Weine falsch zertifiziert?
Weingut Cobenzl wehrt sich gegen Biowein-Betrugsvorwurf

| Tobias Seifried 
| 21.01.2026

Dem städtischen Weingut wird vorgeworfen, Teile seiner Rebflächen trotz Bio-Zertifizierung konventionell bewirtschaftet und mit chemischen Hilfsmitteln gepflegt zu haben. Die Stadt Wien beschwichtigt.

Das über die Grenzen Wiens hinaus bekannte Weingut Cobenzl sieht sich derzeit Vorwürfen ausgesetzt, wonach Teile seiner Rebflächen am Bisamberg trotz Bio-Zertifizierung konventionell bewirtschaftet worden seien. Laut einem Kurier-Bericht wurden rund 30 Hektar der insgesamt 60 Hektar großen Anbauflächen mit chemischen Hilfsmitteln gepflegt, was Fragen zu Etikettierung und Transparenz aufwarf. Die Affäre habe nicht nur wirtschaftliche, sondern auch personelle Konsequenzen nach sich gezogen, darunter die Ablöse des langjährigen Betriebsleiters, heißt es im Bericht.

Stadt wehrt sich gegen Vorwürfe

Die Stadt Wien reagierte am Mittwoch auf die Vorwürfe mittels der zuständigen Forst- und Landwirtschaftsabteilung (MA 49). Diese betont, dass die Umstellung eines Teils der Rebflächen am Bisamberg weder verheimlicht noch missbräuchlich kommuniziert worden sei. Aufgrund einer standardmäßigen Qualitätskontrolle war der Einsatz chemischen Düngers nicht auszuschließen. Dieser sei umgehend der Landwirtschaftskammer Wien sowie der Bio-Zertifizierungsstelle gemeldet worden. So konnte demnach sichergestellt werden, dass kein Wein falsch etikettiert oder als Bio-Wein in den Handel gelangt sei.

Zudem stellt die Stadt klar, dass sämtliche Schritte formal korrekt durchgeführt worden seien und die Rückkehr der Flächen in die Bio-Umstellung bereits in Gang sei. "Weine, die derzeit im Handel als Bio deklariert sind, entsprechen den geltenden Richtlinien", heißt es in einer Aussendung  Falschdeklarationen seien nicht bekannt.

Finanzieller Schaden bereits angerichtet

Dennoch dürfte der finanzielle Schaden für das Weingut Cobenzl bereits spürbar sein: Laut Kurier schätzen ihn Expert:innen auf rund eine Million Euro, da Bioweine in der Regel höherpreisig verkauft werden können. Aufgrund der gesetzlichen Umstellungsphase von drei Jahren darf das Weingut erst ab 2028 wieder das Bio-Gütesiegel für die betreffenden Flächen führen. Gleichzeitig sorge dem Bericht zufolge der Fund eines 2024er-Bioweins im Handel für Fragen hinsichtlich möglicher Irreführung der Kund:innen.

Die MA 49 betont jedoch, dass es keinen Etikettenschwindel gegeben habe und sämtliche Weine korrekt deklariert wurden. Dennoch könnte der mediale Wirbel dem Ruf des renommierten Weinguts nachhaltig schaden.

www.weingutcobenzl.at

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