"Alles kann von Parasiten befallen sein"

Professor Herber Auer bietet Beratung und Hilfe bei Parasitenbefall. In der LEADERSNET-Interviewserie der Ingenieurbüros der Wirtschaftskammer Niederösterreich gibt er Einblicke in das spezielle Tätigkeitsfeld und das sehr breite klinische Spektrum.  

Der Leitsatz der Fachgruppe Ingenieurbüros der Wirtschaftskammer Niederösterreich lautet "Der Ingenieur – ein Durchblicker". Durchblick ist gerade in Krisenzeiten ein rares Gut und in allen Branchen sehr gefragt. Aus diesem Grund hat LEADERSNET bei ausgewählten Mitgliedern der wohl vielseitigsten Fachgruppe nachgefragt, wie das Handwerk der Ingenieurszunft eigentlich funktioniert. Wenn man an Ingenieurbüros denkt, dann fallen unter anderem Fachgebiete wie Maschinenbau, Elektrotechnik und Innenarchitektur ein. Daher ist es umso überraschender, dass auch die Parasitologie zu dem weiten Spektrum der Ingenieurbüros gezählt werden kann. 

LEADERSNET: "Der Ingenieur – ein Durchblicker", so lautet das Motto der Niederösterreichischen Ingenieurbüros. Welche Bedeutung hat dieses für Sie?

Auer: Die Möglichkeit, Menschen mitzuteilen, dass es auch in Österreich Experten auf dem Gebiet der Medizinischen Parasitologie gibt, die im Falle von Infektionen bzw. Krankheiten, die von Parasiten (im engeren Sinn) verursacht werden oder möglicherweise durch Parasiten entstanden sind, bei der Diagnosestellung und auch beim therapeutischen Procedere behilflich zu sein.

LEADERSNET: Ihr Werdegang führte Sie von der Philosophie über das Klinische Institut für Hygiene bis zum Tropenkurs. Was hat Sie dazu geführt, diesen eher ungewöhnlichen Weg einzuschlagen?

Auer: Das Wort Philosophie ist diesem Falle etwas irreführend. Ich habe im Jahre 1971 mein Biologiestudium (Zoologie, Botanik, Limnologie) in Innsbruck begonnen. Zur damaligen Zeit war die Biologie als Teilgebiet der Naturwissenschaft noch der philosophischen Fakultät zugeordnet; daher der Titel Dr. phil. Meine Dissertation beschäftigte sich unter anderem auch mit dem Parasitenbefall von bestimmten Fischarten im Piburger See, der am Beginn des Ötztales (Tirol) gelegen ist.
Ich wurde von Univ.-Prof. Dr. Horst Aspöck, dem damaligen Leiter der Abteilung für Medizinische Parasitologie des Klinischen Instituts für Hygiene (damaliger Vorstand: Univ.-Prof. Dr. Heinz Flamm) der Universität Wien geholt, wo ich zuerst als Universitätsassistent gearbeitet habe und in Forschung, Lehre und Diagnostik meine ersten wissenschaftlichen Sporen verdient habe.

LEADERSNET: Was hat Sie nach Holland gebracht?

Auer: In dieser Zeit habe ich u. a. auch ein medizinisches Stipendium des Europarates bekommen, das ich im Institut für Volksgesundheit und Umwelthygiene in Bilthoven/Niederlande absolviert habe. Auch in Hamburg am Tropeninstitut (Bernhard-Nocht-Institut) habe ich eine 3-monatige Ausbildung bekommen.

Im Jahre 1990 wurde ich habilitiert (zum Univ.-Dozenten) und habe damit das lebenslängliche Recht des Lehrens für Medizinische Parasitologie erworben. Seit 2004 leite ich – nach der Pensionierung von Prof. Aspöck die Abt. f. Med. Parasitologie, die bis 2009 noch im Hygiene-Institut angesiedelt war. Seit Juni 2009 bin ich mit meiner Abteilung dem Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin zugeordnet worden, wo wir eine sehr kompetente Labordiagnostik weiter aufgebaut und zu einem hohen Standard gebracht haben.

LEADERSNET: Wer sucht bei Ihnen Rat?

Auer: Patienten, die möglicherweise unter Parasitenbefall leiden oder erkrankt sind, die aber niemals zuvor auf Parasiten untersucht worden sind. Auch Ärzte, die im Fachgebiet der Medizinischen Parasitologie nicht so versiert sind, kommen zu mir.

LEADERSNET: Was ist eigentlich unter Parasiten zu verstehen?

Auer: Der Begriff "Parasit" kann folgendermaßen erklärt werden:"Parasit im weiteren Sinne" (sensu lato) beinhaltet Viren, Bakterien und Pilze sowie Parasiten im engeren Sinne (sensu stricto). Das Fachgebiet der Medizinischen Parasitologie beschäftigt sich ausschließlich mit Parasiten sensu stricto, also mit einzelligen Parasiten (z. B. Amöben, Malariaerreger, Toxoplasmen), Würmern (Saugwürmer/Egel, Bandwürmer, Fadenwürmer) und Arthropoden (Gliederfüßler, z. B. Anophelesmücke, Skabieserreger).

LEADERSNET: Wann ist an Parasitenbefall und -Krankheit zu denken?

Auer: Das klinische Spektrum ist sehr breit, da auch so ziemlich alle Organe und Gewebe des Menschen von Parasiten befallen sein können. Es ist natürlich klar, dass z. B. eine Auslandsreise gelegentlich die Gefahr von "Parasitenerwerb" mit sich bringt. Es gibt aber auch in Mitteleuropa zahlreiche Parasiten, die den Menschen befallen und ihn auch krank machen und ihn sogar gelegentlich töten können.

LEADERSNET: Welche Veränderungen in den Ansprüchen ihrer Kunden/Klienten konnten Sie in den letzten Wochen, Stichwort Corona, beobachten, wie haben sich Prioritäten verschoben? Infektiologie und Immunologie zählen ebenfalls zu Ihren Schwerpunkten. Sind Sie auch gegen Covid-19 im Einsatz?

Auer: Ich habe mit Viren und Viruskrankheiten nichts zu tun, Infektiologie und Immunologie haben hingegen ein Schwergewicht in der Medizinischen Parasitologie. Aber gegen Covid 19 bin ich nicht im Einsatz.

LEADERSNET: Die Krise stellt jedes Unternehmen vor Herausforderungen, aber bietet auch Chancen. Wo verorten Sie Chancen für die Ingenieurbüros bzw. Ihre Nische im Speziellen?

Auer: Ich bin nach wie vor als Universitätslehrer tätig (unterrichte Ärzte und Naturwissenschafter), halte Vorträge auf Kongressen und Ärztefortbildungsveranstaltungen und bin auch immer noch in der Diagnostik von Parasitenbefall, vor allem auch in der ständigen Verbesserung von Testmethoden tätig. Zusätzlich habe ich meine private Beratungsstelle.

LEADERSNET: Wie denken Sie, wird sich Ihr Tätigkeitsfeld verändern, wie blicken Sie in die Zukunft?

Auer: Ich werde meinem Beruf und meiner Tätigkeit treu bleiben und mich auch ständig den neuen Untersuchungsmethoden und -erkenntnissen anpassen.

www.ingenieurbueros.at/niederoesterreich.de

www.parasitenberatung.at

"Der Ingenieur ein Durchblicker"

 



WKNÖ Fachgruppen-Obmann Ingenieurbüros KommR. Ing. Helmut Pichl ist es wichtig, die Tätigkeiten von niederösterreichischen Ingenieurbüros der Bevölkerung und den Auftraggebern, näher zu bringen.

Es werden die Leistungen von Referenz-Ingenieuren und deren Projekte vor den Vorhang gebeten werden.

Der NÖ Ingenieur verbindet die Natur des Landes Niederösterreich mit dem Wissen um die beste Technik mit seinem scharfen Durchblick, eben ein Durchblicker.

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