Nicht-finanzielle Unternehmen in der EU-27 haben laut Crif in den vergangenen Jahren mehrere wirtschaftliche und geopolitische Krisenphasen bewältigt. Dazu zählen die Nachwirkungen der COVID-19-Pandemie, Inflationsschübe, Lieferkettenstörungen sowie geopolitische Spannungen.
Die Analyse zeigt, dass sich das Kreditrisikoprofil zwischen 2022 und 2024 insgesamt stabil entwickelt hat. Rund 52 Prozent der Unternehmen wurden in diesem Zeitraum der Kategorie "sicher" zugeordnet, während lediglich etwa 13 Prozent ein erhöhtes Risikoprofil aufwiesen.
Damit bestätigt sich laut Crif eine grundsätzlich hohe Anpassungsfähigkeit der europäischen Unternehmenslandschaft.
Stabilität unter Druck wachsender Unsicherheiten
Trotz der stabilen Ausgangslage werde das Umfeld zunehmend anspruchsvoller. Crif beschreibt ein wirtschaftliches Klima, das durch schwächere makroökonomische Rahmenbedingungen und geopolitische Unsicherheiten geprägt ist. Laut Crif habe sich das Umfeld "grundlegend verändert" und vor allem externe geopolitische Ereignisse hätten Auswirkungen auf Energiepreise, Transport und Lieferketten.
Crif Präsident und CEO Carlo Gherardi betonte in diesem Zusammenhang: "Nach einem starken Umsatzwachstum im Jahr 2022 haben sich die Wachstumsraten in der Europäischen Union 2024 mit durchschnittlich rund vier Prozent allmählich stabilisiert." Weiter führte er aus, dass geopolitische Entwicklungen zunehmend eine zentrale Rolle für Kreditentscheidungen spielen würden. Zudem erklärte er: "Crif hat daher fortschrittliche Analysetools entwickelt, die es Finanzinstitutionen und Banken ermöglichen, diese aufkommenden geopolitischen Risikofaktoren in ihre Kreditentscheidungen zu integrieren."
Geopolitik wird zum zentralen Risikofaktor
Die Analyse zeigt, dass geopolitische Risiken stärker in den Mittelpunkt der Kreditentwicklung rücken. Besonders Konflikte im Nahen Osten wirken sich laut Crif auf Energiepreise, Produktionskosten und Lieferketten aus.
Im Basisszenario erwartet Crif für 2026 ein moderates BIP-Wachstum von rund einem Prozent in der EU-27 sowie eine Inflation von etwa drei Prozent. Im Negativszenario könnte das Wachstum jedoch nahezu stagnieren, während die Inflation auf rund fünf Prozent steigt. Es werde davon ausgegangen, dass insbesondere die Dauer geopolitischer Spannungen entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung in Europa sein werde.
Ausfallraten steigen bis 2027
Laut Crif dürfte sich die Risikosituation in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Für 2026 wird im Basisszenario ein Anstieg der 1-Jahres-Ausfallrate auf 0,48 Prozent erwartet, im Negativszenario auf 0,58 Prozent. Für 2027 prognostiziert Crif Werte von 0,55 Prozent beziehungsweise bis zu 0,71 Prozent.
Damit würde sich das Kreditumfeld zwar graduell verschlechtern, jedoch weiterhin auf vergleichsweise niedrigem Niveau bewegen.
Sektorale Unterschiede deutlich sichtbar
Die Analyse zeigt erhebliche Unterschiede zwischen den Branchen. Der Bereich Bau und Immobilien gelte als besonders anfällig. Nur 44 Prozent der Unternehmen werden dort als kreditwürdig eingestuft, während 18 Prozent als risikobehaftet gelten.
Auch die prognostizierten Ausfallraten liegen deutlich über dem Durchschnitt und könnten im Negativszenario bis auf 0,82 Prozent steigen. Demgegenüber weist der Bereich Landwirtschaft sowie Lebensmittel und Getränke das stabilste Profil auf, mit einem vergleichsweise hohen Anteil sicherer Unternehmen.
Industrie und Handel unter zunehmendem Druck
Industrie und Handel zeigen laut Crif erste deutliche Belastungssignale. Das industrielle Umsatzwachstum lag 2024 deutlich unter dem EU-Durchschnitt, während auch der EBIT-Trend rückläufig war.
Der Industriesektor sei laut Luca D'Amico, CEO von Crif Ratings, durch "intensiven Wettbewerb, gedrosselte Binnennachfrage" sowie Lieferkettenprobleme belastet. Zudem werde erwartet, dass internationale Spannungen die ohnehin angespannte Situation weiter verschärfen könnten.
Stabilität bleibt, Risiko nimmt zu
Insgesamt zeigt die Analyse ein Bild widerstandsfähiger europäischer Unternehmen, deren Fundament weiterhin solide ist. Gleichzeitig nehmen externe Risiken zu, insbesondere durch geopolitische Entwicklungen und makroökonomische Unsicherheiten.
Die kommenden Jahre dürften daher stärker von selektiveren Kreditbedingungen und einer erhöhten Risikosensibilität im europäischen Unternehmenssektor geprägt sein, so die Experten abschließend.
www.crif.at
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