In der zweiten Ausstellung nach 2016 zeigt die Mario Mauroner Contemporary erstmals die von Constantin Luser entwickelten Drahtographien, Zeichnungen sowie deren konsequente Fortsetzung in den Raum: filigrane Objekte aus schwarz lackiertem Messing. Diese waren unmittelbar zuvor in seiner großen Personale "Form, Klang & Stille" in der Kunsthalle Mannheim zu sehen.
Constantin Luser, dessen Zeichnungen und "Spiegelbilder" 2025 auch die Salzburger Festspiele in Publikationen vorgestellt haben, konnte als erster österreichischer Künstler im vergangenen Jahr auch in einem der renommiertesten Ausstellungsinstitute der Welt – der Menil Foundation in Houston, Texas – seine Werke in der Ausstellung "What drawing can be" zeigen.
"Meine Arbeiten leben von offenen Formen, Durchblicken, Zwischenräumen und sich ständig ändernden Perspektiven" – dieser Prolog zur Ausstellung ist als Anleitung, mehr noch als Aufforderung an den:die Betrachter:in zu verstehen, mit den fragilen Objekten in Dialog zu treten.

Constantin Luser, U3 "Wave", 2024, Messing schwarz lackiert © Mario Mauroner Contemporary Salzburg
Objekte, die gleichzeitig spielerisch leicht und ernst sind, fantasie- und lustvolle Impromptus – in unaufgeregt aufwendig exakter Präzision materialisiert. Nichts ist endgültig. Alles ist in Bewegung. Durchdringt und verändert sich durch Licht und Schatten. Luftzug und Thermik hauchen ihnen Atem, sanfte Bewegung ein, machen Vibrationen spür- und erlebbar, die sonst verborgen bleiben. Geboren aus der Linie – der Zeichnung – als Bewegung gegen die Schwerkraft werden die Objekte von Constantin Luser zu einem Plädoyer für Resonanz und Zartheit, das Nichteindeutige, das "between". Entstehen, vergehen und verschwinden: "ein Gegenentwurf zur plakativen Eindeutigkeit".
Eine konzeptionelle Ausstellung, die den:die Besucher:in herausfordert, sie sich zu erarbeiten. Die zum aktiven Schauen, Entdecken und Erkennen, nicht nur von Formen animiert, geeignet ist, Gedankenräume zu öffnen. Eine Einladung zum, wie es Antoni Tapies in seiner "Praxis der Kunst" 1967 formulierte: "Sehen lernen – ein Spiel: Ich möchte euch zum Spielen einladen, euch einladen, aufmerksam hinzuschauen... Ich möchte euch einladen, zu denken."
Constantin Luser: "Sowohl die feinen Drahtarbeiten als auch die hier (erstmals gezeigten) Drahtografien lassen sich sehr schwer dokumentieren. Das Seherlebnis vor Ort ist einfach ein völlig anderes als im Katalog oder in einer Abbildung. Das menschliche Auge ist ein viel feinerer Apparat als jede Kamera. Genau diese Dimensionen – der Raum, die Bewegung, die Zwischenräume, die Offenheit der Formen – gehen in der Übermittlung verloren. Das unmittelbare Erlebnis, die zufälligen Momente, die Interaktion mit Raum, Klang und Licht – das kann eine digitale Nachbildung nicht transportieren. Genau diese Nuancen machen das Seherlebnis aus und zeigen, warum der physische Besuch entscheidend ist."

Constantin Luser, Correalistischer Hund, 2024, Lacquered brass © Mario Mauroner Contemporary Salzburg
Über Constantin Luser
Constantin Luser wurde 1976 in Graz geboren. Nach seinem Studium der Konzeptuellen Kunst und Visuellen Medien in Wien wandte sich Constantin Luser der Zeichnung zu, die für ihn das ursprünglichste Medium der Kunst verkörpert.
Mit einer präzisen Linienführung stellt Constantin Luser aus seinen Skizzenbüchern entnommene Bildwelten dar. Die teils bizarren und fantastischen Objekte, Formen und Figuren vernetzt und integriert er in einem komplexen Liniengefüge. Mit seinen sogenannten Raumzeichungen, Skulpturen aus Messingdraht, geht der Künstler noch einen Schritt weiter und übersetzt das zeichnerische Element in die dritte Dimension. Die Schatten der frei im Raum schwebenden Skulpturen werfen wiederum die Zeichnung zurück auf die Wandfläche.
Seit einiger Zeit verwendet Constantin Luser zudem Musikinstrumente, die er verformt, neu zusammensetzt oder erweitert, um seine zeichnerische Welt in einen akustischen Denkraum zu übersetzen, wie z. B. seine in der Plenarlounge des Parlaments in Wien befindliche "Demokratietrompete" oder eine seiner größten Musikskulpturen, der "Vibrosaurier" in der Horten Collection.
Constantin Luser "Fragility as Form"
Bis 2. Mai 2026
Mario Mauroner Contemporary Art
Galerie Salzburg Residenz
Residenzplatz 1, Salzburg
www.galerie-mam.com