Fotos & Video vom Business-Circle-Forum
Österreichs Rechtsbranche feierte 30 Jahre RuSt in Loipersdorf

| Larissa Bilovits 
| 28.10.2026

Beim Jubiläumsforum von Business Circle ging es unter anderem um Künstliche Intelligenz, die wachsende Belastung der Justiz und die Frage, welche Rolle das Völkerrecht in der neuen Weltordnung noch spielt. LEADERSNET.tv war vor Ort und fragte Gastgeber:innen sowie Gäste, was die RuSt seit drei Jahrzehnten auszeichnet und wie sich die juristische Arbeitswelt verändert.

Seit drei Jahrzehnten ist die RuSt von Business Circle ein Fixpunkt im Kalender der heimischen Unternehmensrechts-Community. Zur 30. Ausgabe kamen auch heuer wieder zahlreiche Unternehmensjurist:innen, Rechtsanwält:innen, Steuerberater:innen sowie Vertreter:innen aus Wissenschaft und Bankenwelt nach Loipersdorf, um sich zwei Tage lang über die aktuellen Entwicklungen im Wirtschafts- und Gesellschaftsrecht auszutauschen. 

Aus einem Uniseminar wurde ein Jahresforum

Eröffnet wurde die Jubiläumsausgabe nun von Moritz Mirascija (Mitglied der Geschäftsleitung von Business Circle) und Clemens Hasenauer (Managing Partner von Cerha Hempel und fachlicher Gesamtleiter der RuSt), und zwar unter dem Motto "Nach der RuSt ist vor der RuSt". Tatsächlich laufen die Vorbereitungen jeweils unmittelbar nach dem Ende der vorherigen Ausgabe an, die Sitzung des Fachbeirats fand bereits im März statt.

Dass ein Konferenzformat über so lange Zeit nicht nur besteht, sondern weiter wächst, sei keine Selbstverständlichkeit, zumal die Zahl vergleichbarer Fachveranstaltungen in diesen 30 Jahren deutlich zugenommen habe, wie Hasenauer im Gespräch mit LEADERSNET.tv erklärte: "Wer hierherkommt, weiß, dass er:sie nicht nur Fachkenntnisse auf höchstem Niveau erwirbt, sondern auch genau die Leute trifft, die man treffen will – und das gibt es nur bei der RuSt."

Das Rezept der RuSt sei dabei ganz einfach, ergänzte Mirascija: "Tradition weitertragen, unser Leistungsversprechen gegenüber unseren Kund:innen einlösen und inhaltliche Exzellenz mit neuen sowie etablierten, routinierten Gesichtern aus der juristischen Community verbinden. Gleichzeitig gilt es, den Spirit zu bewahren, aber auch zu wissen, wann man neue Wege einschlagen und frischen Wind hineinbringen muss."

Entstanden sei die Idee aus einem bestehenden Uniseminar, so Romy Faisst (Gründerin Business Circle und Initiatorin der RuSt) gegenüber LEADERSNET.tv: "Dabei wurden Woche für Woche die heißesten und spannendsten juristischen Themen abgehandelt. Dieses Ganzjahresseminar wollten wir schließlich in ein zweitägiges Jahresforum packen."

Von M&A bis zum neuen Digitalrecht

Zu den prägendsten Themen der RuSt zählte heuer Künstliche Intelligenz (KI), das Programm reichte aber noch deutlich weiter und spiegelte die Bandbreite an Herausforderungen wider, mit denen Jurist:innen heute konfrontiert sind. Mit einem Augenzwinkern stellten die Gastgeber in ihrer Eröffnungsrede auch die unterschiedlichen Erfolgsmaßstäbe von Unternehmensjurist:innen und Anwält:innen gegenüber: Während gute Rechtsarbeit im Unternehmen oft daran zu erkennen ist, dass Probleme gar nicht erst entstehen, wäre ein Ausbleiben der Mandant:innen für eine Kanzlei alles andere als ein Erfolg.

Den fachlichen Auftakt bildeten anschließend drei parallele Eröffnungssessions zu einem Update im Bereich M&A, zur Nichtigkeit und Anfechtbarkeit von Gesellschafterbeschlüssen sowie zum neuen Europäischen Digitalrecht. Im Anschluss vertieften die Teilnehmer:innen in mehr als 20 Workshops sämtliche aktuellen Bereiche des Wirtschafts- und Gesellschaftsrechts.

Wie widerstandsfähig der Rechtsstaat ist

Am Abend folgte der Festakt zum 30-jährigen Jubiläum, der unter dem Titel "Unser Rechtsstaat" ganz bewusst eine Grundsatzfrage in den Mittelpunkt stellte. Im Zentrum stand sohin ein Gespräch zwischen Clemens Jabloner und Paul Oberhammer (beide Universität Wien), das sich der bewusst zugespitzten Frage widmete, ob der Justiz ein stiller Tod drohe. Die Ausgangslage ist angespannt, denn die Belastung der Gerichte steigt, während die Budgets knapp bleiben und die Sparpolitik wenig Spielraum lässt. Auch durch KI ist bislang keine Entlastung zu spüren – im Gegenteil, die Zahl der Anfragen und Eingaben hat sich dadurch sogar vervielfacht.

Sorge bereitet den beiden Juristen zudem der wachsende Verdacht, die Justiz sei parteipolitisch beeinflusst, wobei je nach politischem Standpunkt Seilschaften der jeweils anderen Seite vermutet werden. Einen Blick warfen Jabloner und Oberhammer auch auf die unterschiedlichen historischen Wurzeln der Verfassungsordnungen in Deutschland und Österreich. Während Deutschland nach 1945 mit dem Grundgesetz einen Neubeginn wagte, knüpfte Österreich an die Verfassung von 1929 an. Als besonders heikel gilt die Stellung der Anklagebehörden, die sich im Spannungsfeld zwischen Politik und Verwaltung bewegen und daher wirksam gegen politische Einflussnahme abgesichert werden müssen. Ein resilienter Rechtsstaat braucht aus Sicht der beiden ausreichende Ressourcen, unabhängige Institutionen und eine Politik, die diese Unabhängigkeit auch tatsächlich respektiert.

Völkerrecht gerät unter Druck

Den Schlusspunkt des fachlichen Programms setzte die Podiumsdiskussion "Die neue Weltordnung: Gilt das Recht des Stärkeren? Völkerrecht quo vadis?". Unter der Moderation von Hasenauer diskutierten dabei Stephanie Fenkart (International Institute for Peace), Wolfgang Petritsch (Österreichisches Institut für Internationale Politik), Markus Reisner (Österreichisches Bundesheer) und Michael Waibel (Universität Wien) über das wachsende Spannungsverhältnis zwischen geopolitischer Macht und internationalem Recht. Gemeinsame Regeln verlieren an Verbindlichkeit und globale Machtverhältnisse verschieben sich. Damit steht auch die künftige Rolle Europas zur Debatte.

Eine zentrale Frage lautete, welche Alternativen bleiben, wenn sich mächtige Staaten nicht mehr an gemeinsame Regeln gebunden fühlen. Anders als im Kalten Krieg, als sich zwei Machtblöcke gegenseitig in Schach hielten, sorgt die heutige Verteilung der Macht auf mehrere Großmächte für neue Unsicherheiten. Europa muss nach Ansicht der Diskutant:innen seine strategische Handlungsfähigkeit stärken, denn Uneinigkeit und jahrelang vernachlässigte Verteidigungsinvestitionen erschweren ein entschlossenes Auftreten gegenüber den USA und den BRICS-Staaten. Sicherheit lasse sich dabei längst nicht mehr allein über militärische Stärke definieren, da Cyberangriffe, Drohnen und Desinformation die moderne Konfliktführung ebenso prägen wie konventionelle Bedrohungen.

Mit Verweis auf den Wiener Kongress erinnerte das Podium außerdem daran, dass Friedensabkommen mehr leisten müssen, als Kämpfe zu beenden. Sie sollen auch die Grundlage für eine stabile Nachkriegsordnung schaffen. Dass Zusammenarbeit auch ohne gemeinsame politische oder institutionelle Basis funktionieren kann, zeigen wiederum die BRICS-Staaten. Ob die internationale Ordnung Bestand hat, hängt laut den Diskutant:innen letztlich davon ab, ob es gelingt, Machtpolitik einzuhegen, internationale Institutionen zu stärken und neue Formen der Kooperation zu etablieren.

Jubiläum mit Feuershow und Gala-Dinner

Neben dem fachlichen Austausch stand die 30. RuSt ganz im Zeichen des runden Geburtstags. Auf einen Champagner-Empfang folgte eine Feuershow, ehe ein festliches Gala-Dinner den Jubiläumsabend abrundete und Gelegenheit bot, auf die Entstehungsgeschichte der Konferenz zurückzublicken.

Die Bilanz der Veranstalter fällt durchwegs positiv aus. Besonders erfreulich sei, dass es auch nach drei Jahrzehnten gelinge, die drängendsten Themen der Branche aufzugreifen und die nächste Generation an Jurist:innen aktiv einzubinden. Die Planungen für die 31. RuSt laufen bereits, und auch sie soll wieder hochkarätig besetzt sein.

Unsere Interviewpartner:innen

Neben Clemens Hasenauer (Managing Partner, Cerha Hempel, Fachlicher Gesamtleiter der RuSt), Moritz Mirascija (Mitglied der Geschäftsleitung, Business Circle) und Romy Faisst (Gründerin Business Circle und Initiatorin der RuSt) holte Anna Maria Scherfler (Marketing Managerin, Business Circle) für LEADERSNET.tv auch noch Astrid Ablasser-Neuhuber (Partnerin, bpv Hügel), Claudia Steegmüller (Partnerin, Head of Banking & Finance, Taylor Wessing), Johannes Reich-Rohrwig (Rechtsanwalt und Partner, Reich-Rohrwig Rechtsanwalts GmbH), Gefion Hauer (Legal Manager/General Counsel, Head Sport GmbH), Stefanie Thuiner (Chief People & Legal Officer, myflexbox Austria), Eva Ritter (Head of Legal Corporate & IP Management, RHI Magnesita), Christoph Nauer (Partner, bpv Hügel) und Claudia Fochtmann-Tischler (Partnerin, Corporate/M&A, Baker McKenzie) vor die Kamera.

Eindrücke finden Sie zudem in der Galerie.

www.businesscircle.at

Sollten Sie das Video nicht abspielen können, klicken Sie bitte hier!

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV