Als der Formentor im Oktober 2020 auf den Markt kam, markierte er für Cupra den Start einer neuen Ära. Er war das erste eigenständige Modell der damals noch jungen Schwestermarke von Seat und entwickelte sich rasch zum Bestseller. Inzwischen ist das eigene Portfolio mit Modellen wie Terramar, Born oder Raval deutlich gewachsen. Dennoch bleibt der Formentor eine tragende Säule der spanischen Volkswagen-Tochter. Dank eines Facelifts erhielt das kompakte SUV-Coupé mittlerweile eine geschärfte Optik, modernisierte Technik und ein überarbeitetes Infotainment. LEADERSNET testete die Tribe Edition mit 150 PS starkem Mildhybrid-Benziner im Alltag.
Eigenständiger denn je
Die Modellpflege hat dem Formentor vor allem optisch gutgetan. Seine neue Front mit der markanten "Shark Nose", den dreieckigen Matrix-LED-Scheinwerfern und dem deutlich größeren Kühlergrill lässt ihn noch dynamischer wirken und hebt ihn nun endgültig von den Seat-Modellen ab. Während sich früher noch einige Gemeinsamkeiten erkennen ließen, präsentiert sich der Formentor heute als eigenständiges Fahrzeug mit unverwechselbarem Cupra-Auftritt.
Auch am Heck sorgen das durchgehende Leuchtenband, das beleuchtete Logo und die neu gestalteten Rückleuchten für einen modernen Eindruck. Die Tribe Edition unterstreicht den sportlichen Charakter zusätzlich mit exklusiven 19-Zoll-Felgen und zahlreichen kupferfarbenen Details. Für die Außenfarbe "Mangan-Grün Matt" bekamen wir während der Testwoche zahlreiche positive Kommentare. Sie kostet zwar knapp 1.600 Euro, das Geld scheint aber gut investiert zu sein.
Sportlicher Auftritt, ausgewogenes Fahrverhalten
Bereits nach wenigen Kilometern fällt auf, dass Cupra bei Fahrwerk und Lenkung erneut den gelungenen Mittelweg zwischen Sportlichkeit und Alltagstauglichkeit gefunden hat. Der Formentor lenkt präzise ein, bleibt auch bei flotter Kurvenfahrt neutral und vermittelt jederzeit ein hohes Sicherheitsgefühl. Gleichzeitig spricht das Fahrwerk ausreichend sensibel auf Unebenheiten an und eignet sich damit auch für längere Autobahnetappen.
Über den runden Cupra-Knopf am Lenkrad lässt sich der schärfste Fahrmodus direkt aktivieren. Dann werden Gaspedalkennlinie, Lenkung und Getriebe spürbar geschärft, ohne dass der Komfort völlig auf der Strecke bleibt. Eine weitere gelungene Lösung ist der ebenfalls am Lenkrad platzierte Startknopf, der den sportlichen Anspruch zusätzlich unterstreicht.
Unter der Haube werkt ein 1,5-Liter-eTSI mit 150 PS (110 kW), der kultiviert Luft und hervorragend mit dem aufmerksam schaltenden Siebengang-DSG harmoniert. Im Alltag reicht seine Leistung für Stadt-, Landstraßen- und Autobahnfahrten problemlos aus. Zur sportlichen Optik des Formentors passt der Basismotor allerdings nur bedingt. Wer das dynamische Design auch in entsprechende Fahrleistungen umsetzen möchte, findet im Modellprogramm deutlich stärkere Alternativen bis hin zum 390 PS starken VZ5 mit seinem legendären Fünfzylinder aus dem Audi-Regal.
Vernünftig beim Verbrauch
Der Mildhybrid-Antrieb überzeugt dafür mit angenehmer Effizienz. Während unseres Tests – der mitten in einer Hitzewelle stattfand und die Klimaanlage entsprechend Schwerstarbeit leisten musste – konsumierte der Formentor auf Landstraßen 6,3 Liter Super auf 100 Kilometer. Auf der Autobahn pendelte sich der Verbrauch bei 7,2 Litern ein. Im Gesamtschnitt standen 6,6 Liter auf dem Bordcomputer. Unter günstigeren Wetterbedingungen dürfte dieser Wert nochmals etwas niedriger ausfallen.
Moderne Bedienung mit kleinen Schwächen
Mit dem Facelift erhielt der Formentor auch das aktuelle Infotainmentsystem des Volkswagen-Konzerns. Der 12,9 Zoll große Touchscreen arbeitet schnell, bietet eine übersichtliche Menüstruktur und reagiert deutlich flüssiger als noch beim Vorgänger. Positiv fällt auf, dass die Lautstärke- und Klimaslider inzwischen zumindest beleuchtet sind.
Trotzdem bleibt die Bedienung insgesamt recht touchlastig. Immerhin setzt Cupra beim Multifunktionslenkrad wieder auf echte Tasten statt auf Sensorschalter – ein klarer Fortschritt im Alltag. Im Testfahrzeug erfolgte die Navigation ausschließlich über kabelloses Apple CarPlay oder Android Auto. Beide Systeme funktionierten schnell, stabil und problemlos.
Auch die Sprachsteuerung erledigte ihre Aufgaben zuverlässig. Die Assistenzsysteme arbeiten insgesamt angenehm zurückhaltend und greifen nur dann ein, wenn es wirklich notwendig ist. Lediglich die Verkehrszeichenerkennung zeigte sich gelegentlich ungenau, arbeitete aber deutlich zuverlässiger als zuletzt im von uns getesteten Golf Falco Edition, der auf derselben Volkswagen-Konzernplattform steht.
Sportliche Sitze, ausreichend Platz
Im Innenraum zählen die serienmäßigen Sportsitze mit integrierten Kopfstützen zu den Highlights. Sie bieten ausgezeichneten Seitenhalt, zahlreiche Verstellmöglichkeiten und überzeugen auch auf längeren Etappen mit hohem Komfort. Die Materialqualität wirkt insgesamt ordentlich und wurde im Zuge der Modellpflege nochmals verbessert. Im direkten Sicht- und Griffbereich dominieren weiche Oberflächen, weiter unten kommt allerdings – wie inzwischen in dieser Klasse üblich – Hartplastik zum Einsatz.
Das Platzangebot entspricht den Erwartungen an ein Kompakt-SUV. Vorn reist es sich sehr komfortabel, im Fond müssen groß gewachsene Passagiere wegen der stark abfallenden Dachlinie leichte Einschränkungen bei der Kopffreiheit in Kauf nehmen. Gleiches gilt für den Kofferraum, dessen Ladevolumen durch die coupéhafte Silhouette etwas kleiner ausfällt als bei klassischen SUV der Konkurrenz. Für den (Familien-)Alltag sollte das Platzangebot dennoch ausreichen.
Fazit
Der Cupra Formentor bleibt auch nach seiner Modellpflege eines der emotionalsten Fahrzeuge seiner Klasse. Sein eigenständiges Design, das ausgewogene Fahrwerk und die präzise Lenkung sorgen für Fahrspaß, ohne den Alltagskomfort zu vernachlässigen. Die Tribe Edition bringt darüber hinaus eine umfangreiche Ausstattung mit, die kaum Wünsche offenlässt. Mit dem getesteten 150-PS-Mildhybrid empfiehlt er sich primär für Fahrer:innen, die Wert auf Design, Komfort und vernünftige Betriebskosten legen. Wer allerdings erwartet, dass der sportliche Auftritt von entsprechend beeindruckenden Fahrleistungen begleitet wird, sollte zu einer der stärkeren Motorisierungen greifen.
Mit einem Preis von rund 48.250 Euro (inklusive Extras) ist der Testwagen zwar kein Schnäppchen, bietet aber ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Los geht es bei der Tribe Edition ab 42.000 Euro.
Fotos vom Testauto sehen Sie in unserer Galerie.
www.cupraofficial.at
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