IHS-Konjunkturprognose
Top-Ökonom sieht Defizitziel der Regierung außer Reichweite

Trotz der Belastungen durch den Iran-Krieg dürfte Österreich laut aktueller IHS-Mittelfristprognose auf einen moderaten Wachstumskurs zurückkehren. Kritik gibt es für den Reformunwillen bei Pensionen und Gesundheit.

Nach mehreren wirtschaftlich schwierigen Jahren blickt das Institut für Höhere Studien (IHS) vorsichtig optimistisch auf die kommenden Jahre. In seiner am Donnerstag veröffentlichten Mittelfristprognose erwartet das Institut für den Zeitraum 2026 bis 2030 ein durchschnittliches Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von jährlich 1,0 Prozent. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass der Iran-Krieg nicht erneut eskaliert und sich die geopolitische Lage weiter stabilisiert.

Exporte sollen wieder zum Wachstumsmotor werden

Besonders die heimische Exportwirtschaft soll nach den deutlichen Marktanteilsverlusten der vergangenen Jahre wieder an Dynamik gewinnen. Das IHS rechnet damit, dass die Waren- und Dienstleistungsexporte im Prognosezeitraum um durchschnittlich zwei Prozent pro Jahr zulegen und damit wieder im Gleichklang mit den internationalen Exportmärkten wachsen. Gleichzeitig dürfte sich auch die Bauwirtschaft schrittweise von ihrer langjährigen Krise erholen.

In einer vertiefenden Analyse weist das Institut allerdings darauf hin, dass Österreich seit 2022 vor allem in den für den Industriestandort wichtigen Warengruppen Maschinen und Fahrzeuge Marktanteile verloren hat. Gleichzeitig konnten in einigen wichtigen Absatzmärkten – darunter Deutschland, Italien und China – zuletzt wieder Marktanteile gewonnen werden.

Inflation soll ab 2028 wieder das EZB-Ziel erreichen

Der durch den Iran-Krieg ausgelöste Energiepreisschock sorgt heuer noch für eine erhöhte Inflation. Für 2026 erwartet das IHS eine durchschnittliche Teuerungsrate von 3,0 Prozent. Bereits 2027 soll sie auf 2,3 Prozent zurückgehen, ehe ab 2028 wieder das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent erreicht werden dürfte.

Der private Konsum dürfte sich hingegen nur langsam erholen. Die Budgetkonsolidierung belaste die Realeinkommen, weshalb das IHS für heuer lediglich ein Konsumwachstum von 0,5 Prozent erwartet. Mit sinkender Inflation sollte sich die Konsumstimmung in den Folgejahren jedoch wieder verbessern.

Arbeitsmarkt bleibt stabil

Am Arbeitsmarkt rechnen die Ökonom:innen mit einer insgesamt robusten Entwicklung. Die Beschäftigung dürfte bis 2030 jährlich um durchschnittlich 0,6 Prozent wachsen. Gleichzeitig sollte die Arbeitslosenquote von heuer 7,5 Prozent bis 2030 auf 6,4 Prozent sinken. Als Herausforderung nennen die Expert:innen den demografischen Wandel, der den Fachkräftemangel weiter verschärfen dürfte.

IHS fordert weitere Strukturreformen

Trotz der laufenden Budgetkonsolidierung sieht das Institut weiterhin Handlungsbedarf bei den öffentlichen Finanzen. Zwar werde das gesamtstaatliche Defizit schrittweise sinken, nach derzeitiger Prognose dürfte die Defizitquote jedoch auch 2028 mit 3,6 Prozent noch über der Maastricht-Grenze von drei Prozent liegen, so IHS-Direktor Holger Bonin. Um das Ziel der Bundesregierung zu erreichen, seien laut dem Top-Ökonomen zusätzliche Strukturreformen erforderlich – insbesondere im Gesundheitswesen und im Pensionssystem.

Geopolitik bleibt größtes Risiko

Als größtes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung nennt das IHS eine neuerliche Eskalation des Iran-Kriegs. Diese würde Energiepreise, Inflation und Unsicherheit erneut deutlich erhöhen und damit Wachstum sowie Kaufkraft belasten. Gleichzeitig verweist das Institut auf weitere Unsicherheitsfaktoren wie die US-Handelspolitik oder mögliche Turbulenzen an den Finanzmärkten. Positiv könnten sich hingegen verstärkte Investitionen in Künstliche Intelligenz auswirken, die mittelfristig Produktivität und Wachstum stärken würden.

www.ihs.ac.at

IHS-Prognose bis 2030

  • Durchschnittliches BIP-Wachstum: 1,0 Prozent pro Jahr
  • Exporte wachsen um rund 2,0 Prozent jährlich
  • Inflation: 3,0 Prozent (2026), 2,3 Prozent (2027), ab 2028 bei 2,0 Prozent
  • Arbeitslosenquote sinkt bis 2030 auf 6,4 Prozent
  • Defizitquote bleibt ohne weitere Reformen über der Maastricht-Grenze von drei Prozent
  • Größtes Risiko bleibt eine neuerliche Eskalation des Iran-Kriegs

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IHS-Prognose bis 2030

  • Durchschnittliches BIP-Wachstum: 1,0 Prozent pro Jahr
  • Exporte wachsen um rund 2,0 Prozent jährlich
  • Inflation: 3,0 Prozent (2026), 2,3 Prozent (2027), ab 2028 bei 2,0 Prozent
  • Arbeitslosenquote sinkt bis 2030 auf 6,4 Prozent
  • Defizitquote bleibt ohne weitere Reformen über der Maastricht-Grenze von drei Prozent
  • Größtes Risiko bleibt eine neuerliche Eskalation des Iran-Kriegs

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