Digitale Kompetenzen und die Anpassungsfähigkeit an immer wieder neue Technologien, Programme und Anwendungen spielen am Arbeitsmarkt mittlerweile eine Schlüsselrolle. Im Forschungsprojekt Gender Gap 4.0 ermittelte ein Team der FH Wiener Neustadt, durch welche Faktoren Frauen beim Erlernen dieser essentiellen Fähigkeiten benachteiligt werden und welche Konzepte es braucht, um diesen Missstand zu beseitigen.
"Digitale Kompetenzen werden nach wie vor Männern häufiger zugeschrieben als Frauen. So entsteht eine systematische Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt", so Karin Wegenstein, die sich das Phänomen mit ihrem Team im Projekt Gender Gap 4.0 genauer angesehen hat.
Bereichsübergreifendes Problem
Das Forschungsprojekt ermittelte die Barrieren, die den Zugang zu digitalen Kompetenzen insbesondere für Frauen erschweren. Zu diesem Zweck wurden zunächst Fokusgruppenerhebungen mit Arbeitnehmerinnen in fünf verschiedenen Berufsbereichen durchgeführt: Assistenz und Verwaltung, Personalwesen, Marketing, Einkauf und Logistik sowie Rechnungswesen und Controlling. Anschließend wurden in einer niederösterreichweiten Befragung sowohl Frauen als auch Männer dazu befragt, wie sie ihre digitalen Kompetenzen einschätzen und was sie daran hindert, diese auszubilden oder zu vertiefen.
"Dabei geht es um die Anwendung von Programmen, die Verwendung von Geräten und digitalen Technologien, Datenverständnis, die Gestaltungskompetenz von Computerprogrammen und digitalen Umgebungen bis hin zu Programmierkompetenzen sowie Evaluations- und Entscheidungskompetenzen hinsichtlich des Einsatzes digitaler Lösungen. Auch Kenntnisse des Datenschutzes und das Einhalten, Setzen und Gestalten von Maßnahmen zur Datensicherheit gehören zu den digitalen Kompetenzen, die heute an Bedeutung zunehmen", erklärt Wegenstein.
Was es braucht
Die Forschungsergebnisse würden zeigen, dass sich Frauen im Schnitt weniger digitale Kompetenzen zutrauen als Männer und dass diese im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen mit deutlich mehr Barrieren beim Zugang zu digitalen Kompetenzen und entsprechenden Weiterbildungsangeboten konfrontiert sind. Dazu zählen soziale Barrieren: Oft würden digitale Kompetenzen Frauen nicht zugetraut, es werde ihnen das technische Verständnis abgesprochen und es fehle an weiblichen Role Models. Das fehlende Selbstvertrauen bei Frauen werde durch das soziale Umfeld also noch verstärkt.
"Um weitere Fortschritte hinsichtlich der Gleichstellung der Geschlechter am Arbeitsmarkt zu erzielen, ist eine gezielte Förderung von Frauen beim digitalen Kompetenzerwerb unerlässlich", kommentiert die wissenschaftliche Leiterin des Forschungsprojektes abschließend.
www.fhwn.ac.at
Kommentar veröffentlichen