Ob Pflaster, Taschentücher oder Zahnpasta, beim Einkauf von Drogeriewaren greifen Konsument:innen in Österreich deutlich tiefer in die Tasche als ihre Nachbar:innen in Deutschland – und das bei exakt denselben Produkten derselben Hersteller. Das zeigt ein aktueller Preismonitor der Arbeiterkammer (AK) Wien, für den zwischen 5. und 8. Oktober die Preise von 97 identischen Drogerieartikeln bei zehn Händlern in beiden Ländern erhoben wurden (siehe Infobox). Der gesamte Warenkorb kostete in Österreich durchschnittlich 535,52 Euro, in den deutschen Online-Shops hingegen 438,70 Euro. Kund:innen mussten hierzulande für dieselben Produkte demnach im Schnitt um 22,1 Prozent mehr bezahlen.
Bei Pflastern ist der Unterschied am größten
Besonders drastisch fällt das Preisgefälle bei Pflastern aus. Eine Packung mit 20 Sensitive Strips von Hansaplast kostete in Österreich im Schnitt 5,75 Euro, in Deutschland dagegen nur 2,47 Euro. Das entspricht einem Plus von rund 133 Prozent und damit dem höchsten Wert der gesamten Erhebung. Auch die Hühneraugenpflaster desselben Herstellers waren hierzulande mit 6,74 Euro mehr als doppelt so teuer wie in Deutschland (3,13 Euro). Bei den klassischen Hansaplast-Pflastern als Meterware lag der Aufschlag bei knapp 96 Prozent.
Ähnlich große Differenzen zeigen sich in der Gesichts- und Körperpflege. Für 200 Milliliter Hautklar-Gesichtswasser von Garnier verlangten österreichische Händler:innen im Schnitt 5,86 Euro, in Deutschland waren es 2,67 Euro (+119 %). Die Body-Milk von Sebamed wiederum kostete hierzulande mit 7,45 Euro beinahe doppelt so viel wie im Nachbarland (3,81 Euro), und die Sole-Zahncreme von Weleda war um rund 74 Prozent teurer.
Auch bei klassischen Alltagsprodukten summiert sich der Aufschlag: Tempo-Taschentücher im Pack mit 150 Stück kosteten in Österreich rund 62 Prozent mehr, der Klarspüler von Somat rund 60 Prozent und zehn Gillette-Rasierklingen der Serie Sensor Excel rund 51 Prozent, was in absoluten Zahlen einem Unterschied von mehr als neun Euro entspricht.
Nur wenige Produkte sind hierzulande günstiger
Insgesamt waren 83 der 97 verglichenen Produkte, also rund 86 Prozent, in Österreich teurer als in Deutschland. Lediglich zwölf Artikel waren hierzulande günstiger zu haben, darunter die Kariesschutz-Zahncreme von Elmex, die in Österreich mit durchschnittlich 3,65 Euro um 18,5 Prozent weniger kostete als in Deutschland (4,47 Euro). Auch die o.b.-Tampons Pro Comfort in der Größe normal sowie die Nivea Express Bodylotion waren in Österreich um rund zehn Prozent billiger. Zwei Produkte kosteten in beiden Ländern im Schnitt exakt gleich viel.
Aufschlussreich ist zudem der Vergleich der Vertriebskanäle innerhalb der beiden Länder: Jene 89 Drogerieprodukte, die in Österreich sowohl im Drogeriefachhandel als auch im Supermarkt erhältlich waren, kosteten in den Supermärkten durchschnittlich um 11,6 Prozent mehr. In Deutschland lag dieser Unterschied bei 94 vergleichbaren Produkten bei lediglich 0,4 Prozent. Wer hierzulande Shampoo, Duschgel oder Waschmittel im Supermarkt statt in der Drogerie kauft, kann also ordentlich draufzahlen.
AK nimmt den Wirtschaftsminister in die Pflicht
"Unser Preismonitor zeigt: Der Österreich-Aufschlag muss weg! Österreichische Händler:innen können auch wegen territorialer Lieferbeschränkungen nicht uneingeschränkt im EU-Binnenmarkt einkaufen – die Rechnung zahlen dafür die Konsument:innen", erklärt AK-Konsumentenschützerin Gabriele Zgubic.
Auf europäischer Ebene ist das Thema bereits angekommen. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) hatte sich gemeinsam mit Amtskolleg:innen aus sieben weiteren EU-Ländern schon in einem gemeinsamen Schreiben für ein härteres Vorgehen gegen die betroffenen Markenhersteller ausgesprochen. Die EU-Kommission zählt solche Lieferbeschränkungen zu den größten Hindernissen im Binnenmarkt und hatte angekündigt, bis Ende 2026 Instrumente dagegen zu erarbeiten. Nach Berechnungen der Kommission entgehen europäischen Konsument:innen durch die Praxis jährlich Einsparungen von rund 14 Milliarden Euro. Auch Handel und Gewerkschaft haben deshalb bereits gemeinsam ein EU-weites Verbot gefordert (LEADERSNET berichtete).
"Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer muss dranbleiben und gemeinsam mit weiteren Mitgliedstaaten Druck auf die EU-Kommission machen. Wir brauchen rasch wirksame Regeln gegen ungerechtfertigte territoriale Lieferbeschränkungen", appelliert Zgubic abschließend.
Die gesamte Auswertung finden Sie hier.
www.wien.arbeiterkammer.at
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