Zahlungsmoral verschlechtert sich
Österreichs Unternehmen warten immer länger auf ihr Geld

| Tobias Seifried 
| 07.10.2026

Die schwache Konjunktur schlägt zunehmend auf das Zahlungsverhalten durch. Jede fünfte Rechnung wird mittlerweile verspätet beglichen. Gleichzeitig fällt die Zufriedenheit der Firmen mit ihrer Geschäftslage auf den tiefsten Stand seit 2020.

Die anhaltend schwierige Wirtschaftslage hinterlässt zunehmend Spuren bei der Zahlungsmoral. Wie der aktuelle Austrian Business Check des KSV1870 zeigt, werden mittlerweile in Österreich 20 Prozent aller Rechnungen verspätet bezahlt. Vor einem Jahr waren es demnach noch 17 Prozent. Gleichzeitig benötigten Firmenkunden durchschnittlich vier Tage länger als im Vorjahr, um offene Forderungen zu begleichen, hieß es am Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz.

Besonders problematisch sei diese Entwicklung angesichts der angespannten Geschäftslage. Nur noch 42 Prozent der befragten Unternehmen bewerten diese als "sehr gut" oder "gut" – fünf Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr und der niedrigste Wert seit 2020. Im Handel sind es sogar nur 35 Prozent. 

Für viele Unternehmen steht es Spitz auf Knopf

Auch bei den Umsätzen bleibe die Situation angespannt. 72 Prozent der Unternehmen berichten von rückläufigen oder bestenfalls gleichbleibenden Erlösen. Lediglich 28 Prozent konnten zuletzt ein Umsatzplus erzielen. Gleichzeitig gibt rund die Hälfte der Betriebe an, dass Privatpersonen heute weniger ausgeben als noch vor drei Jahren. Für das Gesamtjahr rechnen 55 Prozent der Unternehmen mit einem Gewinn. Weitere 28 Prozent erwarten lediglich eine "schwarze Null", neun Prozent gehen von einem Verlust aus.

"Gelingt es einem Unternehmen nur knapp, schwarze Zahlen zu schreiben, ist das ein Alarmzeichen", sagt Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding. Weitere Preissteigerungen, Umsatzverluste oder größere Zahlungsausfälle könnten bei solchen Unternehmen rasch existenzielle Auswirkungen haben.

Wann kommt der Aufschwung?

Wann mit einer spürbaren Verbesserung der Wirtschaftslage zu rechnen sei, lasse sich derzeit nicht seriös prognostizieren, sagte Vybiral auf Nachfrage von LEADERSNET im Anschluss der Pressekonferenz. Zuletzt habe der Nahostkonflikt die wirtschaftliche Anspannung zusätzlich verschärft.

Als Exportland sei Österreich stark von der Entwicklung wichtiger Märkte wie Deutschland und Italien abhängig. Auch günstigere Rahmenbedingungen für Exporte in die USA könnten einen Aufschwung unterstützen.

Gleichzeitig sieht Vybiral einen Teil der Probleme im Inland. Die Politik müsse die Entbürokratisierung vorantreiben sowie die Steuer- und Abgabenbelastung für Unternehmen reduzieren. Wenn gespart werden müsse, sollte seiner Ansicht nach auch die öffentliche Hand einen entsprechenden Beitrag leisten.

Ein weiteres Problem sei das fehlende Vertrauen: Derzeit glaubten zu wenige Menschen und Unternehmen an eine baldige Verbesserung. Für einen nachhaltigen Aufschwung müsse auch diese Zuversicht zurückkehren.

KSV1870 Zahlungsmoral

Firmen brauchen inzwischen 29 Tage

Laut der Analyse zeigt sich die schwächere Zahlungsmoral besonders deutlich im B2B-Geschäft. Nur noch 77 Prozent der Firmenrechnungen werden fristgerecht bezahlt. Die durchschnittliche Zahlungsdauer stieg gegenüber dem Vorjahr um vier auf 29 Tage und liegt damit so hoch wie zuletzt 2019. 

Auch die öffentliche Hand benötigt teilweise länger: Der Bund kommt unverändert auf 36 Tage, die Länder auf 32 und Gemeinden auf 27 Tage. Bund und Länder überschreiten damit laut KSV das gesetzliche Zahlungsziel von 30 Tagen. Als Hauptgrund für verspätete Zahlungen der öffentlichen Hand nennen 65 Prozent der befragten Unternehmen ineffiziente Verwaltungsprozesse. 

Privatkund:innen zahlen hingegen schneller

Eine bemerkenswerte Ausnahme bilden dem Kreditschutzverband zufolge Privatpersonen. 86 Prozent ihrer Rechnungen werden pünktlich beglichen. Die durchschnittliche Zahlungsdauer sank gegenüber dem Vorjahr sogar um zwei auf 13 Tage.

Auf die Frage von LEADERSNET, wie sich das mit der gleichzeitig sinkenden Konsumlaune erklären lässt, verwies Walter Koch, Geschäftsführer der KSV1870 Forderungsmanagement GmbH, auf ein vorsichtigeres Konsumverhalten. Die Mehrheit kaufe zunehmend nur noch das, was sie sich tatsächlich leisten könne. In unsicheren Zeiten werde zudem mehr Geld gespart, anstatt es für Konsum auszugeben.

Die beiden Entwicklungen widersprechen einander demnach nicht zwingend: Weniger Konsum kann mit einer besseren Zahlungsmoral jener Haushalte einhergehen, die weiterhin Käufe tätigen.

Ein Drittel blickt pessimistisch auf 2027

Eine schnelle Entspannung bei der Zahlungsmoral erwarten längst nicht alle Unternehmen. Zwar rechnen 53 Prozent für 2027 mit einer unverändert guten oder verbesserten Situation, 31 Prozent gehen jedoch von einer Verschlechterung aus. Besonders pessimistisch fällt der Ausblick unter anderem in Gastronomie und Beherbergung sowie Verkehr und Lagerei aus.

www.ksv.at

Infos zum Austrian Business Check 2026

  • Erhebung: Austrian Business Check des KSV1870
  • Durchführung: gemeinsam mit Marketagent
  • Befragte: rund 1.000 Unternehmen in Österreich
  • Erhebungszeitraum: August 2026
  • Pünktlich bezahlte Rechnungen: 80 Prozent
  • Verspätet bezahlte Rechnungen: 20 Prozent
  • Unternehmen mit positiver Geschäftslage: 42 Prozent
  • Unternehmen mit Umsatzplus: 28 Prozent
  • Erwarteter Jahresgewinn: 55 Prozent der Unternehmen
  • Erwartete "schwarze Null": 28 Prozent

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

Infos zum Austrian Business Check 2026

  • Erhebung: Austrian Business Check des KSV1870
  • Durchführung: gemeinsam mit Marketagent
  • Befragte: rund 1.000 Unternehmen in Österreich
  • Erhebungszeitraum: August 2026
  • Pünktlich bezahlte Rechnungen: 80 Prozent
  • Verspätet bezahlte Rechnungen: 20 Prozent
  • Unternehmen mit positiver Geschäftslage: 42 Prozent
  • Unternehmen mit Umsatzplus: 28 Prozent
  • Erwarteter Jahresgewinn: 55 Prozent der Unternehmen
  • Erwartete "schwarze Null": 28 Prozent

leadersnet.TV