Der österreichische Immobilien-Investmentmarkt verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 ein Transaktionsvolumen von rund einer Milliarde Euro. Das entspricht gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres einem Rückgang von 31 Prozent und liegt zugleich um 27 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Im zweiten Quartal wurden Immobilien im Wert von rund 300 Millionen Euro gehandelt. Das zeigen die aktuellen Zahlen des CBRE-Investmentmarkt-Bericht für das erste Halbjahr 2026.
Geringeres Verkaufsvolumen offener Immobilienfonds
Als wesentlicher Grund für das niedrigere Investmentvolumen gilt das deutlich geringere Verkaufsvolumen offener Immobilienfonds. Diese hatten das Marktgeschehen im Vorjahr maßgeblich geprägt, während entsprechende Verkäufe heuer bislang deutlich seltener ausfielen. Gleichzeitig befindet sich weiterhin marktfähiges Produkt dieser Fonds am Markt, allerdings dauern Transaktionsprozesse länger als in der Vergangenheit.
"Im vergangenen Jahr haben Verkäufe aus offenen Immobilienfonds das Marktvolumen dominiert. Diese Entwicklung ist dieses Jahr noch nicht zu erkennen, wenngleich marktfähiges Produkt dieser Fonds auf dem Markt ist. Wir sehen aber länger dauernde Transaktionszeiträume und erwarten signifikante Abschlüsse in der zweiten Jahreshälfte", sagte Manuel Bugl, Head of Investment bei CBRE Österreich.
Wohnimmobilien verlieren deutlich an Dynamik
Besonders stark fiel der Rückgang im Wohnsegment aus. Nachdem Wohnimmobilien im Vorjahr noch die mit Abstand wichtigste Assetklasse gewesen waren, liegt das Investmentvolumen in diesem Bereich heuer rund 80 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Ursache dafür sind laut CBRE vor allem Renditeerwartungen, die derzeit mit den Preisvorstellungen am Markt nicht in Einklang gebracht werden können, obwohl die Nachfrage der Investor:innen nach Wohnimmobilien weiterhin hoch bleibt.
Internationale Investor:innen kehren zurück
Auffällig ist die stärkere Beteiligung internationaler Investor:innen. Sie zeichneten im ersten Halbjahr bereits für 53 Prozent des gesamten Investmentvolumens verantwortlich. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres lag ihr Anteil noch bei 35 Prozent. Vor allem größere Transaktionen wurden von internationalen Käufer:innen abgeschlossen, während in den vergangenen Jahren überwiegend heimische Investoren den Markt geprägt hatten.
"Wir beobachten seit Jahresbeginn eine spürbar steigende Aktivität internationaler Investoren. Österreich rückt wieder stärker in den Fokus institutioneller Anleger, dies ist ein gutes Zeichen für unseren Standort", so Bugl.
Retail und Hotels führen das Ranking an
Im zweiten Quartal stellte der Retail-Sektor mit einem Marktanteil von 32 Prozent die stärkste Assetklasse dar. Maßgeblich dafür waren mehrere High-Street-Transaktionen, unter anderem auf der Wiener Mariahilfer Straße und der Kärntner Straße. Hotels erreichten einen Anteil von 31 Prozent und profitierten weiterhin von einem positiven Marktumfeld. Logistik- und Industrieimmobilien kamen auf 14 Prozent.
Auch im Halbjahresvergleich lagen Retailimmobilien mit 27 Prozent knapp vor Hotels mit 26 Prozent. Trotz des starken Rückgangs belegten Wohnimmobilien mit 15 Prozent weiterhin den dritten Platz unter den Assetklassen.
Zu den größten Transaktionen des zweiten Quartals zählten der Verkauf der Arcade Meidling, der von CBRE begleitet wurde, sowie die Veräußerung des Leonardo Smart Vienna Airport Hotels an einen israelischen Investor. Darüber hinaus befinden sich mehrere großvolumige Transaktionen am Markt, die im weiteren Jahresverlauf zusätzliche Impulse bringen könnten. Dazu zählen unter anderem das Goldene Quartier (LEADERSNET berichtete) sowie das Hotel Park Hyatt in der Wiener Innenstadt (LEADERSNET berichtete).
Geopolitik sorgt für Zurückhaltung
Nach Einschätzung von CBRE führten die globalen Entwicklungen gegen Ende des ersten Quartals sowie das veränderte Zinsumfeld im zweiten Quartal zu einer vorsichtigeren Haltung vieler Investor:innen. Gleichzeitig blieben die Fundamentaldaten des österreichischen Immobilienmarktes stabil.
"Kurzfristig haben geopolitische Unsicherheiten einige Investitionsentscheidungen verzögert. Wir sehen aber eine gut gefüllte Pipeline größerer Transaktionen. Die Kombination aus steigender internationaler Nachfrage und einer zunehmenden Marktaktivität stimmt uns für die zweite Jahreshälfte optimistisch", sagte Bugl.
Moderate Veränderungen bei den Spitzenrenditen
Im zweiten Quartal kam es in mehreren Assetklassen zu moderaten Renditeanstiegen. Die Spitzenrendite für High-Street-Retail erhöhte sich auf 4,75 Prozent und damit um fünf Basispunkte. Bei Wohnimmobilien stieg sie um zehn Basispunkte auf 4,10 Prozent, während Logistikimmobilien nach einem Plus von fünf Basispunkten bei 5,15 Prozent lagen. Unverändert blieben hingegen die Spitzenrenditen für Büroimmobilien mit 4,75 Prozent sowie für Hotels mit 5,40 Prozent.
www.cbre.at
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