Am Dienstag fand der elfte Schladming-Dachstein Tourismusdialog im Congress Schladming statt. Im Mittelpunkt stand der Umgang mit wirtschaftlichen, technologischen und gesellschaftlichen Veränderungen. Rund 300 Vertreter:innen der regionalen Tourismusbranche folgten der Einladung des Tourismusverbandes, um sich über aktuelle Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze auszutauschen. Unter dem Motto "Wandel ist längst da" beleuchteten Neurobiologe Bernd Hufnagl sowie Persönlichkeiten aus Industrie, Hotellerie und der nächsten Generation unterschiedliche Perspektiven auf den Wandel und dessen Auswirkungen auf Unternehmen und Gesellschaft.
Warum Veränderungen häufig auf Widerstand stoßen
Den Auftakt der Veranstaltung gestaltete Neurobiologe und Bestsellerautor Bernd Hufnagl mit seiner Keynote "Future Brain – Wie unser Gehirn die Herausforderungen des Wandels meistert". Der studierte Biologe und Mediziner war mehr als zehn Jahre in der Hirnforschung und universitären Lehre tätig. Seit 2002 beschäftigt er sich insbesondere mit den Zusammenhängen zwischen Gesundheit und Arbeitswelt.
In seinem Vortrag ging Hufnagl darauf ein, weshalb Menschen gerade in unsicheren Situationen dazu neigen, an vertrauten Denk- und Verhaltensmustern festzuhalten. Dabei würden mögliche Risiken häufig überbewertet, während die Chancen einer Veränderung weniger Beachtung fänden.
"Veränderung braucht deshalb ein klares Motiv, Gelassenheit und Mut. Wenn Überzeugung spürbar wird, kann Wandel auch andere positiv anstecken", sagte Hufnagl.
Einblicke aus Industrie und Unternehmensführung
Wie unterschiedlich Betriebe mit neuen Rahmenbedingungen umgehen, zeigte der anschließende "Reality Check". Vertreter:innen verschiedener Branchen berichteten dabei über ihre Erfahrungen und Herangehensweisen.
Zu den Diskutierenden zählte Christina Rami-Mark, die als Geschäftsführerin in vierter Generation Mark Metallwarenfabrik leitet. Das international tätige Familienunternehmen beschäftigt rund 600 Mitarbeitende und ist unmittelbar von Veränderungen auf den Märkten sowie technologischen und wirtschaftlichen Entwicklungen betroffen.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Industriekrise setzt Rami-Mark auf Digitalisierung, Innovation und die Erschließung zusätzlicher Geschäftsfelder. Gleichzeitig messe sie der Einbindung der Belegschaft große Bedeutung bei. Ihrer Ansicht nach müsse eine Führungskraft nicht auf jede Herausforderung selbst eine Antwort haben. Viel wichtiger sei es, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem Mitarbeitende eigenständig Ideen entwickeln und gemeinsam Lösungen für neue Anforderungen finden könnten.
Tradition und Weiterentwicklung im Hotelbetrieb
Eine weitere Perspektive brachten Monika und Hannes Müller ein, die gemeinsam das Genießerhotel "Die Forelle" am Weißensee führen. Ihr Betrieb zeichnet sich durch eine enge Verbindung zur regionalen Landwirtschaft, kurze Wertschöpfungskreisläufe und handwerkliche Verarbeitung aus.
Hannes Müller, der als "Koch des Jahres 2025" ausgezeichnet wurde (LEADERSNET berichtete), verfolgt ein Küchenkonzept, bei dem Natur und Produkte im Vordergrund stehen. Seine Frau Monika erhielt für ihre Leistungen in der Gästebetreuung den Michelin Service Award.
Anhand ihres Unternehmens zeigten die beiden, wie sich die Orientierung an bewährten Grundsätzen mit der Bereitschaft verbinden lässt, neue Wege einzuschlagen. Regionale Verwurzelung, Qualität und persönlicher Service seien für sie weiterhin zentrale Bestandteile des Betriebs. Zugleich bleibe man offen für neue Ideen und zeitgemäße Formen der Gastfreundschaft.
Auch die jüngere Unternehmensgeneration war bei der Diskussion vertreten. Stefan Gyger, Hotelier aus der Region, sprach sich dafür aus, den Mut und Pioniergeist früherer Generationen wieder stärker in den Vordergrund zu rücken. Nur mit einer entsprechenden Bereitschaft, Neues auszuprobieren, lasse sich der Wandel aktiv gestalten.
Frühzeitige Auseinandersetzung mit neuen Entwicklungen
Für Mathias Schattleitner, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Schladming-Dachstein, ist es wesentlich, sich auch aus einer wirtschaftlich guten Ausgangsposition heraus mit künftigen Herausforderungen zu beschäftigen.
"Schladming-Dachstein steht heute in vielen Bereichen sehr stark da und ist für die kommenden Jahre gut aufgestellt", sagte Schattleitner.
Gerade deshalb dürften Veränderungen auf den Märkten, neue digitale Möglichkeiten und gesellschaftliche Entwicklungen nicht unterschätzt werden. Um langfristig erfolgreich zu bleiben, brauche es seiner Einschätzung nach durchdachte Strategien, gezielte Initiativen und einen kontinuierlichen Austausch innerhalb der Branche. Als Beispiel nannte er die Einbindung der nächsten Generation und Veranstaltungen wie den Tourismusdialog.
"Denn Wandel beginnt nicht erst dann, wenn Veränderung notwendig wird – sondern oft schon viel früher", betonte Schattleitner.
Tourismus als gemeinsamer Wirtschaftsfaktor
Auch Andreas Keinprecht, Vorsitzender des Tourismusverbandes Schladming-Dachstein, unterstrich die Notwendigkeit, bestehende Strukturen regelmäßig zu hinterfragen und auf veränderte Bedingungen zu reagieren. Wer langfristig erfolgreich sein wolle, müsse offen für neue Entwicklungen bleiben und bereit sein, bisherige Vorgehensweisen anzupassen.
Dabei gehe es nicht allein um die wirtschaftliche Entwicklung einzelner Tourismusbetriebe. Vielmehr habe die Branche eine zentrale Bedeutung für die gesamte Region und solle auch einen positiven Beitrag zu den Lebensbedingungen der Bevölkerung leisten.
"Der Tourismus ist der Wirtschaftsmotor unserer Region und soll die Lebensqualität der Menschen steigern. Seine Zukunft gestalten wir am besten gemeinsam", so Keinprecht.
www.schladming-dachstein.at
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