Gastkommentar von Bettina Fuhrmann
Gutes Finanzwissen allein reicht nicht: Die Kompetenz macht den wesentlichen Unterschied

| Redaktion 
| 29.04.2026

Ein Gastkommentar von Bettina Fuhrmann, Leiterin des WU Kompetenzzentrums für Finanzbildung und Keynote-Speakerin bei der FMVÖ-Recommender-Gala am 6. Mai 2026.

Spätestens seit dem Startschuss für die Nationale Finanzbildungsstrategie für Österreich vor rund fünf Jahren ist klar: Die Finanzbildung der in Österreich lebenden Menschen soll umfassend gefördert werden. Finanzbildung erhält von vielen Seiten Zuspruch, nicht zuletzt von zigtausenden Jugendlichen, die Jahr für Jahr bei der Ö3-Jugendstudie ein starkes Votum für ein eigenes Fach Finanzbildung abgeben. Gleichzeitig zeigen uns internationale Vergleichsstudien, dass das Finanzwissen in Österreich vergleichsweise gut ist und der Großteil der Befragten auch angibt, finanziell gut über die Runden zu kommen. Braucht es daher überhaupt mehr Finanzbildung? Zeigen die Tests nicht ein ausreichend hohes Niveau an Finanzkompetenz? Und welche Bedeutung hat Finanzkompetenz überhaupt?

Finanzkompetenz als Herzstück von Finanzbildung

Finanzbildung ist ein wesentlicher Bestandteil einer umfassenden Wirtschaftsbildung, die für alle – unabhängig von Alter, Beruf und Familienstand – von großer Bedeutung ist. Bereits in frühen Lebensphasen sind viele wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen – vom Konsum über die Wahl von Bildungswegen und Beruf bis hin zur politischen Mitbestimmung durch Wahlen. Im Erwachsenenalter kommen noch weitere wirtschaftliche Herausforderungen hinzu, etwa Haushaltsgründung, Investitionen, Finanzierung, Steuerpflicht und Altersvorsorge. Diese und weitere finanzielle Themen verstehen, reflektieren und kritisch bewerten zu können, ist zentraler Bestandteil von Finanzbildung. Die Kompetenz, finanzielle Problemstellungen auch zielorientiert bearbeiten und verantwortungsvoll bewältigen zu können, ist das Herzstück von Finanzbildung. Eine finanziell kompetente Person denkt und handelt selbstbestimmt und verantwortungsvoll, sie macht sich Abhängigkeiten bewusst und berücksichtigt die gesellschaftlichen Auswirkungen ihrer Entscheidungen.

Finanzwissen als Kern der Finanzkompetenz – wichtig, aber nicht ausreichend

Das Verstehen finanzieller Problemstellungen setzt Finanzwissen voraus. Je umfangreicher und vernetzter dieses Wissen ist, umso besser lassen sich Situationen analysieren. Deshalb bildet Finanzwissen den Kern von Finanzkompetenz. Zwar belegen Untersuchungen der OECD für die Erwachsenen in Österreich ein vergleichsweise hohes Niveau an Finanzwissen. Hohe Lösungsraten gibt es allerdings vorwiegend bei den einfachen Fragen, die im Hinblick auf viele finanzielle Herausforderungen wie Investitions- und Finanzierungsentscheidungen ein (zu) geringes Anforderungsniveau aufweisen. Bei etwas anspruchsvolleren Fragen wie etwa zur Risikodiversifikation und zum Zinseszinseffekt, die aber noch längst kein Expertenwissen darstellen, zeigen sich schon deutliche Wissenslücken bei einem Drittel oder sogar der Hälfte der Befragten. Dabei sind diese Konzepte nicht nur für Kreditentscheidungen wichtig, sondern auch für die langfristige Kapitalanlage und Vorsorgeentscheidungen. Die Forschung zeigt eindeutig: Ein höheres Niveau an Finanzwissen geht mit einem höheren finanziellen Wohlbefinden einher. Das bedeutet, einen Überblick über seine Finanzen zu haben, günstigere Konditionen bei Finanzprodukten zu nutzen und ungünstige zu vermeiden, weniger Schuldenprobleme zu haben und besser für die Zukunft vorzusorgen. Wissen allein macht aber noch nicht kompetent – es braucht (Lern-)Erfahrungen, die das Selbstvertrauen stärken, dass man das Wissen auch erfolgreich umsetzen kann.

Finanzbildungsmaßnahmen wirken

Eine große Anzahl von Studien zeigt, dass viele Finanzbildungsmaßnahmen wirken. Sie belegen nicht nur, dass Finanzwissen durch entsprechende Maßnahmen gefördert werden kann, sondern auch Interesse sowie die Motivation und die Fähigkeiten, sich mit finanziellen Fragen zu beschäftigen und finanzielle Herausforderungen zu meistern. Entsprechende Forschungsergebnisse liegen an der WU zum Beispiel in Bereichen wie dem kompetenten Umgang mit Schulden, Finanzbetrug, Steuern und Kapitalanlage vor. Während die Förderung von Wissen oft bereits mit kurzen Impulsen gelingt, braucht die Entwicklung von Selbstvertrauen und Verhaltensweisen zum bewussten zielorientierten Umgang mit Geld in der Regel einen längeren Zeitraum und mehr geeignete Lernanlässe.

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