Ralph A. Riffeser ist ein Mann mit großer Wirkung ohne laute Selbstdarstellung. Einer, der lieber baut als posiert. Ein Regisseur, der nicht ins Bild läuft, aber hinter den Kulissen jene Hotelwelt dirigiert, über die derzeit ganz Oberitalien spricht: Das Cavallino Bianco ist ein gerade eröffnetes Fünf-Sterne-Luxusresort in Caorle. Ein lang gehegter Traum, den sich der Südtiroler erfüllt hat, der als Mann der Berge zum Urlaubmachen gerne ans Meer fährt.
Entstanden ist ein luxuriöses Familienhotel an der Lagune des malerischen Küstenortes Caorle, das seinem vielfach preisgekrönten Mutterhaus in Ortisei in nichts nachsteht. „Meine Vorgabe war ein Märchenschloss. Ein Architekt hat mir eines gezeichnet, mit vielen Türmchen, das ausgeschaut hat wie Neuschwanstein. Doch mir wurde gesagt, dass die Gemeinde das nicht annehmen wird. Also ist es ein Palazzo im venezianischen Stil geworden.“

Das Konzept war von Anfang an klar: ein Hotel, das ausschließlich für Familien gedacht ist. Die 101 Suiten sind demnach auch nur buchbar, wenn im Verbund auch Kinder dabei sind. „Wenn wir voll sind, dann haben wir 400 Leute im Haus, davon 200 Kinder. Da kann es auch schon mal laut werden“, sagt der Chef, der das Konzept bereits in seinem ersten Hotel konsequent umgesetzt hat, weil es ihn störte, dass Kinder in luxuriösen Resorts oft nicht allzu willkommen sind. „Wenn ein Kind schreit, dann ist das hier kein Problem. Wenn es unterm Esstisch ausschaut wie in einem Hühnerstall, dann auch nicht. Wir sitzen alle im selben Boot.“
Ein Strand, der Caorle auf ein neues Niveau hebt
Herzstück sind die großzügig gestalteten, lichtdurchfluteten Family Suiten mit 46 bis 118 Quadratmetern Fläche. Offene, fließende Grundrisse, durchdacht geplant, alle mit Terrasse und direktem oder zumindest seitlichem Meerblick. Ein separater Kinderbereich, zwei Bäder, ein Wohnbereich samt Pantry und eine technische Ausstattung, die sich angenehm zurückhält, aber keine Wünsche offenlässt. Warme Naturfarben, weiche Stoffe und ein modernes Design, das man als Minimalismus mit venezianischen Einflüssen bezeichnen könnte, schaffen in der gesamten Anlage eine Balance aus stilvoller Eleganz und wohnlicher Behaglichkeit.
Der direkt angrenzende Strand ist paradiesisch. Eine sage und schreibe 50.000 Quadratmeter große Landschaft mit großzügig voneinander getrennten Cabanas, geschützt von Dünen und üppiger Vegetation sowie integrierten Spielwiesen. Jede dieser Mini-Oasen ist ausgestattet mit King-Size-Liegen, himmelweichen Polsterbetten, Kühlschränken und sogar Steckdosen zum Laden der Handys. Vom vielerorts üblichen Teutonengrill an der oberen Adria ist hier nichts geblieben.
Sky Pool: Herrlicher Ausblick, herrliche Ruhe
Im Lino Land werden Kinder ab dem Neugeborenenalter professionell und liebevoll betreut. Auch Teenager kommen in ihrer eigenen Welt auf ihre Kosten. Erwachsene wiederum finden in den Adults-only-Bereichen Ruhe und Rückzug. Auf den Liegen rund um den Infinity Sky Pool eröffnet sich wohl der spektakulärste Blick auf Caorle. Saunen, Dampfbäder und der Beauty Spa sorgen für entspannte Stunden. Letzteren hat der tief gläubige Hotelchef seiner verstorbenen Mutter Lea gewidmet. Eine Schönheit sei sie gewesen, erzählt er, und dass er hoffe, sie sei dort oben stolz auf ihn.
Was die tatsächlichen Kosten dieses Mega-Projekts betrifft, hält sich Riffeser lieber bedeckt. „In den Medien war viel zu lesen, von 50 bis 200 Millionen Euro war alles dabei. Suchen Sie sich was aus“, schmunzelt er. Er wolle nicht, dass das Hotel allein wegen der investierten Summen zur Attraktion werde.
Die Gäste machen die Stimmung
Mit welcher Jahresauslastung rechnet er? Rund 80 Prozent, antwortet Riffeser. „Unser Ziel ist es, die ganze Welt hierherzubringen – zumal mit Venedig ein internationaler Flughafen in der Nähe liegt.“ Hinsichtlich der Herkunft der Gäste rechnet er mit rund 40 Prozent Italienern, 50 Prozent Gästen aus dem D-A-CH-Raum und etwa 10 Prozent internationaler Klientel aus aller Welt. „In Wahrheit machen ja die Gäste im Haus die Stimmung“, sagt der Hotelier aus Erfahrung.
Im für seine teils sehr exklusiven Gäste bekannte Hotel in Südtirol wird Privatsphäre großgeschrieben. Eine Passage mit Fotos von den ganzen VIP’s, so etwas gibt es bei ihm nicht. Wenn sich die Promis selbst in den Sozialen Medien präsentieren, dann freut er sich über die Werbung, aber dann sei es eben auch ihr Bier, wenn sie sie von den Paparazzis vor dem Hotel mit ihren Teleobjektiven abgelichtet werden.
Caorle hat den roten Teppich ausgerollt
Wie er die Rolle des neuen Cavallino für Caorle und die Region sieht?
Dazu konstatiert er, dass Caorle dieses Hotel wirklich wollte. Dass es daher auch relativ zügig weitergegangen ist mit den Genehmigungen. „Die damalige Verwaltung wollte ein Exempel statuieren, dass Tourismus in Caorle auch auf einem anderen Niveau funktioniert, wie jenem, der sich bisher etabliert hat. In der Hoffnung, dass die anderen nachrüsten. Das ist die Erwartung der Gemeinschaft und das will ich ihnen jetzt auch beweisen.“ Für die Region ist das Cavallino ganz klar ein Highlight.
Offenhalten möchte er das Hotel von Ostern bis zu den Heiligen Drei Königen im Jänner – eine ungewöhnlich lange Saison für den Ort, der traditionell stark vom Sommertourismus lebt. Im Winter gebe es hier einen entzückenden Weihnachtsmarkt, sagt er. Und überhaupt findet er Caorle das ganze Jahr über wunderbar: „Hier kann man wunderbar spazieren gehen. Hier ist Leben. Das kann ich bezeugen.“
Erste Eindrücke gibt es in unserer Galerie.