Schon die Einstiegsversion bietet 544 PS und kostet in Österreich ab 112.800 Euro. Die stärkeren Varianten folgen im Frühjahr 2027. Direktgekühlte Batteriezellen sollen hohe Dauerleistung und kurze Ladepausen ermöglichen.
Mercedes-AMG hat erstmals in seiner 59-jährigen Geschichte ein großes SUV von Grund auf selbst entwickelt. Der rein elektrische GT SUV basiert wie das neue GT 4-Türer Coupé auf der Architektur AMG.EA. Mit rund 5,08 Metern Länge und zwei Metern Breite fällt er entsprechend stattlich aus. Trotz Leichtbaumaßnahmen nennt der Hersteller je nach Variante ein fahrfertiges Leergewicht von rund 2,5 bis 2,7 Tonnen.
Der Anspruch reicht vom komfortablen Reisewagen bis zum leistungsstarken Sportgerät. "Der Schlüssel dazu ist High-Tech aus Affalterbach", sagt AMG-Chef Stefan Weckbach. Tatsächlich steckt unter der Karosserie einiges an Technik, das sowohl die Fahrleistungen als auch die Ladezeiten beeinflussen soll.
Zu den Konkurrenten zählen vor allem Porsche Cayenne Electric und Jaguar Type 01 – Bentley Torcal, Rolls Royce Spectre und Ferrari Luce spielen preislich noch einmal in einer anderen Liga.
Der seit 20. Oktober bestellbare GT 53 SUV kostet in Österreich ab 112.800 Euro. Zwei Elektromotoren liefern zusammen 400 kW (544 PS) und 800 Nm Drehmoment. Für den Sprint auf 100 km/h nennt AMG 4,2 Sekunden, die WLTP-Reichweite beträgt je nach Ausstattung bis zu 668 Kilometer.
An der Hinterachse arbeitet ein Zweiganggetriebe: Der kurze erste Gang unterstützt den Antritt, der zweite soll bei höherem Tempo einen effizienteren Betrieb ermöglichen. Der vordere Motor wird bei geringer Last entkoppelt und bei zusätzlichem Leistungs- oder Traktionsbedarf zugeschaltet.
Im Frühjahr 2027 folgen GT 55 und GT 63 SUV. Beide nutzen drei Axialflussmotoren, davon zwei an der Hinterachse. Ihre Spitzenleistungen liegen bei 600 kW (816 PS) beziehungsweise 860 kW (1.169 PS). Das Topmodell erreicht bis zu 2.000 Nm Drehmoment und soll in 2,7 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen. Die ebenfalls beworbenen 2,5 Sekunden gelten mit sogenanntem One-Foot-Rollout, bei dem die erste Wegstrecke nicht mitgemessen wird. Mit Driver’s Package sind maximal 270 km/h möglich.
Laden mit bis zu 710 kW
Ebenso ambitioniert sind die Ladeangaben. Die 800-Volt-Batterien bieten 106 oder 128 kWh nutzbare Kapazität. Ein elektrisch nichtleitendes Öl umströmt die einzelnen Rundzellen direkt. Das soll die Temperatur auch bei wiederholter hoher Leistungsabgabe im passenden Bereich halten.
Mit dem kleineren Akku nennt AMG bis zu 600 kW DC-Ladeleistung und elf Minuten von zehn auf 80 Prozent. Die größere Batterie soll an geeigneter Infrastruktur bis zu 710 kW aufnehmen und denselben Ladehub in zwölf Minuten schaffen. An einer 400-kW-Säule gibt der Hersteller 14 beziehungsweise 16 Minuten an. Bis zu 700 Kilometer WLTP-Reichweite sind mit der großen Batterie angekündigt.
Ein zentraler Kühlkreislauf verteilt die Kühlleistung je nach Bedarf zwischen Batterie, Antrieb und weiteren Komponenten. Das soll sowohl bei hoher Belastung als auch beim Schnellladen helfen. An Wechselstrom bleibt es dagegen bei maximal 11 kW, hier sollten es dem Preis und Anspruch entsprechend serienmäßig 22 kW sein.
Flache Silhouette und aktive Aerodynamik
Breite Schultern, eine breite Spur und eine vergleichsweise flache Dachlinie prägen den Auftritt. Die Batterie ist flach im Fahrzeugboden untergebracht. Das soll einen niedrigen Schwerpunkt und eine sportlichere Sitzposition ermöglichen, ohne das Raumangebot zu stark einzuschränken.
Eine steuerbare Kühlluftzufuhr reduziert den Luftwiderstand, solange keine zusätzliche Kühlung benötigt wird. Oberhalb von 150 km/h passt ein aktiver Dachspoiler die aerodynamische Wirkung an. Optische Akzente setzen eine optional beleuchtete Kühlerverkleidung, Tagfahrlichter im Stern-Design und sechs runde Rückleuchten.
Aufwendiges Fahrwerk für ein schweres SUV
Die Hinterachslenkung ist serienmäßig. Unterhalb von 80 km/h lenken die Hinterräder gegenläufig zu den Vorderrädern ein, darüber gleichsinnig. Das soll beim Rangieren die Handlichkeit und bei höherem Tempo die Stabilität verbessern.
Im GT 63 gehört außerdem das neue Fahrwerk mit Luftfederung und hydraulischer Nick- und Wankstabilisierung zur Ausstattung; beim GT 55 ist es optional. Aktive Hydraulikelemente übernehmen dabei die Aufgaben konventioneller Stabilisatoren und sollen Karosseriebewegungen beim Einlenken, Bremsen und Beschleunigen begrenzen. Carbon-Keramik-Bremsen sind beim GT 63 serienmäßig und beim GT 55 gegen Aufpreis erhältlich.
Innen kombiniert AMG eine tiefe Sitzposition mit einem 14-Zoll-Zentraldisplay, einem 10,2-Zoll-Instrumentenbildschirm und einem separaten Display für die Beifahrerseite. Zusätzlichen Stauraum bietet ein Frunk mit 78 Litern nach VDA-Messung.
Wer akustisch am Verbrenner hängt, kann sich im Fahrprogramm "AMGForce Sport+" V8- beziehungsweise Sechszylinderklänge einspielen lassen. Dazu kommen simulierte Gangwechsel, manuelle Schaltbefehle über Lenkradwippen und Vibrationen im Sitz. Bei GT 55 und GT 63 lassen sich über drei Drehsteller außerdem Ansprechverhalten, Kurvendynamik und Schlupf beeinflussen.
Die technischen Versprechen sind groß. Ob das in Sindelfingen produzierte GT SUV sein Gewicht auch auf kurvigen Straßen überzeugend kaschiert und die kurzen Ladezeiten im Reisealltag erreicht, muss ein Praxistest zeigen.
Bei den Südkoreanern wird das ohnehin sehr umfangreiche SUV-Angebot noch einmal erweitert. Der Newcomer bietet Benzin- und Hybridantriebe. Zu den Besonderheiten zählt ein elektrischer Allradantrieb beim Hybrid.
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