Trotz Bürokratie-Stopp
ESG bleibt für Österreichs Exportwirtschaft unverzichtbar

Trotz EU-Erleichterungen bleibt das Nachhaltigkeitsthema für 84 Prozent der heimischen Exporteure zentral. Eine aktuelle Studie zeigt, dass der neue ESG-Trend vor allem auf besserer Wettbewerbsfähigkeit beruht.

Trotz der im März 2026 in Kraft getretenen Omnibus-Richtlinie, welche Erleichterungen bei Berichts- und Lieferkettenpflichten vorsieht, bleibt das Themenfeld ESG (Environmental, Social, Governance) für die österreichische Exportwirtschaft von zentraler Bedeutung. Eine aktuelle Kundenbefragung der Oesterreichischen Kontrollbank (OeKB) belegt, dass sich 84 Prozent der exportorientierten Unternehmen intensiv mit Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Zwar sank dieser Wert im Vergleich zum Vorjahr leicht (89 Prozent), doch die Motivation verschiebe sich spürbar. Während regulatorische Vorgaben weiterhin für 84 Prozent ausschlaggebend sind, gewinnen Anfragen von Kunden und Auftraggebern massiv an Gewicht, schreiben die Studienautor:innen. Dieser Wert stieg demnach binnen zwei Jahren von 59 auf 73 Prozent.

OeKB-Marktvorstand Helmut Bernkopf sagt zum Wandel: "Regulatorische Anforderungen und strategische Überlegungen bleiben zwar die zentralen Treiber für die Beschäftigung mit ESG. Aber das Thema wird zunehmend zum Wettbewerbsfaktor, die Unternehmen verzeichnen vermehrt Anfragen von ihren Auftraggebern und Kunden." Zudem betonte er, dass im Kontext der ökologischen Transformation nur noch jedes fünfte Unternehmen eine fehlende Relevanz der Nachhaltigkeit auf den Märkten erkenne – 2024 habe dieser Anteil noch bei rund 40 Prozent gelegen.

Herausforderungen im Datenmanagement

Obwohl das Bewusstsein hoch ist, bleibe die Datenverwaltung eine Hürde. Für 87 Prozent der Befragten stellt der interne Aufwand die größte Herausforderung dar. Während die Verfügbarkeit von Daten im Vergleich zu 2024 als weniger kritisch empfunden werde (55 statt 66 Prozent), verzeichneten die externen Kosten einen Anstieg auf 49 Prozent.

Um diesen Prozess effizienter zu gestalten, bietet die OeKB den sogenannten ESG Data Hub an. Diese Online-Plattform ermöglicht es Nutzer:innen, Nachhaltigkeitsdaten strukturiert zu erfassen. Seit Sommer 2025 könne zudem der freiwillige Berichtsstandard für KMU (VSME) vollständig abgebildet werden. Aktuell nutzen den Angaben zufolge über 1.250 Unternehmen diesen Service, um ihre Performance gegenüber Stakeholdern und Banken transparent zu machen.

ESG-Trend bei Österreichs Exporteuren

Nachhaltige Investitionen am Standort Österreich

Bei den Investitionsvorhaben am heimischen Standort zeigen sich der Studie zufolge stabile Trends. Neun von zehn Unternehmen planen innerhalb der nächsten drei Jahre Investitionen in Energie- und Ressourceneffizienz, gefolgt von Abfallvermeidung (82 Prozent) und CO₂-Reduktion (74 Prozent). Man unterstützt diese Vorhaben gemeinsam mit dem Finanzministerium (BMF) durch spezialisierte Finanzierungsinstrumente wie "Exportinvest Green" und "Exportinvest Green Energy", die attraktive Konditionen für den Umstieg auf erneuerbare Energien bieten, heißt es von der OeKB.

Auch im Bereich der Exportgarantien werde ein klarer Fokus auf die Ökologisierung gelegt. So könne der geforderte österreichische Wertschöpfungsanteil auf bis zu 25 Prozent reduziert werden, sofern das gedeckte Geschäft nachweislich positive Auswirkungen auf die Umwelt habe. Laut Bernkopf setze man gemeinsam mit dem BMF wirksame Anreize für nachhaltige Exportgeschäfte und umweltfreundliche Investitionen am Standort.

www.oekb.at

Über die Umfrage

Die Kundenbefragung hat die Integral Markt- und Meinungsforschungsges.m.b.H. im Auftrag der OeKB durchgeführt. Zwischen dem 2. und 31. März 2026 wurden im Rahmen einer Onlinebefragung 76 Exportunternehmen zu den Themenfeldern Energieversorgung und Energiesicherheit, Lieferketten, Umwelt und Nachhaltigkeit, Regulatorik sowie Hoffnungs- und Risikomärkte befragt.

Alle Angaben wurden ausschließlich aggregiert ausgewertet.

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Über die Umfrage

Die Kundenbefragung hat die Integral Markt- und Meinungsforschungsges.m.b.H. im Auftrag der OeKB durchgeführt. Zwischen dem 2. und 31. März 2026 wurden im Rahmen einer Onlinebefragung 76 Exportunternehmen zu den Themenfeldern Energieversorgung und Energiesicherheit, Lieferketten, Umwelt und Nachhaltigkeit, Regulatorik sowie Hoffnungs- und Risikomärkte befragt.

Alle Angaben wurden ausschließlich aggregiert ausgewertet.

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