Zollabbau als Wachstumstreiber
Was das EU-Indien-Abkommen Österreichs Wirtschaft bringt

| Tobias Seifried 
| 29.01.2026

Die "Mutter aller Deals" könnte in der heimischen Industrie für Wachstumsimpulse sorgen. Zudem dürfte der Abbau hoher Zölle insbesondere technologieintensive Branchen stärken sowie Wertschöpfung und Beschäftigung erhöhen.

Nach 20 Jahren Verhandlungen wurde am Dienstag das geplante Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Indien fixiert. Nun haben sich Ökonomen der Bank Austria angesehen, wie sich die "Mutter aller Deals" (O-Ton der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen) auf die heimische Konjunktur auswirken könnte. Demnach könnte das Abkommen der österreichischen Industrie spürbare Impulse verleihen. Mit dem Abbau eines Großteils der bestehenden Zölle und handelspolitischen Hürden eröffnen sich neue Exportmöglichkeiten in einem der dynamischsten Wachstumsmärkte weltweit, so die Experten. Indien zählt rund 1,4 Milliarden Einwohner:innen.

Einfuhrzölle belasten österreichische Exporte

Österreich exportierte im Jahr 2024 Waren im Wert von 1,3 Milliarden Euro nach Indien, was einem Anteil von 0,7 Prozent an den gesamten Ausfuhren entspricht. Gleichzeitig belief sich das Importvolumen auf 1,5 Milliarden Euro. Zu den wichtigsten Exportgütern zählen Maschinen, Elektronik sowie synthetische Fasern. Regional lag Oberösterreich mit Exporten im Umfang von 445 Millionen Euro an der Spitze, gefolgt von der Steiermark mit 231 Millionen Euro und Vorarlberg mit 149 Millionen Euro.

Abkommen EU-Indien Effekte AT

Derzeit belasten vergleichsweise hohe indische Einfuhrzölle die österreichischen Exporte. Die durchschnittliche Zollbelastung liegt – gewichtet nach Exportvolumen – bei über 12 Prozent. Besonders betroffen sind die KFZ-Industrie, die Getränkeindustrie sowie Teile des Maschinenbaus. Insgesamt belief sich die Zollbelastung für österreichische Exporte nach Indien im Jahr 2024 auf rund 160 Millionen Euro. Mit dem Abkommen sollen über 90 Prozent dieser Zölle entfallen.

Wer am stärksten profitiert

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria, erklärt: "Das EU-Indien-Abkommen eröffnet der österreichischen Industrie zusätzliche Exportmöglichkeiten und stärkt ihre Position in globalen Wertschöpfungsketten." Der Abbau von Handelshemmnissen sei insbesondere für technologieintensive Branchen von Bedeutung.

Auch Robert Schwarz, Ökonom bei der UniCredit Bank Austria, verweist auf das Potenzial des Abkommens. Indien erhebe im internationalen Vergleich hohe Einfuhrzölle; deren Wegfall wäre für viele heimische Industriebetriebe ein klarer Wachstumsimpuls, so Schwarz.

Abkommen EU-Indien Effekte AT

Besonders profitieren dürften industrieintensive Regionen. Auf Basis von OECD-TiVA-Daten ergibt sich für 2024 eine durch die indische Endnachfrage ausgelöste inländische industrielle Wertschöpfung von rund 650 Millionen Euro – weniger als ein Prozent der gesamten Industriewertschöpfung Österreichs. Oberösterreich generierte davon rund 220 Millionen Euro, die Steiermark etwa 120 Millionen Euro. Relativ zur Wirtschaftsleistung verzeichnet Vorarlberg mit 150 Millionen Euro den stärksten Effekt.

Unter der Annahme einer Verdoppelung der österreichischen Warenausfuhren nach Indien – ein Szenario, das aufgrund sektoraler Stärkefelder als realistisch gilt – könnte die Industriewertschöpfung deutlich steigen. Für Oberösterreich ergäbe sich ein Anstieg auf rund 450 Millionen Euro, für die Steiermark auf etwa 250 Millionen Euro. In die Berechnungen fließen auch internationale Wertschöpfungsketten ein, etwa eine steigende Nachfrage aus Deutschland nach österreichischen Vorleistungsgütern.

Effekte auf Beschäftigung

Neben den Wertschöpfungseffekten sind auch positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt zu erwarten. Derzeit hängen rund 5.000 Industriearbeitsplätze in Österreich direkt von der indischen Nachfrage ab. Bei einer Verdoppelung der Exporte dürfte sich dieser Effekt nahezu verdoppeln. In Oberösterreich werde mit einem Plus von rund 1.800 Industriearbeitsplätzen gerechnet, in der Steiermark mit etwa 1.000, rechnet Schwarz vor. Weitere rund 500 Arbeitsplätze könnten in Vorarlberg, Niederösterreich und Tirol entstehen.

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Abschließend betont Bruckbauer, das Abkommen stelle eine strategische Ergänzung zur bestehenden europäischen Handelspolitik dar und stärke die Position der heimischen Industrie in einem der am schnellsten wachsenden Märkte der Welt.

www.bankaustria.at

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