Studie zur Chancengleichheit
Jeder Dritte sieht Frauen in Österreich benachteiligt

| Janet Teplik 
| 16.02.2026

Wie steht es wirklich um die Chancengleichheit in Österreich? Eine aktuelle Umfrage unter mehr als 1.000 Jobsuchenden liefert ein ernüchterndes Ergebnis. Besonders bei der Bezahlung und den Aufstiegschancen wird weiterhin eine deutliche Schieflage wahrgenommen.

Obwohl das Thema Gleichstellung seit Jahren ganz oben auf der gesellschaftspolitischen Agenda stehen sollte, klaffen Anspruch und Wirklichkeit in der österreichischen Arbeitswelt offenbar noch immer weit auseinander. Während Unternehmen verstärkt mit Diversität und Inklusion werben, spiegelt die Wahrnehmung der Menschen vor Ort ein anderes Bild wider.

Denn eine aktuelle Erhebung der Jobplattform karriere.at unter mehr als 1.000 Jobsuchenden, die im Vorfeld des Weltfrauentags am 8. März getätigt wurde, zeichnet nun ein deutliches Stimmungsbild: Für über ein Drittel der Befragten ist die volle Gleichberechtigung von Frauen am Arbeitsmarkt nach wie vor nicht erreicht. Eine Skepsis, die Fragen aufwirft – nicht nur für die Politik, sondern vor allem für Arbeitgeber:innen, die im Wettbewerb um die besten Talente bestehen wollen.

Größter Nachteil: Gehalt

Neben der Frage nach der Gleichberechtigung im Arbeitsleben waren Teilnehmerinnen der Umfrage dazu aufgerufen, sich selbst auf einer Skala von eins ("keineswegs gleichberechtigt") bis fünf ("absolut gleichberechtigt") einzuschätzen. Es zeigte sich, dass Frauen sich selbst weniger gleichberechtigt fühlen. So sagten 24 Prozent der User:innen aller Geschlechter aus, Frauen seien "absolut gleichberechtigt". Von 281 Frauen (insgesamt 1.018 Antworten), die sich selbst einschätzten, sahen sich allerdings nur neun Prozent als "absolut gleichberechtigt". 

© karriere.at

Den größten Nachteil gegenüber Männern sahen 38 Prozent beim Gehalt, welches damit das Ranking klar anführt. 16 Prozent meinen zudem, Frauen seien beim Leisten von Care-Arbeit im größten Nachteil (Hier geht's zum Artikel über den Gender Care Gap). Und 14 Prozent sahen eine Benachteiligung beim Übernehmen von Führungspositionen. Weitere 14 Prozent haben die Materie zudem noch nicht durchdrungen und sind davon überzeugt, Frauen würden gar keine Nachteile im Arbeitsleben erfahren.

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Forderung: Gehaltstransparenz

Die Bereinigung der ungleichen Bezahlung von Männern und Frauen, sprich des Gender Pay Gaps (LEADERSNET berichtete) mittels Gehaltstransparenz ist für 33 Prozent der Arbeitnehmerinnen die ansprechendste Maßnahme zur Frauenförderung vonseiten der Arbeitgeber:innen – gleichauf mit Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Weniger beliebt sind hingegen die Bevorzugung von Kandidatinnen bei gleicher Qualifikation sowie die "Frauenquote", welche den Mindestanteil an Frauen in bestimmten (Führungs-)Positionen sicherstellt. 

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"Chancengleichheit und Gleichbehandlung am Arbeitsmarkt sind auch im Jahr 2026 keine Selbstverständlichkeit. Viele Frauen sehen sich mit Herausforderungen und Ungerechtigkeiten konfrontiert, die Männer nie erfahren. Unternehmen sind nicht nur aus moralischer Verpflichtung, sondern auch aus betriebswirtschaftlicher Logik gut beraten, Maßnahmen zur Förderung von Frauen zu setzen und Gleichberechtigung zu fördern. Denn unsere Umfrage zeigt: Hier gibt es aktuell noch Luft nach oben", so Georg Konjovic, CEO bei karriere.at.

www.karriere.at

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