EHL Wiener Wohnungsmarktbericht/Q1 2026
Knappes Wohnungsangebot treibt Preise in Wien weiter nach oben

| Redaktion 
| 07.04.2026

Während die Nachfrage hoch bleibt und die Mieten weiter steigen, führen eingeschränkte Bautätigkeit und unsichere Rahmenbedingungen zu einer zusätzlichen Verschärfung der Situation.

Am Dienstag hat EHL rund um Karina Schunker, Geschäftsführerin der EHL Wohnen, seinen "Wiener Wohnungsmarktbericht" für das erste Quartal 2026 veröffentlicht. Dieser zeigt, dass die Zahl der fertiggestellten Wohnungen in der Bundeshauptstadt zu Jahresbeginn 2026 einen historischen Tiefstand erreicht hat.

Historischer Einbruch bei Neubauten

Besonders deutlich zeigt sich der Rückgang bei frei finanzierten Mietwohnungen: Im Vergleich zu 2024 ist das Angebot um fast 50 Prozent gesunken, gegenüber dem Jahr 2022 sogar um mehr als 60 Prozent.

Fertiggestellte Wohnungen in Wien © Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder der WKO/Exploreal/EHL

Auch im Eigentumssegment setzt sich dieser Trend fort. Die Zahl der Fertigstellungen geht im Jahr 2026 um rund 1.000 Wohnungen zurück und liegt nur noch bei 3.738 Einheiten. Gleichzeitig bleibt das Neubauangebot räumlich stark konzentriert. Neue Projekte entstehen vor allem in großen Stadtentwicklungsgebieten am Stadtrand, insbesondere im 21. und 22. Bezirk.

Nachfrage bleibt auf hohem Niveau

Der Mietmarkt ist bereits seit zwei Jahren von einem Nachfrageüberhang geprägt, der sich zu Jahresbeginn 2026 weiter verstärkt hat. Wohnungen werden häufig ohne Leerstandszeiten unmittelbar weitervermietet.

Das eingeschränkte Angebot führt dazu, dass Vermieter:innen zunehmend aus mehreren Interessent:innen auswählen können. Gleichzeitig kommen weniger Bestandswohnungen auf den Markt, da ein Wohnungswechsel oft mit deutlich höheren Kosten verbunden ist.

Mietniveau in Wien (in Euro/Quadratmeter) © EHL 

Mieten steigen über Inflationsrate

Die Mieten steigen als Folge der Angebotsverknappung in allen Lagen und Segmenten über der Inflationsrate. Gleichzeitig werden Unterschiede zwischen den Lagen tendenziell geringer.

Die in der Presseaussendung dargestellten Werte zeigen Mietniveaus je nach Bezirk zwischen 11,90 Euro pro Quadratmeter und 17,50 Euro pro Quadratmeter.

Eigentum gewinnt an Attraktivität

Das gestiegene Mietniveau führt zu einem höheren Interesse an Eigentumswohnungen. Gleichzeitig bleibt die Finanzierung eine zentrale Herausforderung, da Banken weiterhin restriktiv agieren.

Die Preise für Eigentumswohnungen zeigen ebenfalls eine Aufwärtsentwicklung. Laut der Grafik bewegen sich die Werte je nach Lage und Zustand zwischen rund 3.750 Euro und 8.700 Euro pro Quadratmeter.

Preisniveau bei Eigentumswohnungen in Wien (in Euro/Quadratmeter) © EHL

Auch im Bestand steigen die Preise, da die Nachfrage aufgrund des begrenzten Neubauangebots zunimmt.

Anlegerwohnungen mit hoher Nachfrage

Die Nachfrage nach Anlegerwohnungen entwickelt sich besonders dynamisch. Die hohe Nachfrage nach Mietwohnungen führt zu steigenden Anfangsrenditen und einem nahezu verschwundenen Leerstandsrisiko. Bei Zweitvermietungen kann in der Regel zumindest wieder das Niveau der Erstbezugsmieten erreicht werden.

Zurückhaltung bei neuen Projekten

Die Angebotsentwicklung wird zusätzlich durch konjunkturelle und geopolitische Unsicherheiten beeinflusst. Projektentwickler:innen agieren vorsichtig, wodurch es zu Verzögerungen oder Stopps von Projekten kommen kann.

Mögliche Schwankungen bei Energie- und Rohstoffpreisen können die Inflationsentwicklung beeinflussen und damit auch Auswirkungen auf Baukosten haben.

Ausblick bleibt anspruchsvoll

Für das Jahr 2026 wird ein insgesamt stabiles, aber anspruchsvolleres Marktumfeld erwartet. Die Nachfrage nach Wohnraum bleibe hoch, während die konjunkturelle Dynamik moderat sei.

Da Projektentwickler:innen weiterhin selektiv vorgehen, könnten die Fertigstellungszahlen weiter sinken. Dies dürfte die Angebotslücke zusätzlich vergrößern und die Preisentwicklung weiter beeinflussen.

www.ehl.at

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