Die britische Luxusmarke erweitert ihr Portfolio um eine vierte Modellreihe. Diese basiert auf derselben Plattform wie der Porsche Cayenne Electric und markiert ein neues Kapitel in der 107-jährigen Unternehmensgeschichte.
Bentley hat am Mittwochabend in London den Torcal enthüllt. Das neue Modell ergänzt Continental GT, Flying Spur und Bentayga als vierte Baureihe im Portfolio und läutet zugleich ein neues Kapitel in der 107-jährigen Geschichte des britischen Luxusautobauers ein. Technisch basiert der erste Stromer der Marke auf derselben Plattform wie der neue Porsche Cayenne Electric (LEADERSNET berichtete).
Bentley nutzt die Konzernbasis allerdings für eine eigenständige Interpretation des elektrischen Luxus-SUV. Im Mittelpunkt stehen dabei hohe Leistung, eine 800-Volt-Architektur, schnelles Laden und eine neue Fahrwerkstechnik. Bentley-CEO Frank-Steffen Walliser bezeichnet den Torcal als "einen der besten Bentleys, den es jemals gab". Das Modell solle zugleich als Blaupause für künftige Fahrzeuge der Marke dienen – unabhängig von deren Antriebsart.
Für den Antrieb sorgen zwei Permanentmagnet-Synchronmotoren. Der Frontmotor arbeitet mit einem offenen Differenzial, an der Hinterachse kommen ein Sperrdifferenzial sowie jeweils eine Lamellenkupplung an den Antriebswellen zum Einsatz.
Zum Marktstart bietet Bentley zwei Versionen an. Das Basismodell leistet 821 PS und stellt maximal 1.194 Newtonmeter bereit. Damit beschleunigt der Torcal in 3,4 Sekunden von null auf 100 km/h und erreicht 250 km/h. Darüber positioniert sich der Torcal S. Bei aktivierter Launch Control stehen 888 PS und 1.350 Newtonmeter zur Verfügung – mehr Drehmoment als bei jedem Bentley zuvor. Tempo 100 ist nach 2,9 Sekunden erreicht, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 260 km/h.
Zum Vergleich: Der Porsche Cayenne Turbo Electric bringt es auf bis zu 1.156 PS - hier kann man also trotz 888 PS von britischem Unterstatement sprechen.
113-kWh-Akku und bis zu 400 kW Ladeleistung
Die Energie liefert eine aus 192 Lithium-Ionen-Pouchzellen bestehende Hochvoltbatterie. Sie verfügt über eine nutzbare Kapazität von 113 kWh und arbeitet mit 800 Volt. Die WLTP-Reichweite gibt Bentley mit bis zu 600 Kilometern an.
Besonders interessant fällt die Ladeleistung aus: An einer entsprechend leistungsfähigen DC-Ladesäule sind bis zu 400 kW möglich. Damit soll sich der Akku in 16 Minuten von zehn auf 80 Prozent laden lassen. Sieben Minuten am Schnelllader sollen für rund 161 Kilometer zusätzliche Reichweite reichen.
Technisch geht Bentley auch beim Fahrwerk neue Wege. Der Torcal erhält als erstes Modell der Marke ein vollaktives Fahrwerk mit adaptiven Zweiventil-Dämpfern. Jeder Dämpfer kann einzeln aktiv angehoben oder abgesenkt werden und reagiert sowohl auf die Fahrbahn als auch auf die Eingaben am Steuer. Konventionelle Stabilisatoren werden dadurch überflüssig.
Serienmäßig ist außerdem eine elektronische Allradlenkung an Bord. Die Hinterräder können um bis zu fünf Grad einschlagen, wodurch sich der Wendekreis des fünf Meter langen SUV auf 11,1 Meter reduziert. Bentley verspricht dabei eine ungewöhnlich große Spreizung zwischen Komfort und Dynamik und zieht selbst den Vergleich: Der Torcal soll sich so komfortabel wie ein Flying Spur und so dynamisch wie ein Continental GT Speed fahren.
Auch bei der Bremsanlage gibt es zwei Ausbaustufen. Serienmäßig kommen Stahlscheiben mit 420 Millimetern Durchmesser vorne und 370 Millimetern hinten zum Einsatz. Optional bietet Bentley eine Carbon-Siliziumkarbid-Anlage mit 440 Millimetern vorne und 410 Millimetern hinten an.
Neuer Auftritt für die Elektro-Ära
Optisch nutzt Bentley den Torcal für die Einführung einer weiterentwickelten Designsprache. Unter Design Director Robin Page entstand ein vergleichsweise flach gezeichneter SUV mit langem Radstand, kurzen Überhängen und einer hohen Front. Zu den auffälligsten Merkmalen zählen die neue Lichtsignatur und ein beleuchteter Kühlergrill im schwebenden Diamantendesign.
Am Heck greift Bentley wiederum ein Gestaltungselement der Studie EXP 15 auf. Gleichzeitig verzichteten die Designer bewusst auf zahlreiche zusätzliche Linien und modellierten insbesondere die hinteren Kotflügel deutlich stärker. Der Torcal trägt zudem als erstes Serienmodell das im Vorjahr vorgestellte neue Bentley-Emblem.
Luxus mit klassischen Bedienelementen
Im Innenraum bleibt Bentley trotz umfangreicher Digitalisierung klassischen Bedienelementen treu. Funktionen, die während der Fahrt intuitiv erreichbar sein sollen, werden weiterhin über physische Schalter an Mittelkonsole und Lenkrad gesteuert. Ergänzt werden sie durch gebogene OLED-Displays und ein Head-up-Display mit Augmented Reality.
Neu entwickelt wurden auch die Sitze. Bereits serienmäßig verfügen sie unter anderem über 16-fache elektrische Verstellung, Heizung, Belüftung und Massagefunktion. Optional passt das System sowohl die Sitzkontur als auch die Klimatisierung automatisch an.
Bei den Materialien erweitert Bentley sein Angebot unter anderem um einen gemeinsam mit der britischen Traditionsweberei Fox Brothers entwickelten Stoff aus 100 Prozent Merinowolle. Hinzu kommen neue Holz- und Aluminiumoberflächen sowie zahlreiche Leder-, Dinamica- und Furnieroptionen.
Eine Besonderheit entwickelte Bentley für die akustische Rückmeldung des Elektroantriebs. Statt den Klang eines Verbrennungsmotors elektronisch zu imitieren, komponierte das Team die sogenannte "Bentley Dynamic Symphony". Als Ausgangspunkt diente der Rhythmus des klassischen 6¾-Liter-V8, kombiniert mit Aufnahmen realer Instrumente wie Schlagzeug, Bratsche und Bassgitarre. Der Klang verändert sich abhängig von Geschwindigkeit und angefordertem Drehmoment, wird im Sport-Modus intensiver und lässt sich vollständig abschalten. Selbst die akustischen Signale einzelner Funktionen entstanden aus realen Geräuschen: Der Blinker basiert beispielsweise auf dem Klang eines Hammers, der in einer Bentley-Polsterei auf Leder trifft.
Damit setzt Bentley beim ersten Elektroauto der Unternehmensgeschichte nicht nur auf hohe Leistungswerte. Der Torcal soll vielmehr zeigen, wie die Briten zentrale Merkmale der Marke – Leistung, Komfort, Handwerkskunst und Individualisierung – auf einen rein elektrischen Antrieb übertragen.
Marktstart und Preis
Wie gut die solventen Kund:innen das erste Modell der Marke annehmen, werden die ersten Monate nach dem Verkaufsstart Anfang 2027 zeigen. In Österreich dürfte der Torcal aufgrund der NoVA-Befreiung das günstigste Modell der Marke werden. Einen offiziellen Preis gibt es noch nicht, wir rechnen mit einem Basistarif von knapp über 200.000 Euro.
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