Bank Austria Einkaufsmanagerindex
Österreichs Industrie bleibt dank Lageraufbau auf Wachstumskurs

| Redaktion 
| 28.06.2026

Während höhere Vorratsbestände die Produktion weiterhin stützen, belasten eine schwächere Auftragslage, anhaltende Unsicherheiten und ein weiterer Beschäftigungsabbau die Entwicklung. 

Die österreichische Industrie hat ihr moderates Wachstum zum Ende des zweiten Quartals fortgesetzt. Der UniCredit Bank Austria Einkaufsmanagerindex erreichte im Juni 50,9 Punkte und lag damit weiterhin über der Marke von 50 Punkten, die eine Expansion signalisiert. Gegenüber Mai verlor der Indikator allerdings 0,8 Punkte und deutet damit auf eine abgeschwächte Dynamik hin.

"Auch die Einschätzung der Betriebe über die zukünftige Geschäftsentwicklung hat sich zur Jahresmitte deutlich eingetrübt. Der Index für die Erwartungen über den Geschäftsverlauf der kommenden zwölf Monate sank auf 50,8 Punkte. Das ist der niedrigste Wert seit eineinhalb Jahren und liegt deutlich unter dem langjährigen Durchschnittswert. Die meisten der in die Berechnung einfließenden Rückmeldungen gingen jedoch vor der Unterzeichnung des Rahmenabkommens zur Einstellung der Kampfhandlungen zwischen den USA und dem Iran ein. Eine Entspannung der geopolitischen Lage und damit einhergehend die schrittweise Normalisierung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sollten rasch wieder für mehr Optimismus bei den heimischen Betrieben sorgen", sagte UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer.

UniCredit Bank Austria Einkaufsmanagerindex © S&P Global/UniCredit Bank Austria

"Schrittweise Entspannung"

Nach einem Produktionsplus von drei Prozent im Vorjahr konnte die heimische Sachgütererzeugung auch im ersten Quartal 2026 zulegen. Trotz des Beginns des Iran-Kriegs stieg die Produktion gegenüber dem Vorjahresquartal um 0,8 Prozent. Der durchschnittliche Einkaufsmanagerindex von 51,3 Punkten im zweiten Quartal spricht ebenfalls für eine Fortsetzung des Wachstumskurses.

"Aufgrund des voraussichtlich endgültigen Endes des Iran-Kriegs sollte sich die geopolitische Lage und damit die Lieferkettenproblematik und die Rohstoffpreissituation in Zusammenhang mit der Blockade der Straße von Hormus in der zweiten Jahreshälfte schrittweise entspannen. Die Industriekonjunktur dürfte davon profitieren und die bislang sehr moderate Erholungstendenz in den kommenden Monaten an Stärke gewinnen. Wir erwarten für das Gesamtjahr 2026 einen Anstieg der realen Industrieproduktion in Österreich von 1,5 Prozent", so Bruckbauer.

Schwächere Nachfrage bremst Produktion

Obwohl die Industriebetriebe ihre Produktion auch im Juni ausweiteten, fiel das Wachstum geringer aus als im Vormonat. Der Produktionsindex ging auf 50,6 Punkte zurück. Verantwortlich dafür war vor allem die rückläufige Auftragslage.

Die Produktionssteigerung war erneut vor allem auf den Aufbau von Materialreserven zurückzuführen. Unternehmen sicherten sich damit gegen mögliche Lieferausfälle und Rohstoffengpässe infolge gestörter Lieferketten ab. Gleichzeitig nahm die Nachfrage spürbar ab. Sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland gingen weniger neue Aufträge ein als noch im Mai, so der Experte. Der Index für die Neuaufträge sank auf 48,5 Punkte und erreichte damit den niedrigsten Stand seit Jänner. Der Exportauftragsindex lag mit 48,9 Punkten nur geringfügig höher.

"Die Ausweitung der Produktion war erneut eine Folge des Aufbaus von Lagerbeständen, um auf Lieferausfälle und Rohstoffengpässe aufgrund von Störungen der Lieferketten durch den Iran-Krieg vorbereitet zu sein. Obwohl es deshalb zu Vorzieheffekten kam, nahm das Neugeschäft deutlich ab. Die Aufträge aus dem Inland gingen stärker als im Vormonat zurück und auch die Exportnachfrage, die im Mai noch zugelegt hatte, ließ nach", meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

Personalabbau hält an

Die schwächere Nachfrage und die anhaltenden Unsicherheiten führten auch im Juni zu einem weiteren Rückgang der Beschäftigung in der Industrie. Der Beschäftigungsindex fiel auf 45,6 Punkte und erreichte damit den niedrigsten Stand seit vier Monaten. Damit setzt sich der Personalabbau fort, der mittlerweile seit drei Jahren anhält.

Parallel dazu stieg die Zahl der Arbeitslosen in der Sachgütererzeugung auf knapp 29.000. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote lag bei 4,4 Prozent. Sie blieb damit zwar deutlich unter jener der Gesamtwirtschaft von 7,6 Prozent, überschritt den Tiefstwert von Anfang 2023 jedoch um 1,4 Prozentpunkte beziehungsweise 45 Prozent.

"In den kommenden Monaten sollte sich angesichts der herausfordernden Rahmenbedingungen der leichte Aufwärtstrend der Arbeitslosenquote noch fortsetzen. Wir gehen von einem Anstieg der Arbeitslosenquote in der heimischen Sachgütererzeugung auf 4,5 Prozent im Jahresdurchschnitt 2026 aus, nach 4,3 Prozent im Jahr 2025", so Pudschedl.

Trotz des weiteren Stellenabbaus nahm die Produktion leicht zu. Das deutet nach Einschätzung der Bank auf eine weitere Verbesserung der Arbeitsproduktivität hin. Dieser Trend hält nach den Einbußen während der Corona-Pandemie mittlerweile seit fast zweieinhalb Jahren an.

UniCredit Bank Austria Einkaufsmanagerindex und Teilindizes © S&P Global/UniCredit Bank Austria

Versorgungssicherheit bleibt im Fokus

Die Lieferzeiten verlängerten sich im Juni erneut, allerdings weniger stark als in den beiden Monaten zuvor. Dennoch stockten die Industriebetriebe ihre Einkäufe bereits den vierten Monat in Folge auf. Ziel war es weiterhin, sich gegen mögliche Unterbrechungen der Lieferketten und steigende Rohstoffpreise abzusichern.

Entsprechend wurden die Bestände an Rohstoffen und Vormaterialien den dritten Monat in Folge erhöht, wenn auch nicht mehr im gleichen Ausmaß wie zuletzt. Gleichzeitig gingen die Lagerbestände an Fertigwaren erstmals seit neun Monaten zurück, so die Experten. 

"Während die Lager an Vormaterialien und Rohstoffe im Juni erneut leicht aufgebaut wurden, sanken erstmals seit neun Monaten die Bestände in den Fertigwarenlagern. Was üblicherweise auf eine gute Konjunktur mit starker Kundennachfrage hindeutet, ist in der aktuellen Situation, die von einer rückläufigen Auftragsentwicklung geprägt ist, als eine Folge der andauernden Lieferstörungen zu verstehen", so Pudschedl.

Geringerer Preisdruck durch niedrigere Energiekosten

Mit dem deutlichen Rückgang des Rohölpreises um mehr als 15 Prozent gegenüber dem Vormonat schwächte sich der Kostenauftrieb im Juni erstmals spürbar ab. Vor allem niedrigere Treibstoffpreise wirkten dämpfend auf die Einkaufskosten. Dennoch blieb das Preisniveau hoch. Der Index für die Einkaufspreise lag mit 77,7 Punkten weiterhin deutlich über dem Niveau vor Ausbruch des Iran-Kriegs.

Auch die Verkaufspreise stiegen langsamer als zuletzt. Die Unternehmen konnten die höheren Kosten jedoch erneut nur teilweise an ihre Kund:innen weitergeben, sodass sich die Ertragssituation voraussichtlich weiter verschlechterte.

"Der Anstieg der Verkaufspreise verlangsamte sich im Juni ungefähr im gleichen Ausmaß wie jener der Einkaufspreise, war jedoch insgesamt erneut deutlich geringer als die Kostendynamik in der heimischen Industrie", meint Pudschedl und ergänzt abschließend: "Offenbar können die Betriebe die Kostensteigerungen aufgrund der schwachen Nachfrage nicht in vollem Umfang an die Kund:innen weiterreichen, sodass sich die Ertragslage im Durchschnitt erneut etwas verschlechtert haben dürfte, was in den vergangenen zwei Jahren bis auf zwei Monate stets der Fall war."

www.bankaustria.at

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