Zum zehnjährigen Bestehen hat Raiffeisen Immobilien Österreich (RIÖ) die Entwicklung des Marktes analysiert und gleichzeitig einen Blick nach vorn geworfen. Bei einem Pressegespräch präsentierten die Sprecher Peter Weinberger und Peter Mayr sowohl die wichtigsten Veränderungen der vergangenen Jahre (LEADERSNET berichtete) als auch erwartete Entwicklungen für die Zukunft. Diese sei trotz Herausforderungen auch mit Chancen verbunden. Aus Sicht von Raiffeisen Immobilien werden insbesondere drei Trends die kommenden Jahre prägen.
Demografie und Erbschaften verändern den Markt
Die fortschreitende Alterung der Bevölkerung wirkt sich zunehmend auf den Immobilienmarkt aus. Gleichzeitig steigt die Zahl der Ein-Personen-Haushalte weiter an. Während deren Anteil im Jahr 2015 noch bei 37 Prozent lag, waren es 2024 bereits 39 Prozent. Prognosen zufolge könnte dieser Wert bis 2060 auf 43 Prozent steigen (Quelle: Statistik Austria).
Diese Entwicklung führt zu einer verstärkten Nachfrage nach kleineren Wohneinheiten. Peter Weinberger erläutert: "Künftig werden Best-Ager häufiger als Kund:innen auf dem Immobilienmarkt auftreten. Einerseits als Käufer:innen auf der Suche nach kleineren, altersgerechten, barrierefreien Einheiten. Andererseits als Verkäufer:innen, die sich von zu groß gewordenen Häusern trennen; so diese nicht ohnehin an Familienmitglieder vererbt oder verschenkt werden."
Parallel dazu gewinnt die sogenannte Generation Erben an Bedeutung. Vererbte Immobilien entsprechen häufig nicht mehr den heutigen Anforderungen an Energieeffizienz und Wohnkomfort, weshalb sie vermehrt auf den Markt kommen. Peter Mayr fasst diese Entwicklung zusammen: "Wir werden mehr Best-Ager sehen, die kleine Neubauwohnungen kaufen und viele Jungfamilien, die sich von ererbten Einfamilienhäusern trennen wollen."
Zusätzlich ist mit einer steigenden Nachfrage nach alternativen Wohnformen zu rechnen. Dazu zählen etwa Mehrgenerationen-Wohnen oder Wohngemeinschaften für ältere Menschen. Auch neue Modelle abseits des klassischen Verkaufs gewinnen an Bedeutung, etwa der Immobilienverkauf mit Wohnrecht ("Immobilienverrentung"), der beispielsweise in Frankreich bereits etabliert ist, so die Experten.
Nachhaltigkeit bleibt bestimmender Faktor
Nachhaltigkeit hat sich am österreichischen Immobilienmarkt als langfristiger Trend etabliert. Die Zahl der Haushalte, die Energie mittels Wärmepumpe oder Solaranlage erzeugen, hat sich seit 2016 nahezu verdoppelt, von rund 234.000 auf etwa 592.000 im Jahr 2024 (Quelle: Statistik Austria).
Eine Gallup-Umfrage im Auftrag von Raiffeisen Immobilien Österreich zeigt zudem, dass 66 Prozent der Befragten Wert darauf legen, in einem nachhaltigen Gebäude zu wohnen. Besonders ausgeprägt ist dieses Bedürfnis bei den 20- bis 30-Jährigen. "Nachhaltigkeit ist gekommen, um zu bleiben. Vor allem im Neubausektor sind nachhaltige Heizsysteme und Solaranlagen nicht mehr wegzudenken", betont Weinberger.
Im Kontext einer nachhaltigen Nutzung von Boden und Ressourcen sieht Raiffeisen Immobilien zusätzliches Potenzial in der Weiterentwicklung bestehender Gebäude. Weinberger dazu: "Gerade in einer Zeit, in der der Neubau stagniert, wäre es wichtig, den Fokus auf die Nutzung bestehender Substanz zu lenken."
Sanierung und Nachverdichtung rücken damit stärker in den Mittelpunkt, sind sich die Experten sicher.
Rückkehr zu stabileren Renditen
Der Wohnungsneubau wurde in den Jahren 2019 bis 2022 stark von privaten Investor:innen geprägt, die von niedrigen Zinsen und attraktiven Renditen profitierten. Immobilien wurden dabei häufig als Anlage- und Vorsorgeobjekte erworben und anschließend vermietet.
Für die kommenden Jahre erwartet Raiffeisen Immobilien eine Stabilisierung der Renditen. Diese könnten sich wieder im Bereich von drei bis dreieinhalb Prozent bewegen.
Weinberger erklärt: "Das sind Werte, wie wir sie auch vor den Boomjahren gesehen haben. Da die Immobiliennachfrage, vor allem im Mietsektor, sehr gut ist, können Investor:innen auch wieder mit guten Wertsteigerungen rechnen. Alles in allem also ein guter Zeitpunkt, um in Immobilien anzulegen."
Makler:innen gewinnen an Bedeutung
Wohneigentum bleibt für viele Menschen ein zentrales Lebensziel. Angesichts multipler Krisen dürfte die Bedeutung der eigenen Immobilie als Rückzugsort sogar weiter steigen. Gleichzeitig wächst der Bedarf an professioneller Beratung.
Peter Weinberger und Peter Mayr sehen darin eine steigende Relevanz der Branche: "In stürmischen Zeiten brauchen Menschen einen sicheren Hafen – und eine:n Kapitän:in, die sie dorthin begleiten. Das ist eine Chance für Makler:innen, um mit professionellem Service, Expertise und transparenter Beratung zu punkten."
www.raiffeisen-immobilien.at
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