Aktueller Konjunkturindikator
Iran-Krieg belastet heimische Wirtschaft stärker als erwartet

| Tobias Seifried 
| 15.07.2026

Der Konflikt in der Golfregion ist auch hierzulande spürbar. Laut aktuellem Konjunkturindikator dürfte Österreichs Wirtschaft im zweiten Quartal stagniert haben. Für das Gesamtjahr wird aber dennoch ein Mini-Wachstum erwartet.

Laut dem aktuellen Konjunkturindikator der Bank Austria hat das fehlende Vertrauen in ein stabiles Abkommen zwischen den USA und dem Iran die wirtschaftliche Stimmung in Österreich zur Jahresmitte erneut belastet. Der Konjunkturindikator sank im Juni auf minus 1,8 Punkte. Für das zweite Quartal gehen die Ökonom:innen nach moderaten Wachstumsraten zu Jahresbeginn von einer Stagnation gegenüber dem ersten Quartal aus. Im Jahresvergleich dürfte das Bruttoinlandsprodukt im ersten Halbjahr dennoch um 0,8 Prozent zugelegt haben.

Konjunkturindikator Juli 2026

Dienstleistungssektor besonders unter Druck

Besonders deutlich verschlechterte sich demnach die Stimmung im Dienstleistungssektor. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit und die höhere Inflation hätten die Konsumlaune gedämpft, was sich laut Analyse vor allem im Handel, im Gastgewerbe und bei Reisebüros bemerkbar gemacht habe. Auch in der Industrie und am Bau blieb die Lage angespannt. Während es im Hochbau weiterhin an Neugeschäft fehlte, stabilisierte sich die Situation im Tiefbau und in den Baunebengewerben leicht.

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria, erklärt: "Für das gerade abgelaufene zweite Quartal zeigt der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator nach den moderaten Wachstumsraten der Vorquartale eine Konjunkturverlangsamung an." Die Bank gehe für die vergangenen drei Monate von einer Stagnation der österreichischen Wirtschaft aus.

Auch im europäischen Vergleich zeigt sich ein schwaches Bild. Laut Walter Pudschedl, Ökonom der UniCredit Bank Austria, lag die Stimmung in allen heimischen Wirtschaftssektoren im Juni bereits den dritten Monat in Folge unter jener im Euroraum. Besonders groß sei der Abstand weiterhin in der Industrie.

Erholung in der zweiten Jahreshälfte möglich

Für die kommenden Monate bleiben die Ökonom:innen vorsichtig optimistisch. Voraussetzung sei allerdings, dass die Eskalation in der Golfregion begrenzt bleibe und es zu keinem anhaltenden Versorgungsschock bei Erdöl komme. Unter dieser Annahme sollte die Inflation Konsum und Investitionen weniger stark belasten als im zweiten Quartal.

Pudschedl rechnet daher weiterhin mit einem Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent im Gesamtjahr 2026. Für 2027 erwartet die Bank einen etwas stärkeren Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 1,2 Prozent. Die Erholung dürfte allerdings zunächst verhalten bleiben, da höhere Preise, strukturelle Belastungen in der Industrie und die US-Zollpolitik die Konsum- und Investitionsbereitschaft bremsen könnten.

Konjunkturprognose Juli 2026© Unicredit Bank Austria

Arbeitslosigkeit steigt vorerst weiter

Wenig Entspannung zeichnet sich zunächst am Arbeitsmarkt ab. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote lag im Juni bei 7,6 Prozent. Für das Gesamtjahr prognostizieren die Ökonom:innen einen durchschnittlichen Anstieg auf 7,5 Prozent.

Eine nachhaltige Trendwende wird erst für 2027 erwartet. Dazu beitragen sollen eine Beruhigung der geopolitischen Lage, stabilere Energiepreise sowie eine schrittweise Erholung in der Industrie und am Bau. Die wichtigste Stütze dürfte laut Pudschedl der Dienstleistungssektor sein.

Inflationsprognose wird gesenkt

Trotz der geopolitischen Unsicherheiten fällt der erwartete Preisauftrieb etwas geringer aus als bisher angenommen. Die Inflationsprognose für 2026 wurde von 3,4 auf 3,2 Prozent reduziert. Für 2027 rechnen die Ökonom:innen nun mit 2,5 statt 2,6 Prozent.

Nach einem vorläufigen Höchststand von 3,7 Prozent im Mai dürfte die Teuerung im Juni auf 3,2 Prozent zurückgegangen sein. In der zweiten Jahreshälfte könnten steigende Strom- und Gaspreise sowie Zweitrundeneffekte bei Dienstleistungen den Preisauftrieb allerdings nochmals verstärken.

EZB dürfte Leitzinsen nochmals anheben

Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Energiepreise erhöht nach Einschätzung der UniCredit Bank Austria auch den Druck auf die Europäische Zentralbank. Bruckbauer erwartet im September eine weitere Leitzinserhöhung um 25 Basispunkte. Danach dürfte die EZB vorerst eine abwartende Haltung einnehmen und den Einlagenzins bei 2,5 Prozent belassen.

www.bankaustria.at

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