Mit dem Abschluss der Arbeiten am neuen Staudamm ist beim Ausbau der Kraftwerksgruppe im Kühtai ein wichtiger Meilenstein erreicht. Rund fünf Jahre nach dem Baustart im April 2021 geht das TIWAG-Großprojekt damit in seine letzte Phase. Die Inbetriebnahme des Kraftwerks ist für Herbst 2026 vorgesehen, die offizielle Eröffnung soll 2027 erfolgen. Nach Angaben der TIWAG beläuft sich das Investitionsvolumen auf rund 1,13 Milliarden Euro. Ziel sei es, die Speicherkapazitäten auszubauen, die Energieversorgung unabhängiger zu machen und die Stromerzeugung aus Wasserkraft zu erhöhen.
Symbolischer Abschluss der Bauarbeiten
Anlässlich der Fertigstellung besuchte Tirols Landeshauptmann Anton Mattle die Baustelle und setzte symbolisch den letzten Stein auf die Dammkrone. Er bezeichnete den Ausbau als "Meisterleistung der Ingenieur:innen und ein Meilenstein für die Tiroler Energiewende". Pumpspeicherkraftwerke seien notwendig, um überschüssige Energie aus Wind- und Solaranlagen zu speichern und so Versorgungssicherheit sowie Netzstabilität zu gewährleisten. Zudem sprach sich Mattle dafür aus, bei der Energiespeicherung verstärkt auf heimische Ressourcen und natürliche Gegebenheiten zu setzen.
Millionen Kubikmeter Material verbaut
Für den 113 Meter hohen Steinschüttdamm wurden insgesamt rund 6,9 Millionen Kubikmeter Material eingesetzt. Wie TIWAG-Vorstand Alexander Speckle (Hier geht's zum LEADERSNET-Interview) erläuterte, stammt dieses vollständig aus dem Aushub des Speicherraums beziehungsweise aus dem Tunnelausbruchmaterial. Der neue Speicher verfügt über ein Nutzvolumen von 31 Millionen Kubikmetern und kann rund 100 Millionen Kilowattstunden Energie aufnehmen.
Probebetrieb startet im Herbst
In den kommenden Monaten soll der Speicher schrittweise befüllt werden. Dafür sorgen neben dem natürlichen Zufluss auch eine 25,6 Kilometer lange unterirdische Beileitung, deren Bau bereits im Frühjahr abgeschlossen wurde.
"Damit sind die wesentlichen Bestandteile unseres neuen Kraftwerks fertiggestellt. Im Herbst starten wir bereits mit dem Probebetrieb, die offizielle Eröffnung findet dann 2027 statt", sagt Speckle. Für Interessierte kündigte er außerdem einen Tag der offenen Baustelle am 5. September an.
Mehr Strom und höhere Speicherkapazität
Das neue Kraftwerk soll über eine installierte Leistung von 190 Megawatt verfügen. Laut TIWAG können dadurch jährlich rund 216 Millionen Kilowattstunden zusätzliche erneuerbare Energie erzeugt werden. Gleichzeitig soll die Effizienz der bestehenden Anlagen um rund 15 Millionen Kilowattstunden pro Jahr steigen. Durch den Ausbau erhöht sich das zusätzliche Speichervolumen um rund 50 Prozent, wodurch die Flexibilität des Gesamtsystems verbessert werde. Nach Angaben des Unternehmens könnten dadurch jährlich rund 127.000 Tonnen CO₂ eingespart werden.
Begleitmaßnahmen für Natur und Landschaft
Parallel zum Kraftwerksausbau wurden zudem umfangreiche ökologische Maßnahmen umgesetzt, so das Unternehmen. So seien Flussabschnitte am Inn und an der Ötztaler Ache renaturiert, natürliche Flussdynamiken wiederhergestellt und neue Seitenarme geschaffen worden. Darüber hinaus entstanden Amphibienbiotope, Feuchtlebensräume und wiederhergestellte Moorflächen. Ergänzend dazu seien Aufforstungen sowie weitere Maßnahmen zur Stärkung von Alm- und Waldflächen umgesetzt worden.
Investition mit wirtschaftlicher Bedeutung
Mit dem Projekt verbindet die TIWAG auch wirtschaftliche Ziele. Vorstand Michael Kraxner erklärte, das Unternehmen werde "in den nächsten Jahren rund 2,5 Milliarden Euro für mehr Eigenversorgung und weniger Abhängigkeit von Öl und Gas" investieren. Die TIWAG leiste damit nicht nur einen Beitrag zur Energiewende, sondern sei auch ein wichtiger Faktor für Wertschöpfung und Beschäftigung in Tirol.
www.tiwag.at
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