Laut aktueller IHaM-Studie
Viele Österreicher geben ihr Geld lieber für Urlaub als für Einkäufe aus

Fast zwei Drittel der hiesigen Bevölkerung will im Sommer verreisen. Um sich die Reise leisten zu können, sparen vier von zehn Urlauber:innen im Vorfeld gezielt bei ihren Einkäufen im Einzelhandel. Im Urlaub sitzt das Geldbörserl dann aber wieder lockerer.

Rund zwei Drittel der Österreicher:innen zwischen 16 und 74 Jahren (65%) wollen im heurigen Sommer verreisen. Ein Fünftel (21%) hat bereits gebucht, weitere 44 Prozent befinden sich derzeit noch in der Planungsphase. Dem gegenüber stehen allerdings 17 Prozent, die sich laut eigenen Angaben heuer keinen Sommerurlaub leisten können – in Haushalten mit einem Netto-Haushaltseinkommen von unter 2.000 Euro trifft dies gar auf mehr als ein Drittel zu. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Instituts für Handel, Absatz und Marketing (iHaM) an der Johannes Kepler Universität Linz (JKU).

KI gewinnt als Informationsquelle an Relevanz

Diese hält zudem fest, dass die meisten Urlauber:innen sich die nötigen Informationen vorab meist bei der Familie oder Freund:innen (34%) holen, während sich gerade einmal 18 Prozent im Reisebüro und jeweils 15 Prozent über offizielle Destinationsseiten sowie Bewertungsportale informieren (Mehrfachnennung möglich). Eine wachsende Rolle spielt hierbei auch Künstliche Intelligenz (KI), die von acht Prozent als Informationsquelle für ihren Sommerurlaub verwendet werden – in der Altersgruppe der 16- bis 24-jährigen sind es bereits 22 Prozent.

Österreicher:innen sehnen sich nach Erholung am Strand

Neben einer Auszeit im eigenen Land, den 19 Prozent der Urlauber:innen planen, zieht es 65 Prozent ins europäische Ausland, allen voran an die Mittelmeerküste. Darüber hinaus wollen 16 Prozent eine Fernreise (außerhalb Europas) unternehmen, wobei zwölf Prozent noch planen und erst vier Prozent bereits gebucht haben. Diese Kurzentschlossenheit könnte mit der aktuell angespannten geopolitischen Lage zusammenhängen.

Gefragt nach den Hautmotiven für den diesjährigen Sommerurlaub, geben 47 Prozent an, sich nach Erholung und Strand zu sehnen. Erst mit deutlichem Abstand folgen Kultur- und Städtereisen (12%) und Aktiv- und Sporturlaube (9%). Ebenfalls weniger im Vordergrund stehen die Familie (mehrere Generationen und kinderfreundliche, kurze Wege) sowie Natur und Abenteuer mit gerade einmal jeweils sieben Prozent. 

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"Flug-Scham" für viele Urlauber:innen kein Thema

Besonders häufig reisen die Österreicher:innen im heurigen Sommer mit dem privaten PKW (42%) sowie per Flugzeug (41%) in ihre Zieldestination. Andere Verkehrsmittel wie Bus, Zug, Wohnmobil etc. spielen mit insgesamt 17 Prozent eher eine untergeordnete Rolle.

Obwohl das Flugzeug zu den klimaschädlichsten Fortbewegungsmitteln zählt, herrscht bei den Reisenden allerdings wenig "Flug-Scham": Laut Umfrage ist dies für 38 Prozent überhaupt kein Thema, und weitere 16 Prozent schämen sich nicht, da sie nach eigenen Angaben ohnehin einen freiwilligen Aufpreis aufs Ticket für eine Klimakompensation zahlen. Dem gegenüber steht ein Viertel (25%), das zwar eine gewisse Scham beim Fliegen empfindet, allerdings keine Alternative sieht, da die angestrebte Destination nur per Flugzeug vernünftig erreichbar sei. Und für 21 Prozent sind Flugreisen trotz gefühlter Scham einfach bequemer. 

Österreicher:innen priorisieren Urlaub vor Einkäufen

Die Ausgaben für den heurigen Sommerurlaub sollen laut Umfrage in etwa auf dem Vorjahresniveau liegen. So wollen 58 Prozent gleich viel wie 2025 ausgeben, 26 Prozent (etwas) weniger und 16 Prozent (etwas) mehr. Vor allem einkommensstarke Haushalte wollen mehr ausgeben, während in Haushalten mit geringerem Einkommen beim Urlaub eher gespart wird.

Dahingehend zeigt sich auch heuer ein gewisser "Trade-off" zwischen Einkaufen im Einzelhandel und Urlaubsausgaben. Demnach sind Reisen für 55 Prozent wichtiger als Einkäufe, und 56 Prozent geben ihr Geld lieber für Urlaubsreisen als für Einkäufe aus. Weiters geben 39 Prozent der Urlauber:innen an, bis zu ihrer Reise bei ihren Einkäufen sparen zu wollen. Sobald der Urlaub dann aber beginnt, steigt die Konsumbereitschaft. 

"Liebesbeziehung" zwischen Urlaub und Konsum

"Wirtschaftliche Unsicherheiten und geopolitische Konflikte werden auch heuer zwei Drittel der Österreicher:innen nicht davon abhalten, im Sommer zu verreisen. Unsere Analysen zeigen dabei einmal mehr das typische Muster des sogenannten 'Mental Accountings' (mentale Buchführung) im Konsumverhalten. Während im Alltag – etwa bei Lebensmitteln – oft um jeden Euro gerungen wird, sitzt das Geldbörserl im Urlaub lockerer", ordnet Handelsforscher Ernst Gittenberger die Ergebnisse ein, und erklärt: "Urlaub ist eine emotional besonders aufgeladene Konsumkategorie, bei der viele Haushalte eher bei anderen Ausgaben sparen als bei der Urlaubsreise selbst. Gleichzeitig darf man sich von Durchschnittswerten nicht täuschen lassen: Für einkommensschwächere Haushalte wird eine Urlaubsreise zunehmend zum Luxusgut."

"Für die Freizeit- und Tourismuswirtschaft sind die Ergebnisse durchaus eine gute Nachricht: Trotz wirtschaftlich herausfordernder Zeiten und geopolitischen Konflikten bleibt der Sommerurlaub für viele Konsument:innen ein prioritäres Konsumziel", meint auch Institutsvorstand Christoph Teller. "In der Planungsphase entsteht dabei eine klare Konkurrenz zwischen Urlaubsausgaben und anderen Konsumbereichen, insbesondere dem Einzelhandel. Sobald die Reise jedoch angetreten ist, verwandelt sich diese Konkurrenz häufig wieder in eine Art Liebesbeziehung zwischen Urlaub und Konsum, von der Gastronomie, Freizeitangebote und auch der Handel vor Ort profitieren können. Für den heimischen Tourismus liegt darin durchaus eine Chance: Wenn Konsument:innen bereit sind für Erholung und Horizonterweiterung Geld auszugeben, stellt sich auch die Frage, ob sich diese Nachfrage stärker in Richtung Urlaub in Österreich und damit indirekt auch in Richtung Konsum von 'Made in Austria' lenken lässt."

www.jku.at/iham

Über die Studie

Die Ergebnisse basieren auf einer Online-Befragung im Februar 2026 unter 1.002 Konsument:innen (repräsentativ für die österreichische Bevölkerung 16-74 Jahre) sowie darauf aufbauenden Berechnungen und Analysen des Instituts für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) der Johannes Kepler Universität Linz (JKU). Laut Angaben des Instituts seien die Studien aus Eigenmitteln finanziert (keine Verwendung von Steuergeldern) und daher ergebnisoffen sowie unabhängig von Einflüssen von Interessenvertretungen sowie Unternehmen. Man sei nur der Ethik und den Grundsätzen der Forschung verpflichtet, heißt es.

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Die Ergebnisse basieren auf einer Online-Befragung im Februar 2026 unter 1.002 Konsument:innen (repräsentativ für die österreichische Bevölkerung 16-74 Jahre) sowie darauf aufbauenden Berechnungen und Analysen des Instituts für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) der Johannes Kepler Universität Linz (JKU). Laut Angaben des Instituts seien die Studien aus Eigenmitteln finanziert (keine Verwendung von Steuergeldern) und daher ergebnisoffen sowie unabhängig von Einflüssen von Interessenvertretungen sowie Unternehmen. Man sei nur der Ethik und den Grundsätzen der Forschung verpflichtet, heißt es.

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