsrechnung von Statistik Austria aufbaut. Vollständigere Daten zum BIP und seinen Hauptaggregaten für das dritte Quartal veröffentlicht Statistik Austria am 3. Dezember 2026.

www.wifo.ac.at

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