Gastkommentar von Patricia Weiß und Franziska Weik
Die Gen Z kommt nicht – sie ist längst da

Ein Gastkommentar von Patricia Weiß und Franziska Weik, Heads of Business Unit von LPdigital. 

"Wenn die Gen Z einmal den Arbeitsmarkt erobert …". Diesen Satz hören wir im Austausch mit Unternehmen, Kandidat:innen und Kund:innen sehr oft. Dabei ist diese Generation längst angekommen: Die ältesten Vertreter:innen sind heute Ende 20, arbeiten in Unternehmen, übernehmen teilweise bereits Führungsverantwortung und gestalten unseren Arbeitsmarkt und unsere Wirtschaft aktiv mit.

Was uns an der Debatte stört: Es wird viel über die Gen Z gesprochen und kritisiert, aber wenig darüber, welche Lösungen Unternehmen brauchen. Stattdessen dominieren Vorurteile: zu wenig leistungsbereit, zu viel Work-Life-Balance, am liebsten nur Teilzeit.

Die Ö3 Jugendstudie 2026 zeigt ein anderes Bild. Junge Menschen wünschen sich Sicherheit, Karrierechancen, ein gutes Einkommen und sinnvolle Arbeit. 95 Prozent geben an, dass ihnen ein hohes Einkommen wichtig ist, 85 Prozent legen Wert auf Aufstiegsmöglichkeiten und 96 Prozent wünschen sich einen sicheren Arbeitsplatz.

Das klingt nicht nach einer Generation, die nicht arbeiten will. Es klingt nach einer Generation, die in einer unsicheren Zeit nach Orientierung sucht.

Genau das sehen wir auch im Recruiting für IT-, Digital- und KI-Rollen. Viele junge Kandidat:innen fragen sich, welche Ausbildung, welche Fähigkeiten und welche Berufsbilder langfristig relevant bleiben. Diese Unsicherheit ist nachvollziehbar: Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verändern Arbeit schneller als je zuvor.

Gleichzeitig wird die Gen Z oft als homogene Gruppe dargestellt. Auch das greift zu kurz. Die Ö3 Jugendstudie zeigt unterschiedliche Einstellungen zu Arbeit, Digitalisierung, Zukunft und Gesellschaft. Die eine Gen Z gibt es nicht.

Vielleicht sollten wir daher weniger darüber diskutieren, ob diese Generation "anders" ist. Wir sollten vielmehr fragen, welche Arbeitswelt wir ihr übergeben haben – und welche Antworten Unternehmen jetzt geben müssen.

Denn die eigentliche Trennlinie verläuft künftig nicht zwischen Jung und Alt. Sie verläuft zwischen Organisationen, die Orientierung, Entwicklung und digitale Kompetenzen fördern, und jenen, die an alten Erwartungen festhalten.

Die Gen Z ist nicht die Zukunft des Arbeitsmarktes. Sie ist seine Gegenwart.

Die wichtigere Frage lautet daher: Was wird aus Unternehmen, die das weiterhin ignorieren?

www.lp-digital.at


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