Interview
"Wir wollen uns von der Bubble absetzen"

| Redaktion 
| 25.02.2024

2019 haben Verena Eugster und Patricia Zupan-Eugster das erste Female Future Festival organisiert – in ihrer Heimat, am Bodensee. Inzwischen ist daraus eine Eventreihe entstanden, mit Festivals in Bregenz, München, Zürich und Wien. LEADERSNET sprach mit den beiden Unternehmerinnen über große Namen, die Female-Empowerment-Bubble und ihren Antrieb.

LEADERSNET: 2024 geht es für das Female Future Festival in die sechste Saison. Wenn Sie auf 2019 zurückblicken: Was hat sich seither geändert?

Verena Eugster: Das Wort Female Empowerment ist in der breiten Masse angekommen und junge Frauen wachsen heute mit einem anderen Verständnis auf, wenn sie die (weibliche) Berufswelt betrachten. Was viele nicht wissen: Wir waren echte Vorreiterinnen auf dem Gebiet und definitiv die ersten, die das Thema in der Vielfalt und in der Breite gepusht haben. Wir haben uns bereits 2016 mit dem Thema Female Empowerment beschäftigt, bis wir das Female Future Festival gegründet haben, hat es jedoch gedauert. Heute ist unsere Community die größte im Bereich Female Empowerment in der DACH-Region. Wir rechnen kumuliert mit rund 7.000 Besucher:innen bei unseren Festivals am Bodensee, in München, Zürich und Wien. Die Zahlen sprechen also für sich. Nun wollen wir den nächsten Akzent setzen.

LEADERSNET: Wie gelingt das?

Patricia Zupan-Eugster: ... indem wir für 2024 das Motto "BEcome a leader" ausgewählt haben. Fünf Jahre lang haben wir unser Engagement, unsere Ambitionen und unser Programm dem Thema Female Empowerment, Karriere und Leadership zugeordnet, das wird auch immer Teil unserer Events sein. Aber: Jetzt wollen wir Frauen dazu ermutigen, eine Führungspersönlichkeit zu werden und zu sein. Bedeutet konkret: Unsere Besucherinnen motivieren, unterstützen und supporten, in dem wir ein Großteil des Programms auf das Motto "BEcome a leader" ausrichten.

LEADERSNET: Ihr Wunsch war immer, alle Frauen abzuholen, auch recht niederschwellig. Warum der Wandel?

Patricia Zupan-Eugster: Zum einen ist Zeit vergangen, zum anderen sind die Frauen weiter als noch vor einigen Jahren – viele haben sich weiterentwickelt und sind bereits empowered. Nun braucht es den nächsten Schritt. Ein Vergleich aus dem Sport, den ich gerne ziehe: Frauen starten oft mit einen 5-Kilometer-Lauf, nach vielen Jahren wagen sie sich an den ersten Halbmarathon. Wir geben das Handwerkszeug dazu mit, wie man die Strecke einteilt, welche Zeiten man anvisieren kann und wie man die Ziellinie erreicht. Übertragen auf das Female Future Festival heißt das: die richtigen Tools und -systeme, um eine Führungspersönlichkeit zu werden. Was mir dabei besonders wichtig ist: In unserem Verständnis heißt Führung an erster Stelle und auf jeden Fall Selbstführung. Niemand kann andere führen, wenn er sich selbst nicht zu organisieren und zu motivieren weiß. Wer persönliche und berufliche Ziele erreichen möchte, muss sich selbst reflektieren, Prioritäten setzen und effektiv mit Stress und Herausforderungen umgehen.

Verena Eugster: Bei uns soll sich weiterhin jede Frau wiederfinden, aber wir wollen die Angst, in eine Führungsposition zu gehen, nehmen. Frauen sind brillant in der zweiten Reihe – nicht umsonst sagt man: "Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine erfolgreiche Frau." Frauen müssen das, was sie können, nach außen hin sichtbar machen und Verantwortung übernehmen. Gerade im Familienumfeld sieht man ja, wie hervorragend Frauen alles managen. Wie immer gilt: Erfolg hat drei Buchstaben – T-U-N.

LEADERSNET: Female Empowerment ist derzeit oft dem Vorwurf ausgesetzt, man bewege sich in einer Bubble. Wie wirken Sie dem entgegen?

Patricia Zupan-Eugster: Wir versuchen bewusst, uns von der Bubble abzusetzen. Natürlich haben auch wir die ganz großen Namen auf der Bühne, aber wir stellen ein anderes Programm und ein anderes Setting als der Mainstream an Female-Empowerment-Events auf die Beine, mit ganz viel Liebe zum Details. Das bestätigen uns übrigens auch die Teilnehmerinnen, die die Festivals besuchen. Wir haben zum Beispiel 5-Minuten-Keynotes, einen Generationentalk und viele kleine, neue Formate, damit jeder den maximalen Input mitnehmen kann und außerhalb des Festivals über seine Komfortzone hinauswachsen kann. Aber – natürlich – am eigenen Event, dem Programm und dem Setting zu arbeiten, ist ein stetiger Prozess.

Verena Eugster: Wir challengen uns immer wieder aufs Neue. Die Bubble ist aus unserer Sicht übrigens erst entstanden, das war nicht immer so. Und eine Bubble an sich ist gut, weil es zeigt, dass der Fokus auf dem Thema liegt. Trotzdem braucht es auch andere, kritische Gespräche und Ansätze, um der Bubble entgegenzuwirken.

LEADERSNET: Welche großen Namen können Sie für 2024 verkünden?

Patricia Zupan-Eugster: Wir freuen uns in München auf Tina Müller und Kati Ernst sowie auf Lena Hoschek in Bregenz. Sara Nuru haben wir als sehr authentische und reflektierte Person beim Festival im Frühjahr 2023 am Bodensee kennengelernt, nun holen wir sie nach Zürich. Haya Molcho, die Empowerment schon vor 20 Jahren gelebt hat, sind weitere Namen, auf die sich die Besucherinnen freuen dürfen.

LEADERSNET: Wie viel ist das Female Future Festival für Sie Herzensangelegenheit, wie viel Business?

Verena Eugster: Egal, welches Event wir an den Start gebracht haben, es war immer viel Leidenschaft dabei. Wir machen nicht nur Events, wir verändern die Gesellschaft – das ist unser Antrieb. Wären wir mit diesem Einsatz und mit dieser Stundenzahl in einer Festanstellung, hätten wir monetär mehr Geld, aber das würde uns nicht glücklich machen. Aber natürlich, so sehr wir für das Thema brennen, wir müssen damit Geld verdienen, Miete für das Büro bezahlen, jeden Monat die Gehälter für unsere Mitarbeiterinnen auf den Weg bringen. Am Ende des Tages müssen die Zahlen passen.

LEADERSNET: Sicher ein Spagat?

Patricia Zupan-Eugster: Ja! Und mit ein Grund, warum wir das Female Future Festival zu einer 360-Grad-Marke ausbauen. Nur zwei Beispiele aus 2023: Unser Podcast Future Minds, der auf Spotify zu hören ist, und unser Shop mit Produkten rund um den Slogan "Woman on a mission".

www.female-future.com

Festival-Termine 2024

  • Female Future Festival Munich: 18. April
  • Female Future Festival Bodensee: 25. April
  • Female Future Festival Zurich: 20. Juni
  • Female Future Festival Vienna: 10. Oktober

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  • Female Future Festival Munich: 18. April
  • Female Future Festival Bodensee: 25. April
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