Der Reiz der "verbotenen Frucht"
Warum geklaute Pommes am besten schmecken

Eine neue Studie zeigt, dass Genuss nicht nur von der Speise selbst abhängt. Auch Nervenkitzel, soziale Regeln und die Art, wie man an das Essen gelangt, können beeinflussen, wie intensiv Geschmack wahrgenommen wird.

Ob im Restaurant, in der Mittagspause im Büro oder im Freibad: Essen wird nicht nur mit dem Gaumen erlebt. Was Menschen schmeckt, hängt auch davon ab, in welcher Stimmung sie sind, wer mit am Tisch sitzt und welche Geschichte mit einem Bissen verbunden ist. Ein Snack kann deshalb plötzlich verlockender wirken, wenn er knapp ist, nicht für einen selbst bestimmt scheint oder nur mit einem kleinen Regelbruch zu haben ist. Genau diesen Zusammenhang hat nun eine Studie von Valentin Skryabin im Fachjournal Food Quality and Preference untersucht. Konkret wollte das Forschungsteam wissen, ob identische Pommes frites anders bewertet werden, wenn sich nicht Rezept, Temperatur oder Portion ändern, sondern lediglich die Art, wie die Testpersonen an das Essen kommen.

Gleiche Pommes, anderes Erlebnis

Für die Untersuchung wurden 120 Teilnehmer:innen mit gleich zubereiteten Pommes-Portionen konfrontiert. Der Unterschied lag nicht im Produkt, sondern im sozialen Rahmen. Einmal wurden die Pommes regulär serviert, einmal von einer anderen Person abgegeben. In zwei weiteren Situationen sollten die Teilnehmer:innen die Pommes heimlich vom Teller einer anderen Person stibitzen – dabei variierte das Risiko, entdeckt zu werden.

Das Ergebnis fiel deutlich aus: Je stärker die Situation als unerlaubt oder riskant erlebt wurde, desto besser bewerteten die Teilnehmer:innen im Anschluss den Geschmack. Besonders in der Variante mit höherem Entdeckungsrisiko schnitten die Pommes geschmacklich klar besser ab als jene, die ganz normal serviert wurden – und zwar um bis zu 40 Prozent. Obwohl die Pommes also objektiv gleich geblieben sind, veränderte sich die Wahrnehmung einzelner Eigenschaften: Die heimlich genommenen Portionen wurden nicht nur als schmackhafter, sondern auch als intensiver, salziger und knuspriger beschrieben.

Warum der Kopf mitisst

Die Forschenden führen den Effekt auf mehrere psychologische Mechanismen zurück. Was nicht frei verfügbar ist oder als verboten gilt, kann subjektiv an Wert gewinnen. Das bekannte Sprichwort von der "verbotenen Frucht" dürfte also auch beim Geschmack eine Rolle spielen. Dazu kommt der Reiz einer kleinen Grenzüberschreitung: Aufregung, Anspannung und ein leichtes Schuldgefühl können das Geschmackserlebnis verstärken.

Als Freibrief für Pommes-Diebstahl taugt die Untersuchung dennoch nicht. Die Tests fanden unter kontrollierten Bedingungen statt, ohne echte Konsequenzen für die Teilnehmer:innen. Im Alltag könnte ein Griff auf den fremden Teller weniger kulinarische Freude auslösen als Ärger am Tisch.

Die gesamte Studie können Sie hier nachlesen.

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