Künstliche Intelligenz, nachhaltige Produktionsprozesse und neue Fertigungstechnologien zählen derzeit zu den wichtigsten Treibern des Wandels in der Automobil- und Zulieferindustrie. Diese Themen standen im Mittelpunkt der internationalen Fachkonferenz "Joining Smart Technologies", zu der Fronius bereits zum achten Mal Vertreter:innen namhafter Unternehmen nach Sattledt eingeladen hatte.
Rund 70 internationale Teilnehmer:innen aus Industrie, Forschung und Technologie diskutierten über aktuelle Entwicklungen im Fahrzeugbau sowie über die Herausforderungen durch steigende Energiekosten, veränderte Marktbedingungen und den zunehmenden Einsatz von KI. Im Fokus standen neben Nachhaltigkeit und Digitalisierung auch moderne Fügetechnologien, die künftig eine Schlüsselrolle in der Fahrzeugproduktion spielen sollen.
Austausch als Erfolgsfaktor
Elisabeth Engelbrechtsmüller-Strauß, CEO von Fronius, betonte die Bedeutung des branchenübergreifenden Dialogs: "Für Innovation und Wertschöpfung braucht es den Austausch innerhalb der Branche. Nur miteinander können wir den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen begegnen."
Nach Angaben des Unternehmens kamen neben Automobilherstellern und Zulieferern auch Vertreter:innen unterschiedlicher Fügetechnologien sowie Expert:innen aus Wissenschaft und anderen Industriezweigen zusammen. Gerade dieser Blick über den eigenen Tellerrand habe den Wissenstransfer gefördert.
KI verändert die Arbeitswelt
Ein Schwerpunkt der Konferenz lag auf dem Einsatz Künstlicher Intelligenz. Thomas Gremsl von der Universität Graz plädierte dafür, technologische Entwicklungen stets gemeinsam mit ethischen Fragestellungen zu betrachten. KI eröffne zahlreiche Möglichkeiten, erfordere aber klare Rahmenbedingungen und eine enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachrichtungen.
Auch Florian Schlather von BMW sieht KI vor allem als Unterstützung für Beschäftigte. Sie könne Wissen, Erfahrung und menschliche Kompetenzen nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen. Voraussetzung dafür seien hochwertige Daten und die Bereitschaft der Unternehmen, ihre Arbeitsweisen weiterzuentwickeln.
Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft
Breiten Raum nahmen nachhaltige Beschaffungsstrategien und die Kreislaufwirtschaft ein. Ulrich Fischer von Lincoln Europe betonte, dass Lieferanten heute weit mehr als wettbewerbsfähige Preise bieten müssten. Gefragt seien ganzheitliche Lösungen, die Nachhaltigkeit, Unternehmensethik und intelligente Beschaffung miteinander verbinden.
Thomas Rauser von Trumpf verwies auf die steigende Bedeutung der Kreislaufwirtschaft. Angesichts höherer Materialkosten und angespannter Lieferketten müsse bereits bei der Produktentwicklung stärker auf standardisierte Komponenten und Wiederverwertbarkeit geachtet werden.
Fügeverfahren als Schlüsseltechnologie
Eine zentrale Rolle komme dabei dem Fügeverfahren zu. Jürgen Bruckner von Fronius International bezeichnete Strom als Motor einer nachhaltigen Industrie. Effiziente Schweißprozesse seien ein wesentlicher Hebel, um Energie- und Ressourceneinsatz zu reduzieren. Auch David Schönmayr und Bernhard Freiseisen von Fronius International unterstrichen die Bedeutung energieeffizienter Fertigungsprozesse. Aufgabe der Branche sei es, Lösungen zu entwickeln, die Energiekosten senken und gleichzeitig einen spürbaren Mehrwert für Industriekund:innen schaffen.
Für Daniel Rudolph von Audi seien moderne Schweißtechnologien entscheidend, um Schweißen langfristig als zentrale Fügetechnik der Automobilindustrie zu etablieren. Technologien zur Nahtvisualisierung und zur Reduzierung von Nacharbeit könnten dabei einen wichtigen Beitrag leisten. Ergänzend verwies Holger Fricke vom Fraunhofer IFAM Bremen auf die Bedeutung moderner Klebeverfahren, insbesondere für Elektrofahrzeuge. Bereits in der Entwicklungsphase müsse berücksichtigt werden, dass Bauteile später wirtschaftlich demontiert und recycelt werden können.
Den Blick auf den gesamten Lebenszyklus eines Produkts richteten Olaf Gross und Philipp Hager von Lufthansa Technik. Für sie gewinnt der Ansatz "Reparieren statt Ersetzen" zunehmend an Bedeutung. Moderne Verfahren wie Cold Metal Transfer (CMT) ermöglichten wirtschaftliche Reparaturen bei gleichbleibend hoher Qualität.
Software und neue Fertigungskonzepte
Auch der steigende Softwareanteil moderner Fahrzeuge verändert laut den Vortragenden die Automobilindustrie nachhaltig. Peter Ivanov von Valtech sieht Autos zunehmend als Teil eines umfassenden digitalen Ökosystems. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müsse die Branche gemeinsame Strategien entwickeln und stärker vernetzt denken.
Mit Blick auf den Karosseriebau sprach sich Karl Radlmayr von KMR metalwise für Multi-Material-Konzepte aus. Diese böten trotz höherem Fertigungsaufwand Vorteile gegenüber dem Gigacasting – insbesondere bei Reparaturfreundlichkeit und Nachhaltigkeit.
Optimistischer Blick nach vorne
In der abschließenden Podiumsdiskussion überwog der Optimismus trotz der aktuellen Herausforderungen. Die Teilnehmer:innen waren sich einig, dass die Branche über hohe Innovationskraft verfüge. Entscheidend werde sein, Themen wie Künstliche Intelligenz, Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft und Kundennähe gemeinsam voranzutreiben, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie langfristig zu sichern.
www.fronius.com
Kommentar veröffentlichen