Bereits seit 2019 untersucht die Stadt Wien im Rahmen der Mediendiskursstudie, welche Themen die Wiener:innen besonders interessieren, welche Medien sie nutzen und wie sie sich informieren. Durchgeführt wird die Untersuchung vom IFES – Institut für Empirische Sozialforschung im Auftrag der Stadt Wien (siehe auch Infobox).
Die aktuelle Ausgabe für 2026 zeigt, dass vor allem Gesundheit und Sicherheit im Fokus der Wiener Bevölkerung stehen. Bei der Mediennutzung behauptet das Internet seine Position als mit Abstand wichtigste Informationsquelle. Tageszeitungen und Radio erreichen im Vergleich der vergangenen Jahre ein stabiles Nutzungsniveau, während die tägliche Fernsehnutzung leicht zurückgeht.
Von der Stadt Wien wünschen sich die Befragten Informationen insbesondere über das Internet sowie über Fernsehen, Radio und Tageszeitungen.
Gesundheit und Sicherheit stehen im Mittelpunkt
Mit 55 Prozent führt Gesundheit die Liste jener Themen an, die von den Befragten als "sehr interessant" bewertet werden. Dahinter folgen Sicherheit im öffentlichen Raum mit 52 Prozent, persönliche Sicherheit mit 48 Prozent und öffentlicher Verkehr mit 47 Prozent. Energie und Wasser erreichen 45 Prozent.
Auch die Nahversorgung stößt mit 44 Prozent auf großes Interesse. Psychische Gesundheit kommt auf 43 Prozent, Parks und Erholung auf 40 Prozent.
Deutlich niedrigere Werte verzeichnen die Themen Stadtverwaltung mit 24 Prozent, kommunale Dienste mit 25 Prozent sowie Sport und Freizeit und Wirtschaft mit jeweils 27 Prozent. Bei Pflege mit 23 Prozent, Schulen mit ebenfalls 23 Prozent, Arbeit und Arbeitsmarkt mit 22 Prozent sowie Kinderbetreuung mit 17 Prozent hängt das Interesse stärker von der jeweiligen Lebenssituation und der persönlichen Betroffenheit ab. Diese Bereiche sind daher zielgruppenspezifisch zu betrachten.
Den größten Zuwachs gegenüber dem Vorjahr verzeichnet das Virtuelle Amt. Mit 36 Prozent steigt das Interesse um fünf Prozentpunkte. Online-Angebote legen um vier Prozentpunkte zu, psychische Gesundheit und Individualverkehr jeweils um drei Prozentpunkte.
Integration gewinnt langfristig an Interesse
Der Vergleich der Jahre 2023 bis 2026 verdeutlicht, dass sich die Aufmerksamkeit für einzelne Themen im Laufe der Zeit verändert. Den größten Interessenszuwachs verzeichnet Integration. Das Thema legt um sieben Prozentpunkte zu und erreicht damit einen neuen Höchstwert.
Gesundheit, Verhaltensweisen im Krisenfall, Wirtschaft und Sicherheit im öffentlichen Raum gewinnen im selben Zeitraum jeweils fünf Prozentpunkte hinzu. Leicht rückläufig entwickelt sich hingegen das Interesse an Kultur und Veranstaltungen sowie Parks und Erholung. Beide Bereiche verlieren jeweils zwei Prozentpunkte.
Fake News, Cybercrime und KI rücken stärker in den Fokus
Bei den Medienthemen steht das Erkennen von Fake News mit 35 Prozent "sehr interessant" an erster Stelle. Musik sowie Essen und Trinken erreichen jeweils 34 Prozent. Ebenso viele Befragte interessieren sich besonders für das Vermeiden von Cybercrime.
Gerade Cybercrime gewinnt gegenüber dem Vorjahr deutlich an Aufmerksamkeit. Das Interesse am Vermeiden von Cybercrime steigt um sechs Prozentpunkte. Beim Erkennen von KI, bei Geld- und Kapitalanlagen sowie bei Essen und Trinken beträgt der Zuwachs jeweils fünf Prozentpunkte.
Weniger Interesse entfällt auf spezielle Themengebiete. Autos und Motorräder sowie Heimwerken und Renovieren erreichen jeweils 14 Prozent, Mode und Beauty 13 Prozent und Stars und Prominente zehn Prozent.
Über die Jahre hinweg bleiben die Interessen bei Medienthemen insgesamt weitgehend stabil. Sie spiegeln vor allem grundlegende Interessen und Hobbys wider und werden daher weniger stark von gesellschaftlichen, geopolitischen oder wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beeinflusst.
Internet bleibt wichtigstes Informationsmedium
Das Internet behauptet seine führende Stellung bei der Mediennutzung. Acht von zehn Befragten nutzen es täglich oder fast täglich. Ebenfalls stabil bleibt die Social-Media-Nutzung: 50 Prozent greifen täglich oder fast täglich auf entsprechende Angebote zurück.
Fernsehen, Radio, Tageszeitungen, allgemeine Nachrichten- und Informations-Apps sowie die Nachrichtenseiten klassischer Medienanbieter erreichen jeweils tägliche Nutzungswerte zwischen 31 und 37 Prozent.
Musik- und Video-Streamingdienste werden von rund einem Viertel der Wiener:innen täglich genutzt. Infoscreens und Außenwerbung kommen auf tägliche Nutzungsanteile zwischen 16 und 18 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr legen insbesondere Newsletter mit 15 Prozent, Chatbots beziehungsweise Chats mit 14 Prozent sowie Magazine und Zeitschriften mit zwölf Prozent zu.
Langfristig betrachtet ist die Mediennutzung von einem Rückgang klassischer Formate wie Fernsehen, Radio und Print-Tageszeitungen geprägt. In den vergangenen vier Jahren zeigt sich deren Nutzung allerdings weitgehend stabil. Social Media haben bei der Nutzung zu den klassischen Medien aufgeschlossen beziehungsweise diese teilweise überholt und bewegen sich seit mehreren Jahren auf hohem Niveau. Auch Video- und Audio-Streamingdienste haben sich dauerhaft etabliert.
Heute bei Tageszeitungen mit größter Reichweite
Unter den Tageszeitungen ist Heute jenes Medium, mit dem die Wiener Bevölkerung am häufigsten in Berührung kommt. 26 Prozent lesen die Zeitung mindestens mehrmals pro Woche. Knapp dahinter liegt die Kronen Zeitung mit 25 Prozent.
Österreich/oe24 und Der Standard erreichen jeweils 21 Prozent, der Kurier 18 Prozent und Die Presse 13 Prozent. Bei der Meinungsbildung liegen Der Standard und die Kronen Zeitung mit jeweils zwölf Prozent an erster Stelle. Der Kurier folgt mit elf Prozent.
ORF-Programme führen beim Fernsehen
Bei den Fernsehsendern liegen die Programme des ORF sowohl bei der Nutzung als auch bei der Meinungsbildung vorne. ORF 2 wird von 38 Prozent der Wiener:innen mindestens mehrmals pro Woche gesehen, ORF 1 von 36 Prozent.
Unter den privaten Fernsehsendern erreicht ServusTV mit 23 Prozent den höchsten Nutzungswert. Dahinter folgen Puls 4 mit 20 Prozent, RTL mit 18 Prozent und ATV mit 17 Prozent. ORF III kommt auf 22 Prozent.
ServusTV verweist in diesem Zusammenhang auf ein weiteres Ergebnis der Mediendiskursstudie: Demnach geben 44 Prozent der regelmäßigen Nutzer:innen des Senders an, ServusTV zur Orientierung und Information zu nutzen.
Auch bei der Meinungsbildung liegen die ORF-Programme vorne. 22 Prozent nennen ORF 2, 17 Prozent ORF 1 und zehn Prozent ORF III. Gegenüber dem Vorjahr legen ORF 1, ORF 2 und ServusTV jeweils um zwei Prozentpunkte zu.
Öffentlich-rechtliche Programme auch beim Radio vorne
Auch im Hörfunk liegen die öffentlich-rechtlichen Angebote an der Spitze. Ö3 wird von 27 Prozent der Wiener:innen mindestens mehrmals pro Woche gehört. Radio Wien erreicht 24 Prozent und Ö1 19 Prozent.
Unter den Privatsendern kommen KroneHit auf 15 Prozent und 88.6 Der Musiksender auf 14 Prozent. Alle genannten Sender gewinnen gegenüber dem Vorjahr zwischen zwei und drei Prozentpunkten.
Bei der Meinungsbildung liegen Ö1, Radio Wien und Ö3 mit jeweils zehn Prozent gleichauf.
orf.at dominiert bei Online-Nachrichten
Bei den Nachrichtenseiten im Internet liegt orf.at mit deutlichem Abstand vorne. 25 Prozent der Wiener:innen nutzen das Angebot mindestens mehrmals pro Woche.
derstandard.at und krone.at erreichen jeweils 15 Prozent, heute.at kommt auf 14 Prozent. Auch bei der Meinungsbildung führt orf.at mit 15 Prozent. derstandard.at folgt mit elf Prozent.
Große Altersunterschiede bei Social Media
WhatsApp ist mit 60 Prozent regelmäßiger Nutzung das am häufigsten genutzte Social-Media-Angebot. Dahinter folgen YouTube mit 45 Prozent, Instagram mit 40 Prozent und Facebook mit 39 Prozent. TikTok kommt mit deutlichem Abstand auf 21 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr verliert WhatsApp zwei Prozentpunkte, bleibt jedoch auf einem hohen Nutzungsniveau.
Besonders ausgeprägt sind die Unterschiede zwischen den Altersgruppen. 56 Prozent der unter 30-Jährigen nutzen Instagram mehrmals pro Woche. Bei den über 60-Jährigen sind es 21 Prozent.
TikTok wird insgesamt von 21 Prozent regelmäßig genutzt, unter den unter 30-Jährigen liegt der Anteil jedoch bei 45 Prozent. Snapchat erreicht in dieser Altersgruppe 39 Prozent, während die Plattform bei älteren Zielgruppen kaum eine Rolle spielt.
Bei Facebook zeigt sich ein anderes Bild. 26 Prozent der unter 30-Jährigen nutzen das Netzwerk regelmäßig, wobei die Tendenz sinkt. Bei den über 45-Jährigen liegt der Anteil bei nahezu 40 Prozent.
Für die Meinungsbildung spielen vor allem YouTube mit 19 Prozent und WhatsApp mit 17 Prozent eine wichtige Rolle. Deutlich an Bedeutung gewinnen zudem Newsletter. Mittlerweile stufen 14 Prozent diese als meinungsbildend ein. Das entspricht einem Plus von zehn Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr und ist auf die zunehmende Gesamtnutzung zurückzuführen.
Netflix liegt bei Video-Streaming vorne
Bei den Video-Streamingdiensten liegt Netflix mit 30 Prozent regelmäßiger Nutzung klar an erster Stelle. Amazon Prime Video folgt mit 22 Prozent, Disney+ erreicht 13 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr legt Netflix um zwei Prozentpunkte zu, während Disney+ zwei Prozentpunkte verliert.
Internet wichtigster Kanal für Informationen der Stadt Wien
Für die Kommunikation der Stadt Wien erwarten sich die Befragten Informationen über unterschiedliche Kanäle. Das Internet bleibt dabei unverändert an erster Stelle: 50 Prozent halten es für einen besonders geeigneten Informationskanal.
Fernsehen und Radio folgen mit jeweils 36 Prozent, Tageszeitungen mit 35 Prozent. Social Media erreichen 30 Prozent, Informationseinrichtungen 29 Prozent. Damit zeigt die Studie, dass für die Information durch die Stadt Wien sowohl digitale als auch klassische Medienkanäle eine wichtige Rolle spielen.
www.wien.gv.at
Kommentar veröffentlichen