Branche fordert mehr Tempo
Über 250 Branchenexperten diskutieren Zukunft der Abfall-und Ressourcenwirtschaft

| Janet Teplik 
| 24.06.2026

Beim Gipfeltreffen der österreichischen Ressourcenwirtschaft in Lech am Arlberg drehte sich alles um die Zukunft der Kreislaufwirtschaft. 

Bei ihrer Jahrestagung in Lech am Arlberg forderten die österreichische Abfallwirtschaft und Klimaexperte Andreas Jäger eine raschere Umsetzung bereits existierender Konzepte. Die Branche besitzt das Know-how und die Infrastruktur, um Abfälle im großen Stil in wertvolle Ressourcen für die heimische Industrie zu verwandeln. Rechtliche und politische Hürden bremsen dieses Potenzial jedoch massiv aus.

Hürden für recycelte Rohstoffe abbauen

Gabriele Jüly, Präsidentin des Verbands Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB), nennt ein konkretes Beispiel: "Noch immer werden recycelte Materialien gegenüber primären Rohstoffen in vielen Bereichen – etwas beim Transport oder der Verbringung ins Ausland – rechtlich benachteiligt, obwohl ihr Einsatz in der Produktion unsere Ressourcen schont, weniger Emissionen verursacht und die Abhängigkeit von Rohstoffimporten verringert." 

Industrie resilienter machen

Laut Katharina Rogenhofer, Vorständin des Kontext Instituts, sichert die Kreislaufwirtschaft die Zukunft der heimischen Industrie. In ihrem Vortrag "Kreislaufwirtschaft: Pulsgeber für Österreichs Wohlstand und Sicherheit" zeigte sie auf, dass die Abfallwirtschaft längst zum wertvollen Rohstofflieferanten geworden ist. "Die Abfallwirtschaft ist eine unerschöpfliche Materialquelle in der Wertschöpfungskette. Sie liefert kostbare Wertstoffe, die Österreichs Wirtschaft für eine sichere Produktion, geringere Abhängigkeiten und künftigen Wohlstand braucht", so Rogenhofer. "Damit das gelingt, muss allerdings das Abfallrecht reformiert werden, um die rechtliche und wirtschaftliche Gleichstellung von Sekundärrohstoffen gegenüber Primärmaterialien sicherzustellen."

Konkret verlangt die Expertin eine gesetzliche Recycling-Mindestquote zur Stärkung des Marktes sowie die Beibehaltung der CO₂-Bepreisung, um faire Wettbewerbsbedingungen für nachhaltige Produkte zu schaffen.

Handlungsfähig bleiben

Die Abfall- und Ressourcenwirtschaft steht vor tiefgreifenden Veränderungen: Neue Vorschriften, unsichere Lieferketten, höhere Qualitätsvorgaben und die steigende Nachfrage nach Sekundärrohstoffen fordern die Branche heraus. In seiner Keynote "Sicher entscheiden" zeigte der ehemalige FIFA-Schiedsrichter und dreifache "Weltschiedsrichter des Jahres", Markus Merk, wie wichtig die Bereitschaft zur Verantwortung in solchen Phasen ist.

Er erklärte, worauf es ankommt, wenn Entscheidungen unter Druck, mit hoher Geschwindigkeit und großer Tragweite getroffen werden müssen. "Sicher entscheiden heißt nicht, immer sofort alles zu wissen – sondern unter Druck handlungsfähig zu bleiben und Entscheidungen nachvollziehbar zu machen", so Merk.

Wissen, was zu tun ist

In seinem Impulsreferat "Good News: Warum wir doch die Kurve kratzen" betonte ORF-Klimaexperte Andreas Jäger, dass der Schlüssel im raschen und entschlossenen Handeln liegt. Seines Erachtens bedeutet Klimaschutz keinen Verzicht, sondern bringt einen klaren Gewinn für Wirtschaft, Gesellschaft und zukünftige Generationen. "Die gute Nachricht ist: Wir wissen, was zu tun ist – und vieles davon funktioniert bereits. Jetzt geht es darum, das Tempo zu erhöhen und die Kurve tatsächlich zu kratzen", so Jäger.

Die Tagung wurde durch weitere namhafte Beiträge bereichert, darunter von Landesrat Christian Gantner, VOEB-Regionalvorstand Reinhard Pierer, ALPLA-Eigentümer Günter Lehner und Elmar Hartmann, dem Präsidenten der Industriellenvereinigung Vorarlberg. Zudem gab es einen personellen Meilenstein: Im Rahmen der Hauptversammlung wurde die niederösterreichische Unternehmerin Gabriele Jüly für eine vierte Amtszeit als VOEB-Präsidentin bestätigt, nachdem sie im Juni 2020 erstmals an die Spitze des Verbands gewählt worden war.

www.voeb.at

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